Faktentreue vs. Fake News

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Diese Woche habe ich den Medienwissenschaftler Vinzenz Wyss zum Interview getroffen. Einem Journalismus-Experten gegenüberzusitzen ist für Journalisten im Jahr 2017 nicht gerade berauschend: Die Digitalisierung hat ihr Geschäft längst vom angestammten Platz vertrieben. Früher, da waren die Medien Gatekeeper: Sie bestimmten mit, was auf die Traktandenliste kommt und was nicht. Damit ist im digitalen Zeitalter Schluss: Jede Politikerin und jeder Politiker, jedes Unternehmen und jeder Verein kann die digitalen Kanäle und Plattformen nutzen, um die eigenen Botschaften zu verkünden, die eigenen Interessen zu vertreten. Was auf den ersten Blick toll klingt, kann bei näherem Hinsehen auch Sorgen bereiten: Über viele Informationen zu verfügen heisst fürs Publikum noch lange nicht, ein Thema einigermassen einschätzen zu können. Im Gegenteil: In der Flut der Informationen klammern sich überforderte Konsumenten an möglichst einfache Einordnungen, am liebsten von Leuten, die sie kennen – egal, wie zutreffend diese Einordnungen sind. Das ist dann das Tor, durch das Fake News in den digitalen Raum vordringen.
Zerfall der institutionellen Ordnung nennen Wissenschaftler wie Wyss diesen Prozess: Weil garantiert irgendwo das Gegenteil steht, traut man den Nachrichten, die in der Zeitung stehen, immer weniger. Am Schluss setzt sich dann die Idee in den Köpfen fest, die Elite stecke sowieso unter einer Decke. So einfach ist es freilich nicht, aber Fakt ist auch, dass sich diese Wahrnehmung eher noch verschärfen wird: Das Netz ist eben nicht nur ein Marktplatz für Informationen und Güter, sondern auch ein Kampfplatz, auf dem zunehmend um Deutungshoheit gerungen wird.
Das kann gerade für Medienunternehmen und Journalisten auch eine gute Nachricht sein: Faktentreue, Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit mögen in der Kakofonie des Internets manchmal in den Hintergrund treten – langfristig werden sie sich durchsetzen.
PS: Schauen Sie morgen bei uns auf zofingertagblatt.ch vorbei. Auf der neu gestalteten Website berichten wir aktuell und ausführlich über die Resultate der Wahlen im Bezirk.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Faktentreue der klassischen Medien

RuBu
schrieb am 23.09.2017 13:41
Die Faktentreue der klassischen Medien war/ist eben auch nicht immer gegeben und insbesondere politische Beiträge welche aus den Häusern der Springer-Gruppe stammen, sind grundsätzlich zu hinterfragen.

Hauptsächlich die privaten, aber auch die ÖR in Deutschland, verwechseln den Bildungsauftrag des öfteren mit einem Erziehungsauftrag und berichten tendenziell!

Auch die ach-so-seriösen Publikationen wie Tagesschauen des SRF, der ARD oder ZDF mussten schon korrigiert werden, da manipulative Desinformation betrieben wurde (Youtube-Suche nach "falsche berichterstattung") - gibt genug Material, das einem am Wahrheitsgehalt der traditionellen Medien zweifeln lässt...
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