Spannende Ausstellung gewährt Einblick in menschliche Abgründe - mit Galerie

Ein Unterstand, ein Brunnen und Sitzbänke – Assoziationen zu einem Mordfall kommen hier kaum auf. Kein Wunder: es liegt auch rund 200 Jahre zurück, als ein 21-Jähriger beim «Mordshagel» hinter der Badi in Nebikon seine 18-jährige Geliebte gemeuchelt haben soll. Joseph «Mordshagel» Schaller wurde am 12. Februar 1817 gemäss Archivalien vom Luzerner Staatsarchiv des Doppelmordes verurteilt und anschliessend hingerichtet. Des Doppelmordes, weil seine Geliebte, die Magd Marie aus Altishofen, schwanger war. Er versprach ihr, sie zu heiraten. Dazu kam es aber nie. Denn er versprach dies auch einer anderen Geliebten; und die sollte nichts von der Schwangerschaft der anderen erfahren. Zudem fürchtete Joseph Schaller, dass Marie ihm finanzielle Ansprüche stellen könnte. Also lockte er sie unter falschen Vorzeichen in den Stämpfelwald; und erwürgte sie.

Elf historische Fälle

Solche historische Mordfälle hat die Kuratorin Sibylle Gerber recherchiert und aufgearbeitet. Elf davon zeigt das historische Museum aktuell in der Sonderausstellung «Tatort. Luzerner Kriminalfällen auf der Spur». Diese geben Einblick in die Luzerner Rechtsgeschichte vom 15. Jahrhundert bis heute und widerspiegeln exemplarisch den Zeitgeist der jeweiligen Gesellschaft und deren soziale Milieus. So werden die Fälle auch in einen gesellschaftlichen Kontext gestellt: beispielsweise wie die Liberalen und die Konservativen versuchten, einen Mordfall für ihre Ideologien zu missbrauchen. Oder das sogenannte Gottesurteil, das zu Beginn des zweiten Jahrtausends noch angewendet wurde. Dabei wurde bei einem Rechtsstreit das Urteil einem übernatürlichen Zeichen überlassen.

Neben Fotos und Dokumenten sind in der Ausstellung auch Originaltatwaffen zu sehen. Die Tatmotive haben sich in diesem Zeitraum kaum verändert: Es geht um Liebe und Hass, um Geld und Macht, um Ansehen oder soziale Stellung. Was sich jedoch verändert hat, sind gesellschaftliche Konventionen, Stichwort uneheliche Kinder, und der Umgang mit Verbrechen. Wurde der damals 21-jährige Joseph Schaller noch zu Tode verurteilt, ist man heute versucht, Straftäter wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Das zeigt beispielsweise der neuste Fall in der Ausstellung: Der sogenannte Todespfleger hat in Sarnen, Küssnacht und Luzern zwischen 1995 und 2001 mindestens 22 ältere und pflegebedürftige Menschen getötet. Es handelt sich um das grösste Serienverbrechen in der Schweiz. Momentan befindet er sich im Arbeitsexternat. Das bedeutet, dass er die Anstalt für die Arbeit verlassen darf, für seine Ruhe- und Freizeit jedoch wieder zurückkehren muss.

Kriminaltechnische Methoden

Solche Hintergrundinformationen stellt die Kuratorin Sibylle Gerber den Fallschilderungen bei. «Die Besucher sollen sich Gedanken machen über die Veränderbarkeit von Gesetzen», sagt Gerber. Die Ausstellung zeigt aber nicht nur die Entwicklung der moralischen Werte, sondern auch die der kriminaltechnischen Methoden. Im 19. Jahrhundert revolutionierte die Erfindung neuen technischer Hilfsmittel die Kriminalistik. Dabei bereiteten die Fotografie, Körpervermessung und das Fingerabdruck-Verfahren den Weg hin zu den exakten Wissenschaften und weg von subjektiven Zeugenaussagen. Erwähnung finden dabei auch die menschenverachtenden Methoden des italienischen Arztes Cesare Lombroso. Er vertrat die Meinung, dass Verbrecher anhand ihres Aussehens als solche erkannt werden können. Diese Ansicht diente den Nationalsozialisten später als Vorlage für ihre rassenbiologischen Theorien.

Einblick in «Luzerner Tatort»

Ein weiterer Bestandteil der Ausstellung ist der Sonntagabend-Krimi «Tatort». Die Faszination an fiktionalen Mordgeschichten wie dieser Fernsehserie gab den Ausschlag für diese Ausstellung, wie es in der Medienmitteilung heisst. Der Fokus liegt dabei auf den Folgen aus Luzern. Seit 2011 verfolgt das Ermittlerteam Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) das Böse am Vierwaldstättersee, in Luzern und an seinen Vororten. Drei Videostationen zeigen mit Interviews und Filmausschnitten, was die Krimi-Reihe ausmacht: die Ermittler (Interview mit Stefan Gubser, Schauspieler), die regionalen Drehorte (Interview mit Niklaus Zeier, Filmlocation Lucerne) und die gesellschaftlich relevanten Themen, die der «Tatort» immer wieder aufgreift (Interview mit Maya Fahrni, Redaktorin SRF). Requisiten und maskenbildnerische Details aus verschiedenen Luzerner «Tatort»-Folgen zeigen ausserdem den Alltag einer Filmproduktion.

Die Ausstellung im Historischen Museum in Luzern läuft noch bis 11. März 2018.

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