Astrid Haller: «Ich will nicht im Weg stehen, wenn jemand das Ruder übernehmen will»

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Nachdem Astrid Haller (l.) nicht mehr für das Gemeindeammannamt kandidiert, dürfte die parteilose Hanna Kunz die einzige Kandidatin für den zweiten Wahlgang als Frau Gemeindeammann und als fünftes Mitglied des Gemeinderates sein. (Fotos: zVg)

Frau Haller, Sie wurden vor 10 Tagen als Gemeinderätin wiedergewählt, als Frau Gemeindeammann reichte es jedoch nicht. Am 26. November kommt es zu einem zweiten Wahlgang. Treten Sie an?
Nein. Nachdem ich erfahren habe, dass man eine Kandidatin für dieses Amt gefunden hat, war für mich klar, dass ich nicht in den zweiten Wahlgang gehe. Das oberste Gebot ist jetzt, dass Ruhe im Dorf einkehrt.

Was genau hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
In den letzten Jahren hat sich eine Polemik gegen mich aufgebaut – Auslöser war vor allem das Thema Asyl. Ich hatte das Gefühl, dass es möglich sein müsste, zu differenzieren: Dass hinter allen Entscheiden ein fünfköpfiges Gremium steht. Das war aber nicht der Fall. Jetzt ist jemand bereit, das Ruder zu übernehmen. Da will ich nicht im Weg stehen. Wie gesagt, jetzt muss Ruhe im Dorf einkehren.

Das wäre nicht der Fall, wenn Sie erneut antreten würden?
Kaum. Es stünde zu befürchten, dass die Schlammschlacht bis Ende November weitergeht. Im Gemeinderat stehen grosse und wichtige Geschäfte an, wir sind gerade gestern wieder die Pendenzenliste durchgegangen. Wenn jetzt Klarheit herrscht, können wir anfangen, die Übergaben an die neuen Gemeinderäte aufzugleisen. Alles andere wäre nicht gut fürs Dorf.

Was hat die teilweise gehässige Atmosphäre im Wahlkampf Ihrer Meinung nach ausgelöst?
Ich habe schon vor längerer Zeit gehört, dass man mich als Frau Gemeindeammann beinahe um jeden Preis verhindern will. Der Auslöser war wie bereits erwähnt das Thema Asyl. Aber auch sonst hatten wir eine sehr happige Legislatur. Wir haben mit der Sporthalle ein Jahrhundertwerk gebaut, ein Projekt, das es so im Dorf noch nie gegeben hat. Da stand ich mit an der Front – und klar, das Projekt passte nicht jedem. Ähnliches galt beim Verkauf des Elektrizitätswerks, bei der Schulhausrenovation und beim Dorffest. Auch beim tragischen Lawinenunglück im März stand ich wieder an der Front. Und je mehr man an der Front steht, desto eher steht man jemandem auf die Füsse.

Sie werden jetzt einige Aufgaben abgeben müssen. Welche genau?
Wie das entschieden wird, ist in unserem Geschäftsreglement festgehalten. Ich werde die präsidialen Aufgaben abgeben, darunter das Ressort Personal. Das tut mir auch weh, weil wir gerade im Bereich Personal in den letzten Jahren grosse Aufbauarbeit leisten konnten. Den Entscheid, im zweiten Wahlgang nicht mehr anzutreten, habe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge getroffen.

Wie meinen Sie das genau?
Mit einem weinenden Auge, weil ich den Ammann-Job wirklich gern gemacht habe – ich war mit viel Herzblut dabei. Mit einem lachenden Auge, weil ich aus der Schusslinie komme, meine Agenda wieder etwas freier wird und ich wieder mehr Zeit für andere Dinge habe. Auf die Arbeit als Rätin freue ich mich natürlich auch.

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