AKB will eine Frau im Bankrat, schreibt die Stelle aber nicht aus

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Die Eingangshalle im AKB-Hauptsitz in Aarau (Bild: AKB)

Derzeit ist der Bankrat der Aargauischen Kantonalbank eine reine Männerrunde. Im obersten Leitungsgremium der Bank, das auch die Aufsicht über die AKB-Geschäftsführung wahrnimmt, sitzt keine einzige Frau. Dies soll sich aber bald ändern, wie der Vorlage für die Ergänzungswahl in den Bankrat zu entnehmen ist. Geht es nach dem Regierungsrat, soll Andréa Belliger, Prorektorin an der Hochschule Luzern und Professorin am Institut für Kommunikation und Führung, künftig im Bankrat Einsitz nehmen. In der Vorlage heisst es, der Bankrat suche «eine fachliche Verstärkung im Bereich Digitale Transformation und Omnichanneling». Dann folgt ein bemerkenswerter Satz: «Bei dieser Person soll es sich zudem um eine Frau handeln.»

Regierung genehmigt Ausnahme
Ganz bewusst wurde die Auswahl für den Sitz im Bankrat damit eingeschränkt – und das übliche Verfahren geändert. In der Regel werde «mittels öffentlicher Ausschreibung nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten gesucht», heisst es in der Vorlage. Dies ist auch in den Richtlinien zur Public Corporate Governance festgelegt. Im aktuellen Fall habe der Bankrat der Kantonsregierung beantragt, «von dieser Regel abzuweichen, da eine Frau mit besonderen IT-Kompetenzen gesucht werde». Am 16. November 2016 beschloss dann der Regierungsrat, «dass die AKB im vorliegenden Fall auf eine öffentliche Ausschreibung verzichten kann». Stattdessen wurde ein Headhunter beauftragt, der «ein umfassendes mehrstufiges Auswahl- und Selektionsverfahren» durchführte.

Grossratsbüro kritisiert Verfahren
Schon im April verabschiedete die Regierung den Wahlvorschlag, an zwei Sitzungen befasste sich das Büro des Grossen Rats damit. «Kritisch aufgenommen wurde die Tatsache, dass auf eine Stellenausschreibung verzichtet wurde», heisst es in der Vorlage. Ein Rückweisungsantrag wurde allerdings abgelehnt. Das Büro, dem neben dem Ratspräsidium auch die Fraktionschefs angehören, halte aber daran fest, dass solche Stellen «in der Regel» auszuschreiben seien. Sollte eine Stelle ausnahmsweise nicht ausgeschrieben werden, sei das Büro im Voraus darüber zu informieren. Finanzdirektor Markus Dieth habe dies für künftige Verfahren zugesichert. Begeistert waren die Büromitglieder dennoch nicht: Den Wahlvorschlag des Regierungsrats unterstützten sie nicht einstimmig, sondern nur mit einem Mehrheitsbeschluss.

SVP schaltet Stelleninserat
Insbesondere der SVP stösst das Verfahren bei der Auswahl von Andréa Belliger sauer auf. In einem eigenen Stelleninserat, das gestern auf Facebook publiziert wurde, sucht die Fraktion selber ein Bankratsmitglied. Dass eine Kandidatin «ohne öffentliche Ausschreibung und mit der Vorgabe des weiblichen Geschlechts» vorgeschlagen wird, sei nicht optimal. Deshalb bittet die SVP «alle interessierten und fachlich geeigneten Personen (m/w)», sich zu bewerben. «Bei unserer Beurteilung stehen die Skills der Kandidaten über Geschlecht und Parteizugehörigkeit», heisst es im SVP-Inserat weiter.

Als Auskunftsperson ist Fraktionschef Jean-Pierre Gallati angegeben. Als die AZ bei ihm nachfragt, sagt er: «Die Ausschreibung ist kein Scherz, wenn sich eine geeignete Person meldet, werden wir sie bei der Wahl am 14. November dem Grossen Rat vorschlagen.» Gallati kritisiert nicht nur das Vorgehen der AKB, sondern meldet auch Zweifel an, ob Andréa Belliger die Voraussetzungen für eine Wahl erfülle. «Aus unserer Sicht – und nach Einschätzung mehrerer unabhängiger Fachleute aus dem Bankensektor – bringt sie zu wenig Erfahrung im Finanzbereich mit.»

Bankrat verteidigt Vorgehen
Dieter Egloff, Bankratspräsident der AKB, sagt auf Anfrage: «Frau Belliger hat in allen drei Gesprächen, die wir mit ihr geführt haben, stets überzeugt und war die beste Kandidatin.» Sie sei eine anerkannte Expertin für digitale Transformation im ganzen deutschsprachigen Raum. Dass sie über keine bankenspezifischen Kenntnisse verfügt, ist für Egloff nicht entscheidend. «Diese Kenntnisse können durch andere Bankratsmitglieder abgedeckt werden.»

Der Bankrat sei der festen Überzeugung, dass der Einsitz von Frauen aus verschiedenen Gründen eine Bereicherung für die Bank und das Gremium darstelle. Egloff betont aber: «Es ist nicht einfach, Frauen für den Bankrat zu finden.» Bei der Erneuerungswahl im Jahr 2013 seien bei der öffentlichen Ausschreibung für die vier Vakanzen mit einem viel breiteren Anforderungsprofil mehr als 200 Bewerbungen eingegangen. «Dabei lag der Frauenanteil knapp unter 10 Prozent», sagt Egloff.

Frauen hätten sich nicht beworben
Normalerweise sei die öffentliche Ausschreibung der beste Weg, um ein möglichst breites Kandidatenfeld zu erhalten, führt Egloff aus. In der aktuellen Situation sei dies aufgrund der speziellen Ausgangslage anders gewesen. «In den Gesprächen mit den Kandidatinnen der engsten Auswahl hat sich gezeigt, dass sich nur eine Minderheit von ihnen in einer öffentlichen Ausschreibung beworben hätte.» Durch den Einsatz des Headhunters habe sich eine viel grössere Auswahl von fähigen Kandidatinnen ergeben, «als wenn wir den Regelweg mit einer Ausschreibung beschritten hätten», betont Egloff. So habe der Headhunter eine grössere Zahl möglicher Kandidatinnen identifiziert, der Bankrat habe schliesslich mit rund 20 Frauen Gespräche geführt.

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