Die USA hat Trump, wir No-Billag

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Chefredaktor Philippe Pfister.

Selten hat ein Volksbegehren die Schweiz so aufgewühlt wie das Anliegen der No-Billag-Initianten. Auf Facebook, Twitter & Co. wird bereits heftig gebellt. Glücklicherweise dauert es bis zur Abstimmung noch fast vier Monate; genug Zeit also, die Debatte zu versachlichen. Und genug Zeit, dass sich die Einsicht durchsetzt, dass es sich beim No-Billag-Vorhaben nicht um eine Denkzettel-Abstimmung à la Autobahnvignette handelt.

Wer ein Ja in die Urne legen wird, wie es vier Aargauer SVP-Nationalräte empfehlen, muss sich im Klaren darüber sein, dass bei einer Annahme der Initiative nach dem 4. März der Schweiz so etwas wie eine Trump-Ära bevorsteht. Nicht, dass ich damit den Teufel an die Wand malen will. Aber Fakt ist, dass die Schweiz eine vollkommen andere wäre als zuvor. Die Kräfteverhältnisse in der Medienlandschaft kämen schon am Tag nach der Abstimmung ins Rutschen, das Aus der SRG wäre besiegelt. Ich stimme den No-Billag-Befürwortern zu, wenn sie sagen, das zöge nicht der Untergang des Landes nach sich. Aber eine Abschaffung der «Zwangsgebühren» als Sieg der Freiheit in Aussicht zu stellen, wie es die Initianten weismachen, ist kurzsichtig. Damit wir frei bleiben, sind wir auf vielfältiges, vielschichtiges, solides Informations- und Meinungsangebot angewiesen. Nun mag es ja sein, dass manche TV- und Radioformate politische Schlagseite haben; und es stimmt, dass viele SRG-Exponenten immer noch auf einem zu hohen Ross sitzen. Aber kann man allen Ernstes behaupten, der Markt würde flugs die heutigen Programme, die unbestrittenermassen zur Meinungsbildung beitragen, mit Angeboten von ähnlicher Qualität ersetzen?

Interessenten, bei einem Ja zur Initiative das publizistische Vakuum zu füllen, gibt es. Einer heisst Christoph Blocher. Er hat sich vor kurzem 27 Gratiszeitungen zugelegt. Im SRF-«Medienclub» hat er soeben betont, wie wichtig es sei, dass der lokale Metzger seine Blutwürste unter die Leute bringen könne. Dass es Blocher in seinen Zeitungen nicht in erster Linie um Blutwürste, sondern vor allem um politische Botschaften gehen wird, habe ich an dieser Stelle schon mal geschrieben. Angesichts der No-Billag-Abstimmung ist es wichtig, es zu wiederholen.

Mehr Kommentare von Philippe Pfister finden Sie hier. 

Und hier finden Sie den Radiobeitrag zum aktuellen Wochenkommentar:

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Eine grosse schweizerische Tageszeitung oder viele kleine, ein SRF oder viele...

RB 4813
schrieb am 07.11.2017 04:45
Mich würde die Meinung des Chefredaktors interessieren, wenn statt eines SRF eine ST (Schweizer Tageszeitung) das Monopol hätte und wir darüber abstimmen würden... ;)

Klar geht es Blocher um politische Anliegen in seinen Medien, ABER, auch anders gesinnte können solche Medien betreiben - oder hat von den "linken" keiner das Geld und Know-How dazu, ist Blocher der einzig reiche im Land?
SRF ist doch das beste bisherige Beispiel, das vorwiegend in die linke Richtung tendiert und sogar das Monopol besitzt - ist das demokratisch?

Die meisten Dokus sind nicht notwendig, da sie bereits von anderen Sendern ausgestrahlt werden und treiben nur die Kosten in die Höhe. Für "Kino-Formate" wie bspw. Bestatter gibt es nur eine kleine Fangemeinde und soll nicht pauschal von allen mitfinanziert werden, das gehört sicher nicht zum Bildungsauftrag des SRF und soll privat finanziert werden!
Ausserdem wäre sparen bei Studios (schaut euch mal die Bauten und Möbel an) u.v.a. möglich gewesen und es hätte niemand wegen dermassen ausufernden Billag-Kosten eine Abstimmung verlangt.

Ich schaue mir gerne die Tagesschau und politische Sendungen auf SRF an und bin auch bereit dafür zu bezahlen, aber bestimmt nicht für Sportübertragungs-Lizenzen, Unterhaltungsfilme, Superstar-Sendungen, übertriebene Wetter-Shows, ECO, Kassensturz uva. Hierfür gibt es bessere Sender (nebenbei: das trifft je nach Thema (Bsp. Sport) auch auf das Zofinger Tagblatt zu). Insbesondere bezüglich politischer Meinungen lese ich auch Kommentare in Zeitungen (ja, die bewirtschaften ebenfalls solche Themen;) und im Internet, hierfür braucht es kein ein SRF.

Ich bin für das Aufreissen des Monopols und Splittern in einzelne themen-bezogene Sender, wobei diese als Pay-TV abonniert werden können. Ein Sender "SRF-Info" (und falls dann einmal "SRF-Polit" o.ä. realisiert werden sollte) würde ich bestellen. Dazu das ZT und Tele M1 sowie SRF3, alles weitere finde ich im Internet und in anderen TV-Sendern.

Wer hat welchen Nutzen?

Olivier Röllin
schrieb am 06.11.2017 14:30
Selbstverständlich soll über die Höhe der Gebühr, über die Inhalte und über die Qualität der SRG diskutiert werden! Wie bei allem stellt sich die Frage, wer hat welchen Nutzen, wenn die Initiative angenommen wird. Der TV-Zuschauer? Ob es ein Nutzen ist, wenn weniger Inhalte und Sendungen angeboten werden, sei mal dahingestellt. Fallen weniger Kosten an? Man hat dann einfach mehrere Pay-TV-Angebote wie Teleclub, Netflix, Sky etc. also unter dem Strich höhere Kosten und weniger Auswahl.
Was mir die No-Billag-Initianten auch nicht verständlich machen können: wie soll der freie und werbefinanzierte Markt hochstehende Informations-, Dokumentations- und Unterhaltungssendungen anbieten können? Wer zahlt das? Im kleinen, überblickbaren Markt Schweiz? Und wieso sind dann gerade die Lokalradios gegen die Initiative? Diese müssten doch profitieren.
Es scheint ziemlich klar, dass es eine Handvoll vermögende Leute gibt, die sich freie Bahn schaffen wollen für die Verbreitung ihres Gedankenguts und ihrer politischen Einstellung, in der Tat also eine "Trumpisierung der Schweiz". Mit kapitalistischen Mitteln soll also die Demokratie ausgehebelt werden, damit die Meinungsfreiheit geschwächt wird und die Indoktrination beginnen kann. Welch Ironie - die Hüter der Demokratie greifen zu Mitteln der Diktatur.
Also nochmals in Kürze: wer profitiert, wenn die SRG aus dem Weg geräumt ist? Und wäre jemand erstaunt, wenn der eine oder andere Initiant auch in den Paradise Papers erwähnt würde? Also nur vorne rum eidgenössisch und volksverbunden.

Auch wenn ich nur ganz wenig Schweizer Fernsehen schaue und mir viele Sendungen am A... vorbeigehen - ich bezahle gerne für die Einheit des Landes, für Kultur-, Sprach- und Randregionenförderung, für Meinungsvielfalt. Soviel ist mir die Schweiz alleweil wert.

Ein fettes Nein-Danke zu "No-Billag"!

Philippe Pfister und seine Argumente stammen noch aus einer anderen Generation.

Marc Bourgeois
schrieb am 05.11.2017 23:04
1. Wer die SRG-Sendungen wirklich so toll und unverzichtbar findet, wird ein (verschlüsseltes) SRG-Signal auch freiwillig abonnieren. Aber bitte auf eigene Kosten. Die Initiative verbietet ja nicht die SRG, sondern deren Zwangsfinanzierung. Wer (wie Philippe Pfister) nicht glaubt, dass das funktionieren kann, gibt implizit zu, dass ein grosser Teil der Bevölkerung eben sehr wohl auf dieses Unverzichtbare verzichten würde und damit heute wider Willen zu seinem "Glück" gezwungen wird.

2. Die Zeiten des linearen Fernsehens gehen sehr rasch zu Ende. Wir schauen wann wir wollen was wir wollen wo wir wollen und wie wir wollen. Die einzige mögliche Rechtfertigung für einen Service Public liegt im Produzieren von CH-spezifischem Content, der sonst nicht produziert würde. Auf den ganzen Rest kann verzichtet werden. Dafür braucht es aber nicht mehr als eine Milliarde. Einen Internet-Radiosender bspw. kann heute schon jeder Private betreiben.

3. Eine breite Service Public-Debatte hat nie stattgefunden und wird ohne ein Ja zur Initiative nie stattfinden. Es wird einfach weitergehen wie bisher.

4. Die Zwangsgebührensumme wurde nicht gesenkt, auch wenn es den Anschein macht. Man holt es jetzt einfach bei den Unternehmen und den Medien-Abstinenten.

5. Ich will ganz einfach selber entscheiden, welche Medien ich sehen und finanzieren will.

6. Ich will nicht, dass private Medienhäuser von einem subventionierten Quasi-Monopolisten noch mehr in Bedrängnis gebracht werden. Eine zurückgebundene SRG würde nicht weniger, sondern mehr Vielfalt bringen.

Vergleich US-Präs.Trump mit No Billag Initiative ist eine Fehlbeurteilung

Sommerhalder
schrieb am 05.11.2017 17:17
Ich glaube es ist eine komplette Fehlbeurteilung, wenn in diesem Artikel behauptet wird, bei einem JA zur No Billag Initiative hätten wir so etwas wie eine Trump Ära!
Zu erwähnen ist auch, dass im Nationalrat einen SVP-Gegenvorschlag mit Fr. 200 SRG-Jahresgebühr zu dieser Initiative mit 108 NEIN zu 70 JA-Stimmen abgelehnt wurde.
Übrigens hat sich der Schweizer Gewerbeverband unter Leitung von FDP-NR HU.Bigler grossmehrheitlich für ein JA zur No Billag Initiative ausgesprochen!

Immer nur Blocher...

Thomas Schnider
schrieb am 05.11.2017 17:07
Fällt den Gegnern eigentlich kein anderes Argument ein? Niemand muss Blocher-TV schauen und schon gar nicht bezahlen, wenn er nicht will. Die SRG müssen alle bezahlen, auch die, die sie nicht schauen. Ist das fair? Nein. Bitte ein bisschen Solidarität mit den Leuten, welche die SRG Angebote nicht benutzen. Die anderen dürfen gerne auch nach NoBillag ein freiwilliges SRG-Abo lösen.
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