Freddy Nock will es wieder wissen: «Es ist Zeit für einen neuen Rekord»

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Freddy Nock auf dem Trainingsgerüst in Uerkheim, auf dem er für den neuen Weltrekord trainiert. CHRIS ISELI

Unter dem Artisten schwankt es. Freddy Nock hat dem an vier Seilen hängenden Metallträger vor dem Aufstieg einen kräftigen Stoss versetzt. Beim Balancieren kämpft er mit dem sich bewegenden Untergrund, der vom Morgenregen auch noch nass ist. Das Schwierigste scheint geschafft, schon nimmt er den letzten Meter in Angriff. Doch dann: Er gerät aus der Balance, dreht sich, rudert wild mit den Armen – und stürzt in die Tiefe.

Glücklicherweise beträgt deren Ausmass an diesem Tag nur gerade einen knappen Meter. Die wuchtige Konstruktion – zwei Gerüste, an denen der Träger aufgehängt ist und wie ein Schiff im Orkan hin- und herschaukelt – hat Seilartist Nock neben der Uerkner Dorfstrasse aufgestellt, um für seinen nächsten Weltrekord zu trainieren. Ein Absturz liegt dann nicht mehr drin, denn die Eisenstange wird in 6000 Meter Höhe unter einem Ballon baumeln. Die vier Seile, an denen der Mast hängt, werden über die Ballonhülle gebunden sein. Nur die beiden Fallschirmspringer, die im Ballonkorb mitfahren, könnten den waghalsigen Extremsportler bei einem Sturz noch retten. Denn Sicherung, das ist für Nock wie üblich kein Thema.

Neuer Ort nach Hochwasser
«Es ist Zeit für einen neuen Rekord», sagt der 52-Jährige. Über zwei Jahre ist es her, seit er auf der Diavolezza in 3500 Meter Höhe über das Seil 347 Meter weit von einem Berggipfel zum andern wanderte. Im September 2018 soll der Versuch zum Ballon-Rekord stattfinden. Genauer sind es deren drei: Denn wenn der Gang über die Stange klappt, wird Nock nochmals rüberbalancieren – diesmal mit verbundenen Augen – und ein drittes Mal auf dem Velo.

Schon im Juni hatte er zwischen Gemeindehaus und Kirche sein Trainingsgerüst aufgestellt, um die Konditionen in hohen Lüften zu simulieren. Dann strömte am 8. Juli das Hochwasser durchs Dorf. Nocks Gerüst hielt stand – und fing alles auf, was die flutende Uerke nicht hindurchzwängen konnte. Der Artist brach das Gerüst ab, damit es die Aufräumarbeiten nicht behinderte, und reichte für den Rasenplatz 50 Meter weiter ein Baugesuch ein. Hier kann er nun bis im nächsten Herbst für den grossen Tag üben. S

eine Auftritte und Rekordversuche macht der Uerkner seit je ungesichert. «Ich habe mich in jungen Jahren ein paar Mal sichern lassen, um Aufträge zu bekommen», sagt Nock, als würde er von einer Jugendsünde sprechen. Frage ihn heute jemand nach einer gesicherten Nummer, laute seine Antwort stets: «Da müsst ihr euch jemand anderes suchen.» Für Nock gibt es zwei Gruppen Seiltänzer. Diejenigen, die vom Seil fallen und den Job danach aus Angst nicht mehr oder nicht gleich wie zuvor ausüben. «Und es gibt solche wie mich, die sich nach einem Sturz verbessern wollen, stark an sich arbeiten, besser und dadurch noch waghalsiger werden.»

Nur an Wettkämpfen, wo Sicherung stets Vorschrift ist, lässt sich der Hochseilartist anschnallen. «Ich höre von potenziellen Sponsoren oft, dass man mich gerne unterstützen würde, wenn ich auf dem Seil gesichert wäre. Da winke ich gleich ab.» Ja, das schränke den Sponsorenkreis ein, sagt er. Für den Ballon-Rekordversuch etwa sind die Gelder noch nicht zusammen. Für Nock noch lange kein Grund, sich anseilen zu lassen. «Ich fordere nicht etwas heraus, das mich umbringt. Ich weiss, was ich mache und denke, ich bin gut darin.»

Sicher auf dem Seil
Noch nie ging der Artist auf dem Seil den konventionellen Weg: «Mein Vater lehrte mich, immer Geräteschuhe mit Ledersohlen zu tragen, um das Seil unter den Füssen zu spüren, und am Ziel mit den Augen einen Punkt zu fixieren.» Doch nur mit Ratschlägen gab sich der Junior nicht zufrieden. «Ich wollte wissen, ob es wirklich diese Sachen sind, die mir auf dem Seil Sicherheit geben, und wenn nicht, welche Techniken ich mir stattdessen antrainieren sollte.» Immer wieder studierte er Videos, die Stürze von Seiltänzern festhielten, und fand seine eigenen Antworten, wie er am sichersten am anderen Ende des Seils ankommt. Und wie steht es um die Angst, von Naturgewalten oder Vögeln vom Seil geworfen zu werden? Klar könne das passieren. «Aber es kann mir ja auch beim Autofahren eine Kuh vor den Wagen laufen.»

Auch für die Zeit nach dem Ballonrekord hat Nock schon Ideen. Er möchte den Rekordversuch wieder aufnehmen, auf einem sieben Kilometer langen Seil zwischen Matterhorn und kleinem Matterhorn zu balancieren. Vor ein paar Jahren musste er das Projekt auf Eis legen. Seit langem spukt ihm auch ein Apfelschuss per Armbrust vom Seil aus im Kopf rum. «Meine Tochter würde sich sofort mit dem Apfel hinstellen.»

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