Das Gebell unnötig machen

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Chefredaktor Philippe Pfister.

Zwei Szenen, hautnah erlebt in den letzte Wochen. Eine Frau betritt mit einem grossen Hund den Zug. Die Leine ist lang, das Tier lebendig – es schnüffelt sich an eine andere Passagierin heran. Die bittet freundlich darum, den Hund etwas straffer zu führen; sie fürchte sie nun mal vor so grossen Vierbeinern. Antwort der Halterin: «Dann bleiben Sie doch zu Hause!»

Ein paar Wochen später, ein Jazzabend bei gutem Essen; wir gehören zu den ersten, die den Saal betreten. Ein Paar sitzt schon da, ganz in der Ecke, und unter dem Tisch streckt ein riesiger Hund gemütlich die Beine von sich. Offensichtlich sind Frauchen und Herrchen extra früh gekommen, um den hundetauglichsten Platz zu ergattern – und niemandem einen Schrecken einzujagen. In beiden Fällen war Bello friedlich; im ersten Fall allerdings machte sich eine rücksichtlose Halterin breit, im zweiten exerzierten die Besitzer exemplarisch vor, wie Hunde und Menschen auf engstem Raum völlig problemlos aneinander vorbei kommen.

Das Thema ist wieder akut, weil sich Negativ-Schlagzeilen in letzter Zeit häuften. So machte die «NZZ am Sonntag» publik, dass letztes Jahr 327 Halter ins Visier der Justiz kamen, weil ihnen mangelhafte Aufsicht vorgeworfen wurde – das sind so viele Strafverfahren wie noch nie. Wir berichteten gestern, das im Aargau letztes Jahr 571 Meldungen wegen Hundebissen oder aggressivem Verhalten eingingen – ein Drittel der Fälle betraf Kleinhunde.

Die Zahlen dokumentieren zweierlei. Zum einen, was die Hunde-Gemeinde nicht so gerne hört: Zu viele Halter beaufsichtigen ihre Lieblinge nur lasch; zu viele tun so, als könnte ein Mops oder Terrier keiner Fliege etwas zuleide tun; und zu viele führen sich auf, als hätten ihre Vierbeiner die gleichen Rechte wie Fussgänger, Jogger oder Biker.

Zum anderen, dass es keine gute Idee war, die obligatorischen Hundekurse abzuschaffen - was viele seriöse Besitzer bedauerten. Es bleibt also nur die Selbstverantwortung – und die ist weitreichender, als manche Hundebesitzer wahr haben wollen. Würde sie konsequent wahrgenommen, wäre das meiste Gebell zwischen ihnen und Nicht-Hundebesitzern unnötig.

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