Bruno Aecherli: «Wir laufen finanziell absolut am Anschlag»

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Bruno Aecherli wartete an der Gemeindeversammlung mit kernigen Aussagen auf. (Foto: Kevin Sieber)

Am Ende hat der versammelte Reider Gemeinderat wohl durchgeatmet, als sich die versammelten Stimmbürgerinnen und –bürger grossmehrheitlich für das Budget 2018 aussprachen und es von ihnen genehmigt wurde. Ein Lichtblick in Reiden, das finanziell in argen Nöten steckt. «Und dies nicht erst seit gestern», wie der zuständige Finanzvorsteher Bruno Aecherli klipp und klar feststellte. Fast schon resigniert meinte er weiter, dass eine Gesundung der Gemeindefinanzen wohl eine ganze Generation überdauern werde. Und dies, obwohl das aktuelle Finanzleitbild (2015-2020) teilweise schon greife. Der Finanzvorsteher monierte weiter und beurteilte vor allem die Bewältigung des Wachstums als höchst anspruchsvoll. «Es bedarf einer absolut genauen und fast schon minutiösen Planung», hielt Aecherli deutlich fest. Ansonsten hätten sie keinen Plan, sodass die angeschlagene finanzielle Lage Reidens nie in den Griff bekommen werde. Kernige Worte also aus dem Munde des Finanzvorstehers, welcher die Realität fast schon gnadenlos darlegte und damit den einen oder anderen Stimmbürger wohl etwas aufrütteln wollte.

Steuerfuss bei 2.30 Einheiten

Die 168 anwesenden Stimmbürger haben vorgestern Montag an der Gemeindeversammlung in Reiden das Budget also grossmehrheitlich gutgeheissen. Dieses weist einen Aufwandüberschuss von 305 000 Franken auf. Der Aufwand liegt bei etwas mehr als 35.4 Millionen Franken. Auch dem zweiten Antrag des Gemeinderates, den Steuerfuss auch im kommenden Jahr 2018 bei 2,30 Einheiten zu belassen, stimmten die Stimmbürger grossmehrheitlich zu. Trotz dieses schlussendlich klaren Abstimmungsentscheides zeigten die präsentierten Zahlen keine rosigen Zukunftsaussichten. Insbesondere der Blick auf den Finanzplan bis und mit 2021 zeichnet in der Gemeinde ein düsteres Bild. «Wir laufen finanziell also absolut am Anschlag», meinte Aecherli weiter. Dem angefügt hat er die Tatsache, dass sich Reiden in Zukunft entweder weiter verschulden oder aber auf der Einnahmenseite Erhöhungen anstreben müsse. Insbesondere der Verschuldungsgrad bereitet den Behörden einige Sorgen, steigt doch die Nettoschuld pro Einwohner in den nächsten Jahren gemäss Prognosen rasant an.

«Wir leben also über unserer Ertragskraft, die wir haben», so Aecherli weiter. Konkret bedeutet dies also nur eines: Reiden gibt massiv mehr Geld aus, das es gar nicht besitzt. Die Schulden von heute bedeuten somit nichts anderes, als dass diese die Steuern von morgen sein werden. Eine weitere, doch sehr eindrückliche Zahl nannte Aecherli auch noch: Reiden hat insgesamt gerade mal 10 Einwohner, die mehr als je 60 000 Franken Steuern bezahlen. «Zu ihnen müssen wir Sorge tragen», betonte er, um eine Anhebung des Steuerfusses trotz finanzieller Schieflage nicht in Betracht zu ziehen. Die zahlenorientierte Gemeindeversammlung nahm also ihren Lauf. Insbesondere als mit Thomas Huber der Leiter des Ressorts Finanzen das Wort ergriff und den Voranschlag der laufenden Rechnung 2018 präsentierte. Vor allem die Aufwendungen in der Bildung werden grösser, was mitunter an der höheren Besoldung aufgrund des Lehrplans 21 liegt. Der Nettoaufwand dafür ist rund 297 000 höher als im aktuellen Jahr.

«Zudem», so Huber weiter, «liegt auch in der sozialen Wohlfahrt erheblicher Aufwand vor.» Der Gesamtaufwand in der Bildung liegt bei 13.8 Millionen Franken, wobei davon 78 Prozent Personalkosten ausmachen. Die soziale Wohlfahrt mit knapp sieben Millionen Franken an Ausgaben und nur gerade einer halben Million auf der Ertragsseite fällt zudem auch stark ins Gewicht. «Die beiden Bereiche zusammen machen also einen grossen Teil des gesamten Budgets aus», erklärte Huber in seinen Ausführungen. Trotz dieser finanziellen Schieflage informierte die Badi Reiden AG über drei mögliche Szenarien, welche von einer Schliessung mit Rückbau (2.5-3 Millionen), über eine Weiternutzung des Hallenbads und Rückbau des Freibads (7 Millionen), bis hin zu einer Weiternutzung sowohl des Hallenbads wie auch des Freibads, alles umfasste (9.5 Millionen) und wie dessen Finanzierung aussehen sollte. Auch über den Bau eines neuen und dringend notwendigen Schulhauses wurde informiert, was die angeschlagenen Finanzen der Gemeinde wiederum angreifen könnte. (Kevin Sieber)

 

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