Im Birrfeld fällt eine Frau vom Himmel - «Der Bestatter» feierte Vorpremiere

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Vom Himmel gefallen: Mike Müller als Luc Konrad (links) und Reto Stalder als Fabio Testi bei der tödlich verunfallten Fallschirmspringerin im Birrfeld. (Foto: SRF/Lucian Hunziker)

Der neue «Bestatter» beginnt mit einem tiefen Fall: 2000 Meter über dem Birrfeld, die junge Sandra und ihr Fallschirm-Lehrer springen aus dem Flugzeug, geniessen den Moment der vermeintlichen Schwerelosigkeit. Doch der Lehrer wird nervös. Sandra zieht den Fallschirm nicht. Seine Warnrufe verhallen im Wind, er muss ziehen, Sandra reagiert nicht, stürzt ungebremst ab. Ein paar Stunden später steht Bestatter Luc Konrad (Mike Müller) neben der Leiche im roten Spezialanzug und sagt: «D’Mönsche begrabe ihre Troum vom Flüge äuä nie.»

Da ist er wieder! Der trockene Humor, der coole Auftritt, die nicht deaktivierbare Spürnase. Der Bestatter hat einen neuen Fall – und der wird ihn sechs Folgen lang in der neuen, bereits 6. Staffel der SRF-Krimiserie beschäftigen. Die Spur führt ihn zum Hirnforscher und Psychiater Professor Mankovsky, der Sandra als Patientin gegen ihre Angstattacken behandelte. Fallschirmspringen als Flugangst-Therapie? Der Bestatter ist sich sicher: In Mankovskys mysteriösem Zirkel geht es nicht mit rechten Dingen zu.

Keine Routine

Viel mehr durfte Hauptdarsteller Mike Müller am Dienstagabend bei der Vorpremiere der ersten Folge den 300 geladenen Gästen und Wettbewerbsgewinnern im Kino Trafo in Baden noch nicht verraten. «Das gehört sich einfach nicht bei einem Krimi», erklärte er mit wissendem Schmunzeln, versicherte aber: «Es wird spannend!» Ermüdungserscheinungen habe er, auch wenn es sich bereits um die 6. Staffel handle, keine: «Unsere Aufgabe ist es, keine Routine entstehen zu lassen.» Er lerne jedes Mal viele neue Schauspielerinnen und Schauspieler kennen, die man für die sechs Folgen caste. Und könne so mit Leuten zusammenspielen, die er noch gar nicht gekannt habe – oder mit denen er schon lange endlich einmal habe arbeiten wollen.

Das war es am Dienstag mit Antworten von Mike Müller. Denn an diesem Abend war er vor allem zum Fragenstellen angestellt. Er tat dies in seiner bewährten, nicht ironiefreien Art, sowohl bei Politprominenz als auch bei der «Bestatter»-Crew. Von Produzent Markus Fischer wollte er wissen, ob es in den «Bestatter»-Castings wie bei seinem amerikanischen Berufskollegen Harvey Weinstein – kürzlich des sexuellen Übergriffs überführt – zu- und hergehe. Fischer räumte ein, man habe zwar ein schwarzes Kunstledersofa im Büro, darauf habe er aber noch nie Schauspielerinnen näher geprüft. «Bei uns zählen die inneren Werte.»

Die Sache mit dem Stadion

Der gebürtige Meisterschwander und Inhaber der in Zürich ansässigen Produktionsfirma Snakefilm schwärmte: «Im Aargau zu drehen, ist tausendmal schöner als im Kanton Zürich.» Mit Industrie, Landschaften oder Schlössern gebe es im Aargau einfach alles, «ein Schmelztiegel, in dem wir überall willkommen sind». Mike Müller bestätigte dies mit einer Anekdote: Wenn in Zürich Dreharbeiten von einem lauten Rasenmäher gestört würden, müsse man den Hauswart «mit eme Zwänzger» zum Abstellen motivieren. Als man für die neue Staffel in Biberstein gedreht habe, sei der rasenmähende Hausbesitzer von nebenan von sich aus auf die Crew zugekommen, habe gefragt: «Dient es euch eventuell, wenn ich den Rasenmäher ausschalte?»

Gedreht wurde von Juni bis Oktober an 66 Tagen, jeweils von Sonntag bis Donnerstag. «An den Sonntagen stehen Gebäude oder Anlagen offen, die sonst nicht für Dreharbeiten zugänglich sind», erklärte Fischer. Regierungssprecher Peter Buri und Aargau Tourismus haben auch diesmal geholfen, Türen zu öffnen. Aargau Tourismus organisierte auch die Vorpremiere im Kino Trafo. Diesmal fiel die Wahl auf Baden, weil die erste Folge auch vom Tod eines Spielsüchtigen im Casino Baden handelt. «Gedreht haben wir aber im Casino Zürich, denn in Baden haben sie keine Probleme mit Spielsüchtigen», bemerkte Müller augenzwinkernd. Die Aufnahmen wurden tatsächlich in Zürich gemacht – weil sich das Gebäude besser eignete.

Alex Hürzeler ist grosser Fan

Der Badener Stadtammann Geri Müller – Namensvetter Mike lernte er als Kulturveranstalter Ende der 80er-Jahre kennen – gab zu, keine einzige Folge gesehen zu haben: «Ich habe zu Hause keinen Fernseher.» Auf die Bemerkung Mike Müllers, 2018 habe er ja bedeutend mehr Zeit, sagte Geri Müller pflichtbewusst: «Dann werde ich natürlich jeden Dienstag ‹Bestatter› schauen.» – «Diese Frage haben wir lange geübt», scherzte Mike.

Als grosser Fan outete sich dafür Landstatthalter Alex Hürzeler. Er habe sicher 30 Folgen gesehen. «Und ich freue mich, dass in der neuen Staffel das ehrwürdige Brügglifeld zu sehen ist.» Er hoffe, dass man in einer nächsten Staffel dann ein neues Stadion Torfeld Süd zeigen könne. «Wahrscheinlich kommt die 7. Staffel aber schneller als das Stadion», sagte Hürzeler und steckte mit seinem der Realität geschuldeten Lachen den Saal an.

7. Staffel schon in Planung

Natürlich konnte es Müller beim Aargauer Kultur- und Sportminister nicht lassen, nach dessen Meinung zur No-Billag-Initiative zu fragen. «Sie ist für mich ein No-Go», sagte Hürzeler, «aber es braucht zweifelsohne Korrekturen bei der SRG.» Den «Bestatter» müsste man jedenfalls unbedingt beibehalten. Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion bei SRF, hofft sehr, «dass es weitergeht». Man schreibe an der 7. Staffel. Der Aargau als Drehort werde beibehalten, denn er sei mit ein Grund für den riesigen Erfolg der Serie, die inzwischen in zahlreichen Ländern und auch auf Netflix zu sehen ist. Das weiss man auch beim Kanton. Deshalb flossen 2017 wieder 100000 Franken aus dem Swisslos-Fonds in die Produktion. Alex Hürzeler: «Wenn es zu einer Fortsetzung kommt, würden wir erneut versuchen, uns zu beteiligen.»

In Baden gaben sich die Darsteller volksnah, plauderten locker mit allen, die fragten. Fans machten Selfies mit ihren Lieblingen und hofften, der tiefe Fall in der Auftaktszene möge keine vorherseherische Symbolkraft haben. (Mario Fuchs/AZ)

«Der Bestatter» 6. Staffel, ab 2. Januar 2018, dienstags 20.05 Uhr, SRF 1

Verhaltener Start, grosses Potenzial

Eines kann man vorwegnehmen: Am Hauptcast von «Der Bestatter» ändert sich auch in der 6. Staffel nichts. Dafür tut sich einiges im Beziehungsleben der Protagonisten. Bestatter Luc Conrad (Mike Müller) zieht mit Ermittlerin Anna-Maria Giovanoli (Barbara Terpoorten) zusammen. Co-Bestatter Fabio Testi verliebt sich auf den ersten Blick. Und Gerichtsmediziner Dr. Semmelweis (Martin Ostermeier) erhält Besuch von seinem Vater.

In der ersten Folge braucht der Plot einige Minuten, um Drive zu entwickeln. Die Dialoge waren auch schon knackiger. Alles wird ausgesprochen, auf jedes merkwürdige Detail explizit hingewiesen. Als aufmerksam mitdenkender Zuschauer fühlt man sich da bisweilen etwas unterfordert. Doch ab der Hälfte der ersten Folge nimmt die Geschichte Fahrt auf. Und der légèr-trockene Humor kehrt zurück. Im Casino, wo soeben die Leiche eines Kartenspielers entdeckt wurde, sagt Kantonspolizistin Giovanoli zu ihrem Kollegen Doerig: «Hier haben wir einen einsamen Glücksritter.» – Doerig: «Hat er den Jackpot geknackt? Da chämti also au es Chriesi über.» Und später selbstironisch: «Ohne meine Ex könnte ich mir das auch leisten.»

Blutiges Fussballderby

Länger beschäftigen wird Luc Conrad in der 6. Staffel der Fall einer im  Birrfeld abgestürzten Fallschirmspringerin. Diese führt den Bestatter in einen verschwiegenen Zirkel rund um den Guru Mankovsky. Zu aller Entsetzen droht der Bestatter selbst, sich in Mankovksys experimentaler Angst-Therapie zu verlieren. Zudem begeben sich die Ermittler in die Welt eines Schlagerstars, an die Generalversammlung der Bestatter sowie in die Katakomben des Stadions Brügglifeld, wo das Derby FC Aarau gegen FC Wohlen blutig endet.

Heimatfernsehen 2.0

Die neue Staffel verspricht also grosses Potenzial. Spannende Fälle und Einblick in die Psyche der Hauptfiguren. Und natürlich die Fortsetzung des bewährten Konzepts, das den SRF-Krimi so beliebt gemacht hat: Heimatfernsehen 2.0. Die Geschichten spielen sich immer vor der Tür ab, an Orten, die der Aargauer kennt, an denen die Aargauerin selber im Alltag vorbeikommt. Grosses Fernsehen. (rio/AZ) 

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