Das Credo der abtretenden Frau Gemeindeammann: «Nichts unter dem Deckel behalten»

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Ein bisschen reut es Regina Lehmann (SVP), dass sie bald nicht mehr Ammann von Reitnau ist. «Dieses Gefühl sagt mir, dass ich zum richtigen Zeitpunkt aufhöre», so die 61-Jährige. Würde sie sich nämlich auf den Ruhestand als Gemeindepolitikerin freuen, so würde das bedeuten, dass sie zu lange gewartet habe. Acht Jahre war sie an der Spitze der Gemeinde, zuvor sass sie zwölf Jahre im Gemeinderat, vier Jahre davon als Vizeammann.

Bei ihrem Eintritt 1998 war sie die erste Frau, die in Reitnau dieses Amt bekleidete. «Nur keine Weiber», war bei ihrer Wahl vereinzelt auf Stimmzetteln zu lesen. Solche Meinungen hätten jedoch eine Minderheit gebildet, sagt Lehmann, die 2001 auch in den Grossen Rat eingezogen ist. «Ich habe von Anfang an das Vertrauen vonseiten des Gemeinderats gespürt und hatte nie das Gefühl, es gäbe Probleme, weil ich eine Frau bin.» Sie, die bereits 8 Jahre in der Schulpflege gewirkt hatte, sei als Reitnauerin wahrgenommen worden. Dies, obwohl sie erst mit ihrer Heirat 1981 zugezogen war.

Letztes Geschäft unter Dach
Mit dem Ja zur Fusion am 26. November konnte die Frau Ammann eines der bedeutendsten Geschäfte für das Dorf während ihrer Amtszeit zu Ende bringen. «Ich freue mich sehr, dass dies gelungen ist, denn über eine Fusion haben die Dörfer schon vor Jahren geredet.» Schon ihr Vorgänger Werner Steiner hatte zur Fusion seine Vorarbeit geleistet. Für Lehmann, die zusammen mit dem Attelwiler Ammann Roger Lehner und den beiden Gemeinderatsgremien an vorderster Front für eine Fusion kämpfte, war es mehr als ein Geschäft: «Es war ein Herzenswunsch von mir. Schon so viele Jahre hatte man darüber geredet, den Fusionsgedanken wieder begraben und wieder aufgenommen, deshalb freue ich mich umso mehr.»

Dass noch viele Attelwiler der Dörfervereinigung ablehnend gegenüberstehen (mit nur 4 Stimmen Mehrheit wurde dort für die Fusion gestimmt), nimmt Lehmann nicht auf die leichte Schulter. «Es wird kein Selbstläufer, das ist klar, aber die Gemeinderäte werden weiterhin versuchen, alle ins Boot zu holen.» Die Variante, solange Ammann zu bleiben, bis die Gemeinden 2019 formell zu einer werden, hat sie sich durch den Kopf gehen lassen. Sie entspreche ihr aber nicht. «Aufhören am Ende einer Amtsperiode ist das Ehrlichste. Ein einzelnes Jahr anzuhängen, das hätte für mich nicht gestimmt.» Offenheit und Transparenz gegenüber der Bevölkerung ist es denn auch, was sie ihrer Nachfolgerin Katrin Burgherr (SVP) als Ratschlag auf den Weg gibt: «Es ist immer das geringere Übel, wenn sich die Gmeind gegen einen Antrag des Gemeinderats entscheidet, als wenn man etwas unter dem Deckel behält.»

Nicht im Alleingang
Doch die Fusion mit dem vorhergehenden emotionalen Abstimmungskampf war längst nicht das einzige Geschäft, das Frau Ammann Überstunden beschert hat. Dies, obschon sie sagt, dass es fixe Pensen in der Gemeindepolitik eigentlich nicht gibt. Die Überarbeitung der Bauund Nutzungsplanung und die Hausnummerierung waren Grossprojekte, die viel Arbeit von allen Beteiligten erforderten. «Ich habe an allen Geschäften gerne gearbeitet und dann belastet der Arbeitsaufwand weniger.» Es sei Zeit gewesen, dass die Häuser, die noch mit Versicherungsnummern versehen sind, endlich aufeinanderfolgende Nummern bekämen. Vor allem für Firmen sei es sehr nachteilig, wenn sie deswegen nicht gefunden würden. Im Alleingang, das möchte Lehmann betonen, habe sie kein Geschäft erarbeitet oder durchgebracht. «Deshalb will ich auch die Lorbeeren danach nie alleine ernten. Wenn etwas erreicht werden konnte, dann immer, weil der ganze Gemeinderat gut zusammengearbeitet hat.» Mit der Melioration und der Revitalisierung der Suhre kommen weitere komplizierte Geschäfte auf Reitnau zu, bei denen Lehmann «nur» noch als Stimmbürgerin mitwirken wird. Die Bürger seien in ihrer Gemeinde glücklicherweise politisch sehr aktiv. Obwohl nicht mehr wie früher in Ortsparteien sehr aktiv politisiert werde, erschienen die Leute zahlreich an den Gemeindeversammlungen. «Auch viele Jungen sind jeweils darunter.»

Und wie wird der Alltag ab Januar gestaltet? Schon jetzt hütet sie ab und an ihre Enkel, vier sind es insgesamt. Nur Grossmami, das werde sie nach ihrer Ammann-Zeit aber nicht sein. Nach wie vor wird sie zudem als Buchhalterin für das eigene Schreinereigeschäft und für verschiedene KMUs arbeiten. Dazu ist sie im Vorstand des Alterszentrums und der Spitex. Sie habe nun einfach etwas Freizeit, denn die Abende seien nicht mehr mit Sitzungen besetzt. «Diese Zeit werde ich in Zukunft mit Hobbys ausfüllen. Welche, das wird sich zeigen.»

Von Flurina Dünki/AZ

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