Stadionretter: Hitzfeld und das Lebenszeichen der HRS

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Stargast Ottmar Hitzfeld (2. v. l.) umrahmt von Hanspeter Thür, Hanspeter Hilfiker und Daniel Siegenthaler (v. l.), die ab 2018 im Aarauer Stadrat das StadionDossier behandeln.

«Ist er schon da? Kann ich mit ihm sprechen? Wie lange bleibt er?» Samstagvormittag am Aarauer Holzmarkt, die Nervosität steigt, für die Passanten gibt es kaum mehr ein Durchkommen. Kein Wunder: Auf 11 Uhr ist Ottmar Hitzfeld angekündigt, einer der weltweit erfolgreichsten Trainer aller Zeiten. Aber noch fehlt jede Spur vom Stargast.

Also zunächst die Frage, die sich alle Besucher stellen, nachdem am Vorabend das Spendenbarometer knapp 850000 Franken anzeigte. Sie geht an Michael Hunziker, ehemaliger FCA-Prä- sident und das Gesicht von «meinstadion.ch»: «Wird heute die Million geknackt?» Antwort: «Das wird schwierig, aber wer weiss. Die Million ist heute aber auch nicht das primäre Ziel. Einen Monat nach dem Startschuss wollen wir die Solidarität der Bevölkerung mit dem FC Aarau und dem neuen Stadion sichtbar machen und ein erstes Mal Danke sagen.»

Und dann ist er plötzlich da. Zuerst wird Hitzfeld von alten Weggefährten aus seinen vier Jahren beim FC Aarau (1984–1988) begrüsst, darunter Ex-Prä- sident Peter Treyer oder Rekordtorschütze Charly Herberth. Viel Zeit zum Schwelgen in den guten alten Zeiten bleibt jedoch nicht, rasch packen die Fans die einmalige Gelegenheit zum Austausch mit dem berühmtesten Mitarbeiter der FCA-Historie. Ein Foto hier, ein Schwatz da – Hitzfeld, inzwischen 68 Jahre alt, geniesst das Bad in der Menge und wirkt deutlich entspannter als noch vor drei Jahren, als er nach der WM in Brasilien niedergekämpft als Schweizer Nationaltrainer zurücktrat.

Im Interview mit Moderator Roland Kündig sagt er: «Für mich ist das ein Heimkommen, die vier Jahre in Aarau gehören zu den schönsten meiner Karriere. Ich würde es sehr bedauern, wenn das neue Stadion nicht kommt und der Spitzenfussball im Aargau in der Versenkung verschwinden würde.» Zu einer Spitze in Richtung der Stadion-Gegner lässt sich Hitzfeld auch hinreissen: «Diese Leute haben keine Ahnung. Vor allem vergessen sie, wie der Fussball die Menschen verbindet: In den erfolgreichen FC-Aarau-Zeiten waren alle zusammen im Stadion, Jung und Alt, Klein und Gross, Arm und Reich. In der heutigen Zeit schauen leider viel zu viele nur noch für sich.»

Stadion-Retter wollen Urnengang
Unter die Besucher gemischt, um den Worten von Hitzfeld zu lauschen, haben sich neben SP-Regierungsrat Urs Hofmann auch drei Herren. Nicht irgendein Trio, sondern der Ausschuss, der sich ab 2018 im Aarauer Stadtrat um das Stadionprojekt kümmern wird: der gewählte Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (FDP) sowie Daniel Siegenthaler (SP) und Hanspeter Thür (Grüne). Die drei vereinen in gleicher Reihenfolge die Ressorts «Finanzen», «Kultur und Sport» und «Hochbau und Raumplanung». Thür: «Die Zusammenlegung macht den Stadtrat handlungsfähiger und reaktionsschneller. Das ist nötig, denn die Zeit bis zum Verfall der Baubewilligung im Mai drängt.»

Offiziell nimmt die «Stadion-Taskforce» (Thür) die Arbeit erst im neuen Jahr auf, doch naturgemäss fanden im Hintergrund bereits etliche Gespräche statt. Auch mit der HRS? Die Besitzerin des Grundstücks im Torfeld Süd hat seit Mai dieses Jahres und der Ankündigung, Hochhäuser neben das Stadion zu stellen, nichts mehr von sich hö- ren lassen. Auch die Gruppe «meinstadion.ch» um Michael Hunziker beisst bei der HRS auf Granit mit der matchentscheidenden Frage, ob die Bauherrin mit den vorgeschlagenen 50 Millionen endlich die Bagger auffahren lässt. Also, liebe Stadträte, wissen Sie, wann die HRS aus dem Schneckenhaus kriecht? «Ja», so Hilfiker, «gemäss unserem Kenntnisstand wird es noch in diesem Jahr eine öffentliche Infoveranstaltung der HRS geben.» Und da eine solche kaum zwischen Weihnachten und Neujahr stattfinden wird, kommen nur die nächsten Tage infrage. Diese Zeitung wollte es genau wissen und schickte eine entsprechende Anfrage an die HRS – diese blieb jedoch bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Ebenfalls unbeantwortet ist die Frage nach einer weiteren Volksabstimmung. Die Finanzierungs-Idee von «meinstadion.ch» beinhaltet die Aufnahme eines 8-Millionen-Bankkredits durch die Stadion AG. Insofern heikel, weil die Stadion AG der Stadt Aarau gehört und diese unter Umständen für den Kredit bürgen müsste. Es gibt zwar Stimmen, gemäss denen Drittparteien bereitstünden, die im Fall einer Zahlungsunfähigkeit des FC Aarau die Kredit-Zinsen übernehmen. Und vergangene Woche sagte Noch-Stadtrat Lukas Pfisterer (FDP): «Solange die Stadt keine Kredite aufnehmen oder Sicherheiten leisten muss, ist keine Abstimmung nötig.»

Doch neben der juristischen gibt es die moralische Sicht. Und aus dieser wä- re das von «meinstadion.ch» vorgeschlagene Finanzierungsmodell mit einer weiteren Volksabstimmung noch stärker abgestützt. Michael Hunziker sagt hoffnungsvoll: «Ich bin für eine Volksabstimmung und überzeugt, dass dabei ein ‹Ja zum Stadion› resultiert. Uns erreichen viel mehr Kleinspenden von der Bevölkerung als erwartet. Die Mehrheit der Aarauer will das Stadion.»

Auch der Stadtrat gib sich am Samstag mit Blick auf einen allfälligen Urnengang optimistisch. Stellvertretend Daniel Siegenthaler: «Wir stehen hinter dem Stadion und glauben, dass in einer Abstimmung das Volk die FC-Aarau-Familie und den Spitzensport im Kanton unterstützen würde.»

Auch wenn weiterhin viele Fragezeichen das Stadionprojekt umgeben: Die Hoffnung ist an diesem Samstag in der Aarauer Innenstadt allgegenwärtig. Schlusswort Ottmar Hitzfeld: «Wenn ich das neue Stadion noch erlebe, komme ich wieder. Bis dann!»

VON SEBASTIAN WENDEL/AZ

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