Jannik Kochert weiss: Wikipedia ist nicht immer neutral

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Jannik Kochert prüfte nach, ob es im Onlinelexikon Wikipedia wertende Wörter oder Leserlenkungsversuche gibt. (Bild: bkr)

Wikipedia ist eine der grössten Onlineenzyklopädien. Täglich wird sie von Millionen von Menschen benutzt, sei es, um etwas nachzuschlagen, sich über ein Thema zu informieren, oder einfach nur, um zu stöbern. Nur – wie neutral und unabhängig sind die in Wikipedia vermittelten Informationen? Der Zofinger Kantonsschüler Jannik Kochert hat sich dieser Frage in seiner Maturaarbeit angenommen.

Jannik Kochert war in dieser Zeitung schon einmal präsent. Das Mathematik-Talent nahm vor zwei Jahren an einer Studienwoche «Faszination Informatik» von Schweizer Jugend forscht (SJf) teil. Er programmierte eine virtuelle Trommel, die sich über Gesten am Bildschirm spielen liess.

Qualitätssicherung
Und nun Wikipedia. Das Thema hätte mathematisch angegangen werden können. Klickt man auf einen Link, dann landet man bei einem anderen Wikipedia-Artikel. Da es eine endliche Anzahl Einträge gibt, läuft man nach einiger Zeit Gefahr, auf einem bereits gelesenen Text zu landen – sich im Kreis zu bewegen. Es wäre ein Algorithmus denkbar, der den Links automatisch folgt, und prüft, ob ein Kreis vorliegt. Für Kochert ist die Qualität der Texte jedoch wichtiger und er lacht: «Nein, der Mathematik bleibe ich treu.» Nach abgelegter Matur wird er sein Lieblingsfach an der ETH studieren.

Seit rund eineinhalb Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Wikipedia, verfasst hin und wieder einen Artikel – ist aber vor allem in der Qualitätssicherung des Werks tätig. Bei dieser überprüfen Kochert und andere Qualitätssicherer die Relevanz eines Artikels, schauen, ob er enzyklopädischen Standards entspricht und ob die Quellenlage gut ist. Jede Aussage muss – wie in einer wissenschaftlichen Arbeit – aus einer dokumentierten Quelle stammen.

Über diese Fragestellung hinaus prüfte Kochert in seiner Maturaarbeit sprachliche Aspekte. «Gibt es wertende, zu starke Wörter oder Leserlenkungsversuche?» Ja, die gebe es, sagt er. Und – «ist eine Aussage nicht oder unzureichend belegt, entsteht beim Leser rasch der Eindruck, dass dies subjektive Ansichten eines einzelnen Autors sind. Ein Beispiel: Ein Artikelschreiber kann seine Meinung «Zofingen ist die beste Stadt der Welt» scheinbar neutral und enzyklopädisch fassen, indem er formuliert: «Einige Menschen behaupten, Zofingen sei die beste Stadt der Welt.» Das stimmt: Einige Menschen behaupten das tatsächlich. Allerdings ist das Gegenteil genauso richtig.

Was Kochert in seiner Arbeit auch ausmacht, sind Unterschiede zwischen den Sprachversionen desselben Artikels. Da habe zum Teil einen kulturellen Grund – «Eine deutsche Version konzentriert sich eher auf die aktuellen Geschehnisse, während die englische Sprachversion eine möglichst umfassende Zusammenfassung des Gegenstandes liefert.»

Kocherts Schlussfolgerung: «Wikipedia ist geeignet, einen Einstieg in ein Themengebiet zu erhalten, erste Informationen zu sammeln, um sich einen Überblick zu verschaffen – aber sie ist nicht geeignet, um direkt aus ihr zu zitieren.»

Der Wikipedia-Eintrag

Maturaarbeit
«Die Maturaarbeit ist ein erforderlicher Bestandteil, um in der Schweiz eine kantonale oder eidgenössische Maturität zu erlangen. Diese wiederum ist die Berechtigung für ein Studium an einer schweizerischen Universität», heisst es im Wikipedia-Eintrag zum Thema. Gemäss des Maturitäts-Anerkennungsreglement (MAR) «müssen Schülerinnen und Schüler allein oder in einer Gruppe eine grössere eigenständige schriftliche oder schriftlich kommentierte Arbeit erstellen und mündlich präsentieren.» Diese Arbeit kann im Rahmen des Fächerangebotes der Mittelschule frei gewählt werden und muss prinzipiell in einer an der Schule unterrichteten Sprache verfasst werden. Bewertet werden einerseits die Arbeit selbst, sowie auch die Präsentation der Arbeit vor Publikum. Die Maturaarbeit gilt als Maturitätsfach und die Note wird entsprechend im Maturitätszeugnis mitverrechnet.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Digitalisierung des Wissens

Nikos Traianou
schrieb am 28.12.2017 16:29
Ein weiteres Problem bei Wikipedia ist meines Erachtens auch die sog. Digitalisierung des persönlichen Wissens. Wikipedia ist eine der grössten Internet-Datenbanken, auf die jeder User unentgeltlich zugreifen kann. Es wird kein persönliches, menschlich-humanes Wissen mehr verlangt, da es auf eine externe Quelle verlegt wird, auf die jeder immer zugreifen kann. Das individuelle Wissen geht somit nach und nach verloren. Dieses individuelle Wissen wird nicht mehr verlangt, da man eben von überall her immer auf sog. externe Wissensdatenbanken zugreifen kann. Die Gefahr ist aber auch eine immer zunehmende individuelle Abhängigkeit von solchen Wissensdatenbanken, auf die man immer zugreifen darf und kann. Eine Abflachung des individuellen Wissens ist somit die Folge, da auch jede beliebige Person Artikel für Wikipedia schreiben darf, ohne dass Fachpersonen diese auf die Wissenschaftlichkeit überprüfen können. Das Wissen wird allmählich in einem Kollektiv-Gedächnis gesammelt und langsam auf einen sogenannten gemeinsamen Nenner heruntergedrückt. Ein weiteres Hauptproblem bei Wikipedia ist auch der Entzug einer demokratischen Kontrolle einer Zensur der Artikel (wer entscheidet was bei Wikipedia erscheinen darf oder nicht').

doch

Robert Weingart
schrieb am 27.12.2017 16:51
Je nach Thema ist es durchaus zitierbar - da, wo die Fakten unwiderlegbar klar sind zum Beispiel.

zitierbar

Daniel Andres
schrieb am 27.12.2017 14:59
ich finde, manche Artikel sind zum zitieren durchaus geeignet. Wenn ich ein Programmheft für ein Konzert verfasse, greife ich oft auf Biografien und Werkbeschreibungen zurück, die man getrost wörtlich übernehmen kann.
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