Hans Jürg Koch: «Der Ginkgo bleibt als Glücksbringer»

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Hans Jürg Koch vor dem Gemeindehaus, wo er bei der Neugestaltung einen Ginkgobaum pflanzen liess. (Bild: egu)

Das Rothrister Wappen trägt Hans Jürg Koch am Revers seines Vestons. Den Pin mit dem Gemeindewappen, einem weissen Pflug auf rotem Grund, hat der Gemeindeammann auf seine Kosten in Produktion gegeben. Verteilt hat der 67-Jährige die goldfarbig umrahmten Anstecker an seiner letzten Gemeindeversammlung diesen November, wo er und zwei weitere Ratsmitglieder mit Standing Ovations verabschiedet wurden. «Der Pin ist für mich ein äusseres Zeichen, dass ich mich mit der Gemeinde Rothrist identifiziere und hier zugehörig fühle. Ich bin stolz, ein Rothrister zu sein», sagt Hans Jürg Koch.

Vor 40 Jahren zog es Hans Jürg Koch von Lenzburg, wo er aufgewachsen war, in die Region. Seit 1974 arbeitet er in Rothrist. Vier Jahre später entschloss sich die vierköpfige Familie nach drei Jahren im Mühlethal nach Rothrist zu ziehen. Hier hat Hans Jürg Koch die Handelsfirma Econopac mit aufgebaut und hier hat er sich die letzten Jahrzehnte engagiert. Zuerst vier Jahre in der Schulpflege als deren Präsident und die letzten 24 Jahre im Gemeinderat. «Ich wollte nach Möglichkeit die Zukunft beeinflussen und mitbestimmen können», sagt der ehemalige SVPGrossrat und führt aus: «Es war aber nie vorgesehen, dass die Politik einmal zu meinem Hauptberuf werden soll.» Die letzten acht Jahre war es aber so. Koch führte mit einem 68-Prozent-Pensum die Geschicke Rothrists.

Koch war unter anderem für Liegenschaften und Schulhäuser zuständig. Als Meilensteine nennt er Schulneubauten wie Rothmatt 1, Dörfli 3, Bifang, Rothmatt 2, Dörfli 4. Dann aber auch die Abstimmungen zum Hallen- und Freibad. «Es waren viele Vorhaben. Manchmal passte der Vorschlag des Gemeinderates den Bürgern nicht. Dann gingen wir über die Bücher», sagt Koch. Als Beispiel nennt er die Bachoffenlegung Hungerzelg, deren Kreditbegehren zwei Mal vor die Gmeind musste. Gerne hätte der Gemeinderat, so Koch, manchmal anders entschieden oder wie bei der baulichen Gemeindeentwicklung anders gesteuert. «Das ist aber nur möglich, wenn das Land der Gemeinde selber gehört.»

Verkehr ist und bleibt Thema
Koch blickt zuversichtlich der Bau und Gestaltungsplanung entgegen, die auf gutem Weg sei. Vorgesehen ist, dass Rothrist rund um die Bernstrasse, zwischen Gemeindehaus und Drogerie, einen Zentrumscharakter erhält. Verschiedene Massnahmen wie Gestaltung und Temporeduktionen können aber erst nach der Eröffnung der Wiggertalstrasse, also etwa im Jahr 2024, umgesetzt werden. Bitter für Rothrist findet Koch, dass es für die 3. Etappe der Wiggertalstrasse keine bessere Lösung mit Aarburg gegeben hat.

Der zunehmende Verkehr bereitet dem scheidenden Ammann Sorgen. «Es ist ein zentrales Problem, das Rothrist in den nächsten Jahren noch mehr beschäftigen und belasten wird.» Der guten Verkehrsanbindung wegen fürchtet er, dass viele Leute nur deswegen nach Rothrist ziehen und dieses sich zum Schlafdorf entwickelt. «Eine Gemeinde braucht Menschen, die sich in den Vereinen, in der Politik – einfach zum Wohl der Gemeinde – engagieren», betont er als Ressortvorsteher auch für Sport und Vereine. Koch gehört zu den Mitgründern des Tennisclubs und ist seit 37 Jahren im Musikverein als Posaunist dabei. Im neuen Jahr möchte er mehr Zeit zum Musizieren haben und auch das Alphornspielen erlernen. Vor allem aber wird er die freie Zeit für Veranstaltungen und Reisen mit seiner Frau Dora nutzen. «Die fehlte bislang», sagt Koch und betont: «Mein Engagement war nur dank dem Verständnis und der enormen Unterstützung meiner Frau und der Familie möglich.»

Koch freut sich, künftig nicht mehr so im «Schaufenster» zu stehen und sich auch wieder «freier bewegen zu können». So sei er nicht mehr in der Rothrister Badi schwimmen gegangen, weil er vor lauter Anliegen überhaupt nicht dazu gekommen sei. Auf die Eröffnung des neuen Hallenbades im April 2019 freut sich Koch, der der Baukommission des Frei- und Hallenbads als Mitglied erhalten bleibt.

Engagement für Ortsbürger
Ausruhen und zurücklehnen, das liegt Hans Jürg Koch nicht. Vorstellungen, sich fürs Gemeinwohl weiterhin einzusetzen, hat er. «Rothrister Ortsbürger zu sein, bedeutet mir viel», sagt er und erzählt: «Vor dreizehn Jahren wurde dem gesamten damaligen Gemeinderat das Ortsbürgerrecht verliehen. » Etwa 540 Ortsbürger zähle Rothrist, eine offene, aktive Vereinigung fehle, die sich für deren Belange einsetze. Hier möchte er einen zusätzlichen Anstoss geben. Ideen schweben ihm vor. «Wir werden sehen, was sich entwickelt », sagt Hans Jürg Koch. In den über zwei Jahrzehnten in der Gemeindepolitik sei er geduldiger und nachsichtiger geworden. Seiner Gemeinde wünscht der scheidende Ammann: «Dass sie sich als Gemeinschaft weiterentwickelt, sich den Herausforderungen stellt und als wohnenswerte Gemeinde weiterhin aktiv an der regionalen Zukunft und Entwicklung mitwirkt.»

Sein Arbeitszimmer im Gemeindehaus hat Hans Jürg Koch aufgeräumt und er freut sich, die Schlüssel seinem Nachfolger Ralph Ehrismann (FDP) zu übergeben. Und da ist noch etwas, das Hans Jürg Koch gerne der Gemeinde zurücklässt. Ein Ginkgobaum, den er bei der Neugestaltung des Platzes vor dem Gemeindehaus vor sechs Jahren pflanzen liess. «Der Ginkgo bleibt als Glücksbringer.»

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