Digitalisierung: Postauto streicht die Papierfahrpläne

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Bild: srf.ch

Mehr als eine Milliarde Mal werden die Online-Fahrpläne der SBB aufgerufen – pro Jahr. Die beste Verbindung lässt sich bequem innert Sekunden raussuchen. Die Zahl jener Bus- und Bahnfahrer, die dazu in einem gedruckten Fahrplan blättert, nimmt stetig ab. Postauto hat auf diese Entwicklung reagiert und verzichtet seit dem Fahrplanwechsel vom Dezember in der Region Nordschweiz, zu der auch der Aargau zählt, auf die Herstellung und Verteilung gedruckter Regionalfahrpläne. «Nachdem vor wenigen Jahren bereits der Druck von Taschenfahrplänen eingestellt wurde, gibt es neu auch keine gedruckten Regionalfahrpläne mehr», sagt Postauto-Mediensprecher Urs Bloch.

«Über die Hälfte weggeworfen»
Einer der Gründe: die sinkende Nachfrage. Dazu kommen der Spareffekt, den Bloch mit jährlich 200000 Franken beziffert, und ökologische Gründe. «In den letzten Jahren wurden jeweils viele ungebrauchte Fahrpläne weggeworfen, das wollen wir vermeiden», sagt Bloch. In anderen Regionen gibt es noch gedruckte Taschenfahrpläne, allerdings in deutlich tieferer Auflage. Wer über kein Internet oder Smartphone verfüge, könne gedruckte Haltestellenfahrpläne oder Seiten aus dem Kursbuch bestellen.

Die gleiche Lösung bietet auch Regionalbus Lenzburg jenen Kunden an, die ihre Reise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach wie vor lieber auf Papier planen – ihnen wird auf Wunsch ein Ausdruck zugeschickt. Ein Angebot, das nach der Abschaffung der Fahrplanbüchlein im Dezember 2016 letztes Jahr nur 150 Personen nutzten, seit dem jüngsten Fahrplanwechsel vor einem Monat sind gar erst 50 Bestellungen eingegangen. «Die Nachfrage nach gedruckten Fahrplänen ist sehr gering», sagt Regionalbus-Geschäftsführer René Bossard. «Zuletzt haben wir noch rund 5000 Exemplare gedruckt. Davon mussten wir Ende Jahr über die Hälfte wegwerfen.» Der Entscheid sei deshalb vor allem auch aus Umweltschutzgründen gefallen. Die Einsparungen, die er auf 10 000 Franken schätzt, seien hingegen nicht ausschlaggebend gewesen. Bossard: «Heute ist es normal, die Verbindungen online nachzuschauen. Das ist der Lauf der Zeit, damit habe ich kein Problem.»

Eine Einstellung, die offenbar auch bei den Kunden von AAR bus+bahn vorherrschend ist. Erstmals verzichtete das Unternehmen im letzten Dezember auf den Druck der Fahrplanbüchlein – doch die Reklamationen blieben aus. «Wir haben erwartungsgemäss wenig Reaktionen erhalten», sagt Sprecher Erwin Rosenast. «Einen Service anzubieten, der nicht mehr genutzt wird, macht keinen Sinn.» Nicht abgeschafft hat AAR bus+bahn hingegen die Linien-Fahrpläne im Kreditkartenformat. Diese würden von vielen Fahrgästen nachgefragt, weil sie nur die wesentlichen Informationen enthielten und ins Portemonnaie passten, sagt Rosenast.

An gedruckten Fahrplänen halten die Regionalen Verkehrsbetriebe BadenWettingen (RVBW) fest. «Die Abschaffung steht derzeit nicht zur Debatte», sagt Marketing-Leiterin Marija Nikolova. Die sinkende Nachfrage sei aber auch bei den RVBW zu spüren. «Die Auflage haben wir nach unten angepasst.» In den letzten vier Jahren sei die Zahl der Exemplare von 85000 um fast einen Drittel auf 30000 gesunken.

Ende der Kursbuch-Ära vertagt
Im November 2016 hatte die SBB bekannt gegeben, künftig auf den Druck der Kursbücher zu verzichten. Begründung: Die Nachfrage habe massiv abgenommen. Von einst einer halben Million sei die Auflage auf 25000 Exemplare gesunken. Die Druckkosten liessen sich mit dem Erlös nicht mehr decken. Damit schien eine Tradition zu enden, die bis ins Jahr 1905 zurückreicht. Ein Ende, das die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV), Pro Bahn und der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) nicht hinnehmen wollten. Auf ihre Initiative hin wird das Kursbuch weiter in gedruckter Version herausgegeben. Kaufpreis: 19 Franken. Über 5000 Vorbestellungen sind vor dem Verkaufsstart im Ende November eingegangen. VCS-Sprecher Matthias Müller geht von mehreren tausend verkauften Exemplaren aus.

Die genauen Zahlen von den Verkaufsstellen sind noch nicht bekannt. Doch schon jetzt steht für Müller fest: «Die Nachfrage nach einem gedruckten Kursbuch ist nach wie vor sehr hoch.» Die Initianten seien mit dem Projekt ein gewisses Risiko eingegangen, die Defizitgarantie werde aber sicher nicht benötigt. Die über 100-jährige Ära der gedruckten Kursbücher dürfte so bald nicht zu Ende gehen.

VON ANDREAS FAHRLÄNDER UND MANUEL BÜHLMANN/AZ

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