Ärzte nur schwer erreichbar: Patienten leiden unter Swisscom-Panne

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Ein Software-Fehler sei Ursache der Pannenserie, sagt Swisscom. Im Bild ein Rechenzentrum des Unternehmens. zvg

Die Nase tropft, die Stirne brennt und der Schädel brummt – Grippezeit, ein Termin beim Hausarzt muss her. Der Griff zum Telefon, aber oh Schreck: Nicht die freundliche Praxisassistentin ist am Draht, sondern eine Computerstimme. «Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar».

Heinz Bhend ist Hausarzt in Aarburg und gehört zu den vielen vom Ausfall der Swisscom-Verbindungen betroffenen Medizinern im ganzen Land. «Wir in der Praxis Städtli AG waren zwischen dem 8. und 10. Januar stundenlang nicht erreichbar. Diesen Montag fingen die Probleme erneut an.» Und auch gestern Dienstag wieder einen Störung. «Besonders ärgerlich ist, dass unsere Patientinnen und Patienten annehmen müssen, das Problem liege in unserer Praxis – wir würden das Telefon nicht abnehmen.» Er und seine Kolleginnen und Kollegen seine – wie andere KMU-Betriebe – «gezwungen» worden, auf die neue Telefontechnologie VoIP – den Service Smart Business Connect – umzustellen, womit der Ärger begonnen habe. Swisscom konnte Bhend nicht sagen, wie viele Anschlüsse aktuell betroffen sind – versuche das Ganze herunterzuspielen.

Bhend ist Präsident der Hausärzte der Region Zofingen und Vorstandsmitglied beim Institut für Praxisinformatik. In diesen Funktionen hat er sich über das Ausmass der Ausfälle informiert – über den E-Mail-Verteiler der Schweizer Hausärzte rund 4000 Kolleginnen und Kollegen kontaktiert. «Nach kurzer Zeit hatte ich 440 Antworten. Zwei Drittel vermeldeten Ausfälle von meist über fünf Stunden.»

Bhend rechnet dies für das Gesundheitswesen hoch: «Neben den Hausärzten gibt es doppelt so viele Spezialärzte, hinzukommen Apotheke und Altersheime – in der Summe mehr als 1000 Betroffene.» Hinzukommen die vielen KMU vom Installateur bis zum Ladengeschäft, welche ebenfalls am Faden von Swisscom Smart Business Connect oder Managed Communication hängen.

Software-Panne
Wie weiter? Die Swisscom bestätigte gestern, dass die Leitungen vieler Geschäftskunden gestört sind. Das Problem vom Montag konnte bis Dienstag nicht behoben werden, wie die Swisscom auf ihrer Homepage schreibt. Am Nachmittag hiess es, dass erste Massnahmen eingeleitet worden seien und sich die Situation leicht entspannt habe. Es handle sich dabei um eine schweizweite Störung, die «auf höchster Stufe eskaliert» sei. «Wir bedauern das und setzten alles daran, die Probleme zu beheben. Es ist sehr ärgerlich, dass der gleiche Fehler mehrmals auftritt», sagt Swisscom-Sprecher Sepp Huber. Grund für die gestörten Verbindungen ist ein Software-Fehler. Laut Huber hat die Swisscom letzte Woche zusammen mit einem Lieferanten ein neues Software-Paket in Betrieb genommen.

Die von Swisscom vorgeschlagene Lösung, den Telefonanschluss auf ein Natel umzuleiten, ist ein Rat mit beschränktem Nutzen. Was tut ein Betrieb mit 30 Angestellten, denen ihre Anrufe im Normalbetrieb über die Hauptnummer vermittelt werden?

Der KWT-Anschluss

VoIP erweist sich nicht nur störanfälliger als die alten, analogen Verbindungen – fällt der elektrische Strom aus, ist auf dem neuen Telefonnetz keine Verbindung mehr möglich. Nicht so zu Zeiten der guten alten PTT. Das Telefonnetz verfügte über eine eigene, separate Stromversorgung.

Und noch etwas: Die Übertragungskapazität war zwar im Vergleich zu heute gering, aber es wurde aus der Not einer Tugend gemacht. Hinter den drei Buchstaben KWT verbirgt sich das martialisch anmutende Wort «Kriegswichtiger Teilnehmer». Gemeint sind Leute, die in einer Notsituation über einen Telefonanschluss verfügen müssen - Ärzte, Behörden, Blaulichtorganisationen. KWT-geschaltet waren seinerzeit aber auch unsere Telefonkabinen. 

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