Den Tieren gehts wie uns: Fette Kater und dicke Hunde

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Wenn die Katze nicht nach draussen darf, droht sie lethargisch zu werden und an Gewicht zuzulegen. (Bild: THINKSTOCK)

Es wird gekläfft, gebalgt, gesprungen und gerannt. Wenn Hunde miteinander spielen, kann es drunter und drüber gehen. Doch immer öfter kann man beobachten, dass sich einige Vierbeiner abseits von ihren tollenden Artgenossen aufhalten und lieber bei Herrchen oder Frauchen bleiben. Sitzend oder liegend, wohlgemerkt. Und das nicht etwa wegen ihres fortgeschrittenen Alters, sondern wegen ihrer Körperfülle. Denn unter den vierbeinigen Haustieren grassiert das Übergewicht.

Laut Schätzungen der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin sind rund 40 Prozent der Schweizer Hunde übergewichtig, bei den Katzen sind die Quoten vermutlich sogar noch höher. Besonders dramatisch sind jedoch die Entwicklungen in den USA. Dort hat sich die Zahl der übergewichtigen Hunde und Katzen in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt, wie Kirk Breuninger vom Banfield Pet Hospital in Vancouver ermittelt hat. 59 Prozent der US-Katzen haben mittlerweile zu viel Speck auf den Rippen, bei den Hunden sind es 54 Prozent.

Mögen die Speckpolster bei dem einen oder anderen Exemplar auch niedlich aussehen, medizinisch sind sie ein Desaster. «Bei übergewichtigen Katzen beobachten wir sehr oft Diabetes», warnt Breuninger, «und bei Hunden finden wir auch viele andere Erkrankungen, wie etwa Arthritis und Fehlfunktionen der Schilddrüse.» Bis zu zwei Jahre Lebenszeit kann das Übergewicht kosten. Was bei einem Tier, das sonst zwischen 15 und 20 Jahre alt wird, enorm viel ist. Es ist ungefähr so, als wenn einem Menschen acht Jahre seines Lebens genommen werden.

Gründe genug also, die Körpermasse von Hund und Katze im Auge zu haben. Wenn man bei ihnen, von oben betrachtet, keine Taille mehr sehen und ihre Rippen kaum noch ertasten kann, sollten die Alarmglocken schrillen. Und dieses Signal sollte dann zum Tierarzt führen, der über die geeigneten Instrumente und Messtabellen verfügt, um das Gewicht medizinisch korrekt einzuordnen.

Tierliebe macht blind
Das Problem ist nur: Die meisten Herrchen und Frauchen wollen von all dem nichts wissen, sie ignorieren die Gewichtsprobleme. An der Ludwig-Maximilians-Universität in München befragte man über 1000 Tierhalter nach der Körperfülle ihrer Zöglinge, von denen die Wissenschafter gut jeden zweiten als übergewichtig eingestuft hatten. «Trotzdem wurde von keinem Hundehalter und nur von zwei Katzenbesitzern das Übergewicht erkannt», sagt Studienleiterin Nicola Becker. Die Liebe zum Tier macht eben blind.

Überhaupt besteht ein grosses Problem darin, dass Herrchen und Frauchen ihre vierbeinigen Lieblinge verwöhnen wollen, denn das geschieht meistens übers Fressen. So dürfen Katzen damit rechnen, dass ihr Napf immer voller Futter ist. Wenn etwa Frauchen zur Arbeit aus dem Haus geht, füllt sie oft noch einmal die Schale bis zum Rand voll mit Katzenfutter. Und dabei wird in der Regel auf viel Abwechslung im Speiseplan geachtet. Das Pikante daran: Die Katze weiss das überhaupt nicht zu schätzen, weil sie als Fleischfresser nur einen schwachen Geschmackssinn hat. Aber die ständige Präsenz leckerer Nahrung verführt natürlich dazu, sich auch an ihr zu bedienen, und das fördert Übergewicht.

Besser wäre es, dem Stubentiger nur so viel Kalorien zu geben, wie er wirklich braucht, nämlich rund 60 kcal pro Kilogramm Körpergewicht, was bei einem fünf Kilo schweren Tier 300 kcal pro Tag ergibt. Das setzt natürlich voraus, dass man die Kalorienwerte des Essens kennt. Wenn die Katze aus dem Haus darf und entsprechend aktiv ist, kann man die Dosis auf 70 bis 80 kcal pro Kilogramm Körpergewicht erhöhen. Wobei sich diese Erhöhung wieder erledigt, wenn das Tier kastriert ist, denn das wirkt sich auf den Stoffwechsel und den Bewegungsradius aus.

Für den Hund existieren ähnliche Formeln. Allerdings kommt da erschwerend hinzu, das bei ihm Futterbelohnungen, also die «Leckerli» zur Erziehung und zum alltäglichen Umgang gehören: Gehorcht er brav den Befehlen seiner Halter, bekommt er oft auch etwas zu fressen. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, insofern es den pädagogischen Erfolg erhöht. Doch wer am Tag viele Leckerli verteilt hat, sollte dies bei der Hauptmahlzeit abziehen. Breuninger rät ausserdem, die Leckerli zu zerteilen: «Der Hund empfindet sie auch noch als Belohnung, wenn sie kleiner sind.»

Fertigkost ist kein Problem
Die Art des Hauptfutters spielt hingegen beim Übergewicht der Tiere keine Rolle. Becker und ihr Team hatten unter ihren Probanden sowohl Tierhalter, die Industriefutter verwendeten, als auch besonders fürsorgliche Herrchen und Frauchen, die ihre Lieblinge bekochten oder mit frischem Fleisch oder Fisch verköstigten. «Dies führte zu keinen Unterschieden im Ernährungszustand der Tiere», sagt Becker. In Bezug auf die Ernährung des Menschen ist immer wieder zu hören, dass die moderne Fertigkost ihn immer dicker macht – für Haustiere scheint das jedoch nicht zu gelten.

Bewegung hilft
Was aber Mensch, Hund und Katze in der Entstehung von Übergewicht eint, ist der Bewegungsmangel. Immer mehr Katzen verlassen nicht mehr das Haus, was in der Vogelwelt für Entspannung sorgt, aber den Stubentiger lethargisch werden lässt. Ein möglicher Kompromiss wäre, ihn rauszulassen und ein buntes Halsband anzulegen, was die Vö- gel erwiesenermassen besser warnt als ein Glöckchen.

Beim Hund muss hingegen der Mensch selber aktiv werden. Als Nachfahren der als Langläufer bekannten Wölfe müssen Hunde täglich für einige Kilometer raus ins Freie. Zusammen mit Herrchen oder Frauchen, denen die tägliche Bewegung ja auch guttut. «Ausserdem stärken die gemeinsamen Ausflüge die Bindung zwischen Mensch und Hund», sagt Breuninger. Und das ganz ohne Leckerli.

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