Auf der Jagd nach dem «Danke»-Bus

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Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich im Vorschulalter im Auto die Handbremse löste und beinahe im Bachbett landete. Meine Eltern konnten gerade noch rechtzeitig eingreifen und Schlimmeres verhindern. Heute ist es eine der Geschichten, die wir uns an Familienfesten erzählen und darüber lachen können. Auch wenn diese Aktion damals für Ärger sorgte, so hat dies meiner Faszination fürs Autofahren keinen Abbruch getan. Ich fahre sogar gerne – bis zum Moment, in dem auf dem Armaturenbrett ein oranges Lämpchen aufleuchtet. Nervosität kommt unweigerlich auf, die Hände umfassen das Lenkrad noch stärker, das Herz schlägt schneller als sonst. Schuld daran ist nicht etwa der Schneestern, der Glatteisgefahr verkündet, sondern die Tankstellensäule, die einen darauf aufmerksam macht, dass der Sprit bald zu Ende ist. Eigentlich nichts Schlimmes, könnte man meinen. Für mich aber ist es die Hölle. Was, wenn ich den Tankdeckel nicht öffnen kann? Was, wenn ich statt Diesel Benzin tanke? Was, wenn der Tank am Ende überläuft? Es sind Fragen, die mich immer wieder quälen.

Lange Zeit konnte ich dieses «Problem» umgehen. Sieben Jahre musste ich mein Auto nicht ein einziges Mal tanken. Klingt nach einem sparsamen Auto. Ist es aber nicht. Vielmehr hatte ich diesen Umstand meinem älteren Bruder zu verdanken, der für den gesamten Unterhalt unseres gemeinsamen Autos sorgte. Doch die Zeiten haben sich geändert. Das Auto, das ich fahre, ist ein anderes, mein Bruder und ich wohnen längst nicht mehr am selben Ort. So kommt es, dass ich ab und zu über meinen Schatten springen muss. Doch wenn das Auto wieder vollgetankt ist, bin ich erleichtert und gehöre zu den glücklichsten Menschen. Es fühlt sich beinahe so gut an, wie wenn auf dem voranfahrenden Bus die gelben Lämpchen plötzlich «Danke» statt den Zielort anzeigen. Dann ist es jeweils um mich geschehen. Wie ein Kind freue ich mich, dass sich der Buschauffeur dafür bedankt, dass ich kurz gewartet und ihm den Vortritt gewährt habe. Immer wieder wenn sich die Möglichkeit ergibt, mache ich mich auf die Jagd nach dem «Danke»-Bus. Denn was gibt es Schöneres, als sich an den kleinen Dingen im Leben zu erfreuen.

 

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