Tödliche Legionärskrankheit: Fälle im Aargau verdoppelt – Bäder sind vorbereitet

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2017 gab es 35 Prozent mehr Fälle der Legionärskrankheit als noch 2016. (Bild: KEYSTONE/MARTIN) RUETSCHI

Legionellen mögen stehendes Wasser, wie es etwa in Boilern und Wasserleitungen vorkommt. Bei Temperaturen zwischen 25 und 45° C vermehren sich die Bakterien. Über Wasserhähne, Duschbrauen, Whirlpools und Klimaanlagen können sie zusammen mit winzigen Wassertröpfchen in die Luft gelangen.

 

Seit einigen Jahren breitet sich die Krankheit in der Schweiz aus. 490 Fälle hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) letztes Jahr registriert. So viele wie noch gar nie und 35 Prozent mehr als 2016. «Wir haben die Lage nicht mehr im Griff», sagte Daniel Koch, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim BAG, gegenüber dem «Sonntagsblick».

Zierbrunnen als Bakterienherd
Auch der Aargau verzeichnete 2017 einen Höchstwert bei den Infektionen mit Legionellen. Das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) erfasste 46 Fälle. Mehr als doppelt so viele wie 2016. Damals waren es 21 Fälle.

In den vergangenen zehn Jahren hätten sich im Aargau zwei Ausbrüche von Legionellose-Erkrankungen ereignet, bei denen mehrere Personen im gleichen Zeitraum erkrankten und ein Zusammenhang dieser Erkrankungen zu vermuten sei, sagt Mediensprecherin Xenija Röthlisberger.

In einem Fall war eine provisorische Warmwasserinstallation falsch montiert worden, worauf in der betroffenen Wohnsiedlung etwa 30 Personen erkrankt seien. Im zweiten Fall war ein Zierbrunnen mit Ultraschallvernebelung in einem Café schuld.

 

 

Badbetreiber sensibilisiert
Kantonschemiker können Sanierungen verlangen und ein Dusch- oder Badeverbot durchsetzen, wenn der Höchstwert von 1000 Legionellen pro Liter Wasser überschritten wird. «In zwei Fällen wurde verlangt, dass die Sprudeleinrichtungen im Schwimmbad ausgeschaltet werden, bis die Badewasseraufbereitung wieder in korrektem hygienischem Betriebszustand war», sagt Röthlisberger.

In einem anderen Fall müssten die Duschen in einem Schwimmbad täglich vor Betriebsöffnung gespült werden. Ausserdem verlangte das Amt für Verbraucherschutz letztes Jahr in zwei Mehrfamilienhäusern Sanierungsmassnahmen, weil die Legionellenbelastung des Duschwassers zu hoch war.

Die Schwimmbadbetreiber seien bezüglich der Legionellen-Thematik jedoch sensibilisiert, sagt die Sprecherin des Gesundheitsdepartements. «Im Gegensatz zu vielen anderen Kantonen gibt es im Aargau seit fast 20 Jahren verbindliche Anforderungen für die Badewasserqualität.»

Ausserdem würden seit Inkrafttreten der revidierten Lebensmittelgesetzgebung im Mai 2017 auch für Duschen in Hotels, Spitälern, Altersheimen und Sportanlagen Anforderungen bezüglich Legionellen gelten.

Etliche Massnahmen ergriffen
Eine Umfrage der AZ bei Schwimmbadbetreibern zeigt: Sie wissen Bescheid und haben Massnahmen ergriffen. «Im Thermalbad Zurzach werden Duschköpfe laufend gereinigt und desinfiziert, der Boiler jede Nacht auf über 70° C aufgeheizt, die Becken täglich komplett gereinigt und mit frischem Thermalwasser gefüllt», sagt Marketingleiterin Sibylla Fischer. Zudem habe das Thermalbad Zurzach über eine Million Franken in die Wasseraufbereitung investiert.

Auch im «sole uno» Rheinfelden wird das Wasser jede Nacht erhitzt. «Man sollte niemals nie sagen», sagt Betriebsleiter Sven Malinowski zu Problemen mit Legionellen. «Aber bei öffentlichen Einrichtungen sollte es eigentlich keine Vorfälle geben, weil alles automatisiert ist.» Dem pflichtet Roger Fuchs, Betriebsleiter im Hallenbad Seon, bei: «Bei all den Massnahmen, die wir ergreifen, ist es fast unmöglich, dass in den Leitungen der kritische Wert überschritten wird.»

Auch in Hotels ist die Legionärskrankheit immer wieder ein Thema. Dominik Wyss, Präsident des Hotelier-Vereins Aargau, sagt: «Vor allem bei Renovationen und Neubauten wird Wert darauf gelegt, dass Systeme installiert werden, die das Wasser automatisch und regelmässig auf über 65° C erhitzen.»

Wyss betont jedoch, dass auch bei einer Hotelbelegung von 50 Prozent der Wasserverbrauch gross genug sei und die Boiler mehrmals pro Woche neu befüllt würden. Besondere Beachtung benötige es allerdings nach Betriebsferien oder Schliessungszeiten: «Jedoch ist auch hier mit den automatischen Systemen zur Erhitzung des Wassers vorgesorgt.»

Keine akute Epidemie
Wie ist jetzt aber die Aussage von Daniel Koch vom BAG zu verstehen? Müssen wir uns unter der Dusche oder im Whirlpool Sorgen machen, dass tödliche Bakterien den Weg in unsere Lungen finden? Es handle es sich nicht um eine «akute Epidemie», schreibt das BAG. Aber die steigenden Fallzahlen seien beunruhigend. Deshalb habe man mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen bereits mehrere Studien in Auftrag gegeben, um die Problematik besser zu verstehen.

Um eine Vermehrung von Legionellen zu verhindern, rät das Bundesamt, eine Heisswassertemperatur von 60° C am Boilerausgang beziehungsweise 50° C am Hahn sicher zu stellen. Weiter sollte die Kaltwassertemperatur unter 25° C bleiben.

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