Von der Kunst, nichts zu tun

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Immer auf zack zu sein, mal hier und mal dorthin zu rennen, scheint eine meiner Spezialitäten. Auf jeden Fall sind mir die Worte «Ach, bist du auch wieder mal zu Hause?» ziemlich geläufig und mit mir ein Datum für einen Mädels-Abend zu finden gestaltet sich des Öfteren als unmöglich. Vermutlich ist es also kein Wunder, wenn mir meine Freunde raten, mir eine Auszeit zu gönnen und einfach mal nichts zu tun. So passiert es, dass ich mich, wenn in meiner Agenda zur Abwechslung kein einziger Termin vermerkt ist, auf die faule Haut lege.

Logischerweise verschlafe ich den ganzen Morgen und beginne den Tag direkt mit dem Mittagessen. Anstatt mich danach um die immer weiter wachsende To-Do-List zu kümmern oder wenigstens ein schlaues Buch zur Hand zu nehmen, wende ich mich an den Streaming-Anbieter Netflix. Und natürlich wähle ich keinen Film, sondern starte direkt mit einer neuen Serie, von der mir ein Freund schon vor langer Zeit erzählt hat und die ich jetzt wirklich dringend sehen muss – ohne Grund. Also kuschle ich mich mit einer dampfenden Tasse Tee und einer ungesunden Packung Chips ins Bett und versinke in eine andere Welt, kreiert von jemandem, der sich während der Produktion der Serie auf keinen Fall planlos auf einer weichen Matratze rekeln konnte. Und erst als Netflix mich fragt, ob ich denn überhaupt noch da sei, regt sich in mir der gefürchtete Rebell unter dem allseits bekannten Namen «Schuld». Nach einem kurzen Moment der Scham, vergraule ich den Unhold mit den fein zurechtgelegten Worten in meinem Hinterkopf – «Gönn dir mal eine Auszeit» – und ich klicke, ohne länger darüber nachzudenken, auf «Fortfahren».

Irgendwann greift meine Hand vergebens in die Chipstüte. Am Boden der knisternden Packung findet sich nur noch Leere. Vage meine ich mich daran zu erinnern, ich hätte mal gesagt, ich würde wieder mehr Sport treiben. Um mich zu motivieren, nutze ich dieselbe Quelle, die mir bei meiner letzten Erkältung erklärte, ich litte mit Sicherheit an einem Gehirntumor: Google. Und Google wiederum bietet mir Work-outVideos auf YouTube an. Kann ja nichts schaden, denke ich mir und klicke unschuldig das erste Video einer durchtrainierten Mittzwanzigerin an, wohl in dem Wissen, dass ich das Work-out nicht mal bis Minute zwei schaffen würde. Es war eigentlich absehbar: Innerhalb kürzester Zeit lande ich bei einem Video, das den Titel «sweet kitten flushes toilet» trägt und resigniere.

Das Resultat? Am nächsten Tag, wenn wieder die Arbeit ruft, bemerke ich, dass ich mindestens drei der Punkte auf der To-Do-List nicht länger ignorieren kann und verfalle in eine Mischung aus Stress und ungeheurem Tatendrang. Wäre ich also an meinem freien Tag früher aufgestanden, hätte statt der Serie einen Film geschaut und hätte mich nicht dazu entschieden, Sport machen zu wollen, dann hätten meine Freunde wohl kaum je einen Grund, mich zu bemitleiden.

✒ Bsetzistei ist die wöchentlich erscheinende Kolumne aus der Feder der Redaktorinnen und Redaktoren des Zofinger Tagblatts und der Luzerner Nachrichten.

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