Home-Office: Droht das Arbeitslager?

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Chefredaktor Philippe Pfister.

Home-Office ist eine wunderbare Sache. Am Küchentisch einen halben Tag Dringendes abarbeiten – mir kommt das entgegen. Per WLAN bin ich im Nu mit dem Redaktionssystem verbunden, per Mail und WhatsApp gut erreichbar. Zwischendurch hopst Katze Luna auf den Tisch und will gekrault werden.

Linke und Gewerkschaften befürchten nun, das Home-Office werde in ein Arbeitslager umgewandelt. Anlass ist eine parlamentarische Initiative von Thierry Burkart. Der Aargauer FDP-Nationalrat will arbeitsrechtliche Bestimmungen lockern: Konkret geht es um das Zeitfenster, in dem Home-Office-Jobs erledigt werden müssen. Heute beträgt dieses Fenster 14 Stunden. Konkret: Wer um 7 Uhr früh beginnt, darf nach 14 Stunden – also ab 21 Uhr – nicht mehr arbeiten. Burkart und mit ihm über 100 Nationalrätinnen und Nationalräte wollen dieses Zeitfenster auf 17 Stunden strecken. Das soll Home-Office-Arbeitenden die Vereinbarkeit von Kids und Karriere erleichtern. Die Wirtschaftskommission des Nationalrats hat sich diese Woche hinter die Initiative gestellt, während der Gewerkschaftsbund mit grobem Geschütz dagegen schiesst. Es drohten «Wildwest-Verhältnisse», die Initiative sei «skandalös radikal». Unia-Chefin Vania Alleva sagt apodiktisch: «Damit werden die Leute krank».

Der Aufschrei von links ist völlig überzogen. Burkarts Vorschlag ermöglicht Unternehmen mehr Flexibilität, die den meisten Home-Office-Arbeitenden entgegen kommt – sie können ihren Job dann erledigen, wenn es am besten passt. Dass jetzt der 17-Stunden-Tag droht, wie manche Schlagzeilen unterstellten, ist Mumpitz. Das würde ja im Umkehrschluss heissen, dass im Home-Office schon heute der 14-Stunden-Tag die Regel ist. Wenn das so wäre, hätten die Gewerkschaften schon längst einen Aufstand gemacht.

Klar: Wir alle haben ein Recht auf Nichterreichbarkeit, da haben die Kritiker einen Punkt. Aber nun tun sie so, als hockten in den Firmenzentralen nur ausbeuterische Chefs und zu Hause nur Leute, die sich nicht wehren können. Das ist Unsinn. Burkarts Vorschlag ist pragmatisch, eine Anpassung an die flexiblere Arbeitswelt – und kein Rückfall ins 19. Jahrhundert.

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modernes Sklaventum

Mättu
schrieb am 03.02.2018 20:31
Dem Schreiber kann ja die Ausbeutung egal sein, er hat einen guten Job. Leider ist es eine Tatsache, dass die Arbeitnehmer vor den Ausbeuterischen Firmen und vor sich selber geschützt werden müssen. So gilt es auch hier abzuwägen, ob der Nutzen grösser ist als der Schaden der entsteht. Ich meine, dass der Schaden gewaltig ist. Leider geht das Wissen über die Errungenschaften verloren, welche sich das gemeine Volk erkämpft hat. Mit Blick auf Burnouts sind 17h zu viel.
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