«Bienenfreundliche Landwirtschaft im Aargau»: 513 Sandhaufen für «unsere» Bienen

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Das schweizweit erste Projekt dieser Art soll den Bienen im Aargau helfen. (KEYSTONE)

Das Ziel ist klar: Den Bienen soll es im Kanton Aargau besser gehen. Denn allein schon die Zahlen bei den Honigbienen sind alarmierend. Ihr Bestand ist in den letzten Jahrzehnten massiv geschrumpft – von 26'000 Völkern 1970 auf aktuell noch rund 10'000. Ein Negativtrend, der zumindest gestoppt werden soll. Einen wichtigen Beitrag dazu sollen neben den Imkern auch die Bauern leisten. Nach dem ersten Jahr des Pionierprojekts «Bienenfreundliche Landwirtschaft im Aargau» fällt das Fazit positiv aus. 263 oder mehr als zehn Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe beteiligen sich. Sie realisieren Massnahmen, die den Bienen helfen und werden dafür finanziell entschädigt. Im Schnitt erhalten die Betriebe knapp 2700 Franken; der höchste Betrag liegt bei rund 5500 Franken. Insgesamt sind 2017 über 700'000 Franken an Aargauer Landwirte ausbezahlt worden – das ist mehr als budgetiert.

Beiträge für Holzbeigen halbiert
Der erfolgreiche Start hat Folgen: Die Beträge mussten bereits ein erstes Mal nach unten korrigiert werden, weil sonst die 5,3 Millionen Franken, die zu 80 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent aus dem Swisslos-Fonds kommen, nicht bis zum Projektende reichen würden. Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbands, sagt: «Wir haben beim Bund nach mehr Geld gefragt, aber eine Absage erhalten.» Deshalb müssten künftig gewisse Leistungen mit tieferen Beträgen entschädigt werden. Im Fall der sogenannten Kleinstrukturen, wozu Holzhaufen, Holzbeigen oder Natursteinmauern zählen, gibt es nur noch 15 statt wie bisher 30 Franken. Ohne die Halbierung des Betrags würde das Budget für die kommenden Jahre massiv überzogen, schreibt der Aargauer Bauernverband in einer Mitteilung. Letztes Jahr wurden im Aargau 2290 dieser Kleinstrukturen gemeldet.

Beliebt bei den Bauern ist auch eine weitere Massnahme, die den Wildbienen helfen soll: Sandhaufen. 513 davon sind im Kanton bislang entstanden. Wer drei solcher Haufen baut, erhält einmalig 1200 Franken. Bucher: «Eine Horrorvorstellung wäre es, wenn im Aargau nun viele Sandhaufen entstehen würden, die gar nicht genutzt werden.» Doch dies sei bislang nicht der Fall: «Die Wildbienen nisten in den unterirdischen Gängen und können sich dadurch besser fortpflanzen.» Dies ist deshalb wichtig, weil gerade die bodenbrütenden Arten als bedroht gelten.

«Es braucht Überwindung»
Anders sieht die Situation beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Getreide aus. Die Projektverantwortlichen zeigen sich erstaunt darüber, wie wenig diese Massnahme von den Aargauer Bauern umgesetzt wird. Und dies trotz einer Prä- mie von 500 Franken pro Hektare, auf der das Unkraut statt mit Herbiziden mit einer Maschine bekämpft wird. 76 Hektaren sind bislang gemeldet worden. Bucher: «Es braucht Überwindung, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten.» Der Bauernverband-Geschäftsführer und CVP-Grossrat spricht aus eigener Erfahrung. Nach einem Jahr maschineller Unkrautbekämpfung auf seinem Dinkelfeld sagt er: «Es ging gut ohne Herbizide.» Bucher erwartet, dass künftig noch mehr Landwirtschaftsbetriebe diese Massnahme anmelden werden.

Doch ist es angesichts des begrenzten Budgets überhaupt wünschenswert, dass noch mehr Bauern am Projekt teilnehmen? Davon lasse man sich nicht abhalten, antwortet Bucher. «Je mehr etwas für die Bienen tun, desto besser.» All jene, denen die Beiträge zu tief werden, könnten jederzeit aussteigen. Er glaubt jedoch nicht, dass das Geld ausschlaggebend sei. Die Bereitschaft vieler Bauern zur Teilnahme am Projekt erklärt sich Bucher mit der Popularität der Tiere: «Die Biene ist der Sympathieträger der Ökologie. Alle mögen sie und sie nützt auch der Landwirtschaft.»

Kleiner Zustupf für Imker
Am Projekt können auch Imker teilnehmen. Erfüllen sie gewisse Kriterien, zum Beispiel zur Bekämpfung der Varroamilbe und zur Hygiene, erhalten sie pro Bienenvolk einmalig 90 Franken. Imker und BDP-Nationalrat Bernhard Guhl spricht von einem kleinen Zustupf. Der grösste Teil der Gelder gehe an die Landwirtschaft. Die Imkerei lebe ohnehin vom Einsatz der Freiwilligen – «kein Imker verdient sich eine goldene Nase, der Zeitaufwand ist sehr gross». Wichtiger als die Beiträge seien die Forschung zu Behandlungsmethoden gegen die Varroamilbe und die Frage nach dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. «Immer wieder werden Bienen vergiftet. Es muss künftig mit weniger Insektiziden gehen.» Allerdings sei ihm als Bauernsohn bewusst, dass die Erträge trotzdem gesichert sein müssen. 

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