Aargau will Zulassungsstopp für ausländische Ärzte lockern

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Kanton liess Nachfolger nicht zu: Peter Horowitz, Hausarzt in Würenlingen, mit Praxisleiterin Bianca Meier (links) und Praxisassistentin Monica Bächli. © Severin Bigler

Jeder zweite Hausarzt im Aargau will bis 2020 seine Praxis einem Nachfolger übergeben. Das ergab eine gross angelegte Umfrage des kantonalen Ärzteverbandes im vergangenen Jahr (die AZ berichtete). Zudem zeigte die Umfrage, dass im Aargau in allen Bezirken eine Unterversorgung bei Haus- und Kinderärzten besteht. Der Hausärztemangel war schon 2013 festgestellt worden, seither hat sich das Problem aber noch verschärft.

Dennoch hat der Kanton auf den 15. März 2017 die Zulassungskriterien für ausländische Ärzte, die im Aargau praktizieren wollen, markant verschärft. Seither erhalten Mediziner die nötige Berufsausübungsbewilligung nur noch, wenn sie zuvor mindestens drei Jahre in einer anerkannten Weiterbildungsstätte in der Schweiz tätig waren. Dazu zählen sämtliche Spitäler und die meisten Arztpraxen im Aargau.

Nicht willkommen im Aargau?

Johannes Engesser, der zuletzt im Ärztezentrum Mutschellen arbeitete, kam vor der Verschärfung in den Aargau. Auf seiner Website schreibt der Arzt, der sich auf Anthroposophische Medizin und Naturheilverfahren spezialisiert hat, er habe seine Praxis im deutschen Heidelberg im Sommer 2016 «aus Gründen der Unwirtschaftlichkeit» aufgeben müssen. Nun ist auch die Gemeinschaftspraxis in Berikon, wo Engesser tätig war, am Ende.

Der deutsche Mediziner sieht in der Zulassungsbeschränkung für ausländische Ärzte ein Problem. Im Aargau gebe es für Ärztezentren die Unsicherheit, ob sie künftig noch ausreichend Ärzte rekrutieren könnten, schreibt Engesser. Die Zentren seien dringend auf ausländische Kollegen angewiesen, diese dürften aber «nicht mehr direkt angeheuert werden, sondern müssen vorher drei Jahre in der Schweiz gearbeitet haben». Engesser kritisiert, die Politik mache es für Ärztezentren im Aargau praktisch unmöglich, die Zukunft zu planen. In dieser unangenehmen Situation hätten sich einige Ärzte bereits «nach anderen Kantonen hin orientiert, wo sie willkommener sind».

Ärzte gar nicht betroffen

Dass es für Ärztezentren mit dem Zulassungsstopp schwieriger werde, neue Ärzte anzustellen, könne grundsätzlich stimmen, sagt der Aargauer Kantonsarzt Martin Roth. «Für die
betroffenen neun Ärzte auf dem Mutschellen trifft dies allerdings nicht zu», hält er fest. Diese hätten allesamt schon heute eine Berufsausübungs-bewilligung mit Krankenkassenzulassung. «Sie können also jederzeit überall im Aargau eine Praxis eröffnen oder als angestellte Ärzte tätig sein.»

Roth betont, der Kanton habe den Zulassungsstopp im März 2017 aus Qualitätsgründen eingeführt. «Es hat sich gezeigt, dass Ärzte, die direkt aus dem Ausland hierher kamen, oft nicht genügend mit den Verhältnissen im Aargau vertraut waren.» Wer drei Jahre in der Schweiz tätig sei, wie es die Vorgaben für eine Zulassung verlangen, kann laut Roth «Erfahrungen mit dem hiesigen Gesundheitssystem sammeln und auch seine medizinischen Kenntnisse verbessern».

Ausnahmen ab Frühling

Dennoch erarbeitet das Gesundheitsdepartement derzeit die Grundlagen für eine Verordnung, die Ausnahmeregelungen zulässt. Dabei geht es laut Kantonsarzt Roth nur um die Grundversorgung, und dies primär in Randregionen. Als konkretes Beispiel nennt er Nachfolgeregelungen für Hausärzte in ländlichen Gebieten des Kantons. «Wir gehen davon aus, dass diese Verordnung bis im Frühling steht und dann angewendet werden kann», kündigt Martin Roth an.

Noch im Herbst vertrat der Regierungsrat eine andere Haltung. In der Antwort auf eine Interpellation von CVP-Grossrat René Huber hiess es, die Zulassungsbeschränkung gelte bis zum 30. Juni 2019. Ausnahmen müssten aufgrund allgemein anerkannter, objektivierbarer und messbarer Kriterien bewilligt werden – und die gebe es bisher nicht. Nun sollen Ausnahmen bei drohender Unterversorgung möglich werden, die Details werden in der neuen Verordnung geregelt.

Damit soll ein weiterer Fall Würenlingen verhindert werden. Dort fand der pensionierte Hausarzt Peter Horowitz nach langer Suche einen Nachfolger aus Deutschland. Der Kanton verweigerte ihm die Zulassung, nun fordert die Bevölkerung von Regierungsrätin Roth den Verzicht auf die strikte Umsetzung des Ärztestopps.

von Fabian Hägler

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