Nemo, der bodenständige Überflieger, räumt ab an den Swiss Music Awards

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Nemo freut sich über die Auszeichnung mit vier «Swiss Music Awards». Bilder vom roten Teppich: Melek Sarikurt/Sara Thenen

Es war sein Abend: Mit vier Nominationen ging Newcomer Nemo an der Verleihung der 11. Swiss Music Awards im Hallenstadion Zürich ins Rennen – und holte sich in allen vier Kategorien («Best Male Solo Act», «Best Breaking Act», «Best Live Act» und «Best Hit») den Betonklotz nach Hause. Obwohl der 18-jährige Rapper und Sänger aktuell Vollgas gibt und sehr gehypet wird, verliert das Jungtalent die Bodenhaftung nicht. Er punktete an der Verleihung gleich nochmals mit seiner sympathischen und bescheidenen Art. Ausgerüstet mit einem kleinen gelben Büchlein betrat er die Bühne, um den ersten Award abzuholen. Er wollte niemanden vergessen in seiner Dankesrede und hatte sich daher die Namen der Personen notiert, die einen Beitrag zu seinem Erfolg geleistet haben. Danach ging es praktisch Schlag auf Schlag. Ein Klotz nach dem anderen wanderte zu Nemo. Beim dritten Award ging es gar so schnell, dass Manillio und Baschi ihm den Award gar nicht überreichen konnten auf der Bühne, da sich Nemo noch bei SRF-Moderator Michel Birri im Interview befand. Erst bei der Auszeichnung für den «Best Hit» erklamm der Bieler ein viertes und letztes Mal die Bühne und nahm noch zwei Begleiter mit: Lorenz «Lo» Häberli (Lo & Leduc) und Dodo Jud («Hippie-Bus»), die neben Nemo selber und Marco Jeger als Songwriter bei «Du» mitgewirkt haben. 

 

«Rückenwind» für Züri West und posthume Ehre für Martin Ain

Auch Züri West gehörten zu den Abräumern des Abends: Die Berner Mundartrocker, die bereits drei Betonklötze ihr Eigen nennen dürfen, konnten zwei weitere entgegen nehmen: für «Best Group» und «Best Album». Die beiden Awards nahm die Band mit Freude entgegen, dennoch schwang Trauer mit. In seiner Dankesrede brachte Kuno Lauener zum Ausdruck, dass der Verlust von grossartigen Mitmusikern wie Polo Hofer und Hanery Amman die Herzen schwer macht. «Diese Auszeichnungen geben uns Rückenwind für neue Produktionen und eine neue Tournee», so Kuno Lauener.
Der perfekte Übergang für die musikalische Würdigung von Polo Hofer und Hanery Amman durch Büne Huber und Sina. Sie sangen gemeinsam den «Rumpelstilz»- Klassiker «Die gfallene Ängel», zollten den beiden Schweizer Musiklegenden damit Tribut und berührten damit die Herzen.

Mit dem «Tribute Award» wurde posthum Martin Ain geehrt, vier Monate nach seinem Tod im Alter von 50 Jahren. Der Musikproduzent und Coroner-Bassist Tommy Vetterli hielt die Laudatio auf Ain, der als Mitbegründer und Bassist der legendären und stilprägenden BlackMetal-Band Celtic Frost das Genre weltweit nachhaltig beeinflusst hat. Max Cavalera (Sepultura/Soulfly), Charlie Benante (Anthrax) und Danko Jones erwiesen Martin Ain in bewegenden Video-Beiträgen ihre letzte Ehre.

 

Faber und seine harten Worte

Crimer, der ganz ohne Mittelscheitelfrisur erschien, wurde mit dem «SRF 3 Best Talent»-Award ausgezeichnet und meinte: «Dieser Pflasterstein ist der Grundstein meines ersten Hauses». Danitsa erschien im betörenden roten Kleid und erhielt als Best Act Romandie die Beton-Trophäe. «So fühlt es sich also an», sagte Eliane strahlend, als sie am Rednerpult auf der Bühne stand. Nach drei Nominationen in den vergangenen Jahren wurde ihr erstmals der Swiss Music Award als «Best Female Solo Act» überreicht. Da sie sich in den Vorjahren gegen die Konkurrenz nicht durchsetzen konnte, hatten ihre Freundinnen ihr einen eigenen Swiss Music Award gebastelt. Nun hat es endlich geklappt und Eliane stellte fest: «Dieser Klotz ist schwerer als der Selbstgemachte.»

Faber wurde mit dem Artist Award ausgezeichnet – eine besondere Ehre, wird dieser Preis doch von den Musikerinnen und Musikern selber verliehen. Er meldete sich per Einspieler zu Wort, da er gerade in Deutschland auf Tour ist. Nicht nur wegen der Untervertretung von Künstlerinnen in der Schweizer Popmusik, sondern auch wegen der hauptsächlich kommerziellen Kriterien für eine Nominierung, geraten die Swiss Music Awards immer wieder in die Schusslinie. Singer-Songwriter Faber brachte dies auf seine eigene, ironische Art aufs Tapet. Ebenso kriegte die Radiolandschaft sein Fett weg. Faber liess es sich auch nicht nehmen, ein weiteres klares Statement abzugeben: «An all die konservativen rechten Vögel: Ich wäre froh, wenn ihr nicht so aktiv daran arbeiten würdet, die Schweiz kaputt zu machen.»

Auch Ed Sheeran meldete sich per Videobotschaft zu Wort und bedankte sich für seine zwei Auszeichnungen als «Best Solo Act International» und «Best Hit International». 

 

Campino und das Kirschwasser

Und was wäre eine Musikpreisverleihung ohne Musik? Die Toten Hosen performten ihren Song «Alles passiert» und schlugen eher balladeske Töne an. Alexandra Maurer, die gemeinsam mit Stefan Büsser den Anlass moderierte, wollte im Anschluss von Frontmann Campino wissen, ob im Song Resignation herauszuhören sei. Campino verneinte und erklärte: «Es geht darum, dass manche Dinge einfach so sind wie sie sind, und sie so zu akzeptieren sind.» In der Schweiz fühlen sich die Deutschen Punkrocker sehr wohl, im Hallenstadion fast schon wie in ihrem Wohnzimmer. Und wenn sie jeweils hier seien, würden sozusagen die Klischees abgespult. Schneesport in Davos, ein feines Fondue, wobei laut Campino «das Kirschwasser beim Fondue das wichtigste ist». Einen Gratistipp für alle Musiker gab es auch noch auf den Weg: Musik machen, weil es Spass macht und nicht um Karriere zu machen.

Die nationalen Acts, die das Hallenstadion mit Musik füllten, boten Klänge von urban bis urchig: Veronica Fusaro performte ihren Song «Better If I Go» und Hecht ihre neue Single «Kawasaki». Dodo feat. Rita Roof besangen die Zürcher «Hardbrugg» und sprangen für Adel Tawil ein, der seinen Auftritt aus persönlichen Gründen kurzfristig absagte. Ihre besten Punchlines gaben die Schweizer Rapper Arti, LCone, KT Gorique, Ali und Xen im energetischen «Bounce Cypher»-Showblock zum Besten. Und Trauffer schloss das Spektakel mit seinem neuesten Hit: «Schnupf, Schnaps + Edelwyss» ab. 

 

Die 12. Ausgabe der Swiss Music Awards findet am 1. Februar 2019 statt. 

www.swissmusicawards.ch

«Frauen die verdiente Bühne und Ehre geben»

Ein paar Tage im Vorfeld des Swiss Music Awards fand erstmals die Veranstaltung «SMA presents» statt. Die Diskussionsrunde im Zürcher Kulturhaus Kosmos hatte das Thema «Hat die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem?» im Fokus. Die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch sprach in ihrer Eröffnungsrede klare Worte: «Frauen sind in der Schweizer Popmusikszene massiv untervertreten, zum Beispiel in den Charts oder in den Line-ups von grossen Festivals oder Clubs», sagte Mauch. «Ich erwarte gerade von einflussreichen Institutionen wie den Swiss Music Awards, dass sie bewusst Gegensteuer geben und Frauen die verdiente Bühne und Ehre geben.» Oliver Rosa, Executive Producer der SMA und Panelteilnehmer, begrüsste diese Aufforderung: «Die Untervertretung von Frauen ist ein reelles Problem in der Schweizer Musikszene. Wir möchten es darum nicht nur bei diesem Abend belassen. SMA-Veranstalterin Claim Event und der offizielle Preisverleiher Press Play treffen sich im März mit dem Förderverein HELVETIAROCKT, um konstruktive Lösungsstrategien zu suchen und diesem genderbedingten Missstand entgegenzutreten.»

Frauenquote einführen?

Sängerin Brandy Butler, Vorstandsmitglied von HELVETIAROCKT sprach sich für eine Frauenquote aus. «Bei jedem Ziel, das wir erreichen wollen, brauchen wir verbindliche Kriterien. Genderquoten dienen als Messkriterium auf unserem Weg zur Gleichstellung», sagte sie im Gespräch mit Moderatorin und Kuratorin Reena Thelly und den Musikerinnen La Nefera, Eliane und Rafaela Dieu (Zeal & Ardor). In der zweiten Gesprächsrunde setzten sich die Branchenleute Julie Born (Managing Director Sony Music Switzerland/Verein Press Play), Marion Meier (Booking Zürich Openair), Oliver Rosa (Executive Producer SMA/Claim Event AG) und Niklaus Riegg (Stadt Zürich, Ressortleitung Jazz, Rock,Pop) in einer angeregten Diskussion mit dem Publikum mit der Frage auseinander, wie eine Geschlechterparität in Zukunft möglich sei. Der neue SMA-Side-Event stand aber nicht nur im Zeichen der beiden Panels, sondern auch als Plattform für vielversprechendes Schweizer Musikschaffen von jungen Frauen. Ursina und Ikan Hyu spielten je ein Live-Set. Die Panels können auf dem YouTube-Kanal der Veranstaltung zur Ansicht abgerufen werden.

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