Zigaretten, Alkohol, Cannabis – so süchtig sind die Schweizer

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Herr und Frau Schweizer trinken im Schnitt 7,9 Liter reinen Alkohol. (Symbolbild, Getty Images/iStockphoto)

Jeder dritte Schweizer hat in seinem Leben schon einmal gekifft, in den letzten 12 Monaten haben 7,3 Prozent der Bevölkerung einen Joint geraucht. Cannabis ist nach wie vor die am meisten konsumierte illegale Droge in der Schweiz. Wobei illegal nicht mehr in jedem Fall zutrifft. CBD-haltige Produkte können am Kiosk gekauft werden. Zudem planen einzelne Städte eine Liberalisierung auf Probe.

Alkohol: Viele trinken gerne viel
Gleichwohl ist und bleibt das häufigste Suchtmittel Alkohol. 86 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben 2016 mindestens ein Glas konsumiert. Zwar nimmt die Menge und die Häufigkeit leicht ab. Trotzdem konsumierten Herr und Frau Schweizer 2016 im Schnitt 7,9 Liter reinen Alkohol, wobei fast jeder zehnte täglich Alkohol trinkt. Gut 14 Prozent leben abstinent. Das zeigt die telefonische Befragung von 11 000 Personen in der Schweiz, das sogenannte Suchtmonitoring. Laut der Stiftung Sucht Schweiz, welche die Studie gestern publiziert hat, ist die Zahl der chronischen Trinker und Rauschtrinker stabil geblieben. Trotzdem seien laut Schätzungen rund 250 000 Personen alkoholabhängig.

Sucht Schweiz warnt vor den negativen Auswirkungen, die mit überhöhtem Alkoholkonsum einhergehen, vor Autounfällen, vor ungewollter Schwangerschaft und vor bleibenden Schäden am Gehirn.

Ob den neuesten Zahlen ist Sucht Schweiz alarmiert. Der problematische Alkoholkonsum geht trotz Präventionskampagnen und Sensibilisierung nicht zurück. «Es braucht mehr strukturelle Massnahmen», sagt Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz. Konkret fordert sie neue Gesetze. «Alkohol ist überall, fast rund um die Uhr und billig zu haben. Billigstalkoholika müssen aus den Regalen verschwinden und ein Nachtverkaufsverbot eingeführt werden.» Solche Massnahmen hat das Parlament bei der Debatte zum totalrevidierten Alkoholgesetz zwar diskutiert, aber verworfen. Auch moniert Sucht Schweiz, dass ein halber Liter Bier für knapp 50 Rappen zu haben ist: «Ein Vollrausch kostet so viel wie ein Butterbrot.» Die Stiftung verweist auf Schottland, wo Mindestpreise eingeführt werden sollen.

Das Parlament schreitet indes in eine andere Richtung: Deregulierung. Aktuell debattiert es darüber, ob der Alkoholverkauf an Autobahnraststätten erlaubt werden soll. Ein weiteres Anliegen, das ebenfalls von SVP-Seite eingebracht wurde, ist die Abschaffung der Biersteuer. Weitere Liberalisierungen haben grössere Chancen als neue Regeln. Portner-Helfer weiss über den schweren Stand für präventive Anliegen. Sie sagt aber: «Nur zusätzliche Regulierung kann etwas an der Situation ändern.»

Hartnäckige Raucher: Anteil ist seit Jahren stabil
Raucher paffen im Schnitt 13,6 Zigaretten pro Tag, wobei Männer mehr als 15 Zigaretten und Frauen bloss 11 Zigaretten am Tag rauchen. Bei Gelegenheitsrauchern ist es im Schnitt eine. Während die meisten Raucher (96,5 Prozent) immer noch Zigaretten rauchen, erfreut sich die Wasserpfeife neuer Beliebtheit, vor allem unter den Jungen. Ebenfalls populär bei unter 25-Jährigen ist Schnupftabak und/oder Snus (Lutschtabak).

Jeder vierte Befragte gibt an, regelmässig zu rauchen. Dass sich die Zahl der Raucher seit Jahren stabil hält, ist angesichts der Präventionsbestrebungen für Sucht Schweiz inakzeptabel. Hinzu kommt, dass rund ein Viertel der Bevölklerung angibt, dass sie vor dem 20. Lebensjahr mit dem täglichen Rauchen begonnen hat. Das Suchtmonitoring zeigt zudem: Wer früh mit Rauchen anfängt, raucht mehr Zigaretten am Tag (mehr als ein Päckchen), als wer spät anfängt. Obwohl die Zahl der Raucher gleich bleibt, schätzt mehr als die Hälfte der täglich Rauchenden die Nikotin-Abhängigkeit als «sehr gering» ein.

Um den Konsum und die Raucherzahl zu reduzieren, helfen laut Sucht Schweiz nur strengere Marktregeln. Eine neue, ausgedünnte Fassung des Tabakproduktegesetzes ist derzeit in Vernehmlassung. Obwohl die Schweiz eines der liberalsten Gesetze kennt, haben schärfere Regeln auch in diesem Fall einen schweren Stand. Für Monique Portner-Helfer ist dies unverständlich. «Es sollte keine Werbung für Produkte geben, die so viele Menschenleben kosten.» Beim Tabakkonsum kommt erschwerend hinzu, dass neue Produkte auf den Markt kommen. Laut Sucht Schweiz fehlen unabhängige Forschung und Langzeitstudien zu E-Zigaretten und Tabakprodukten zum Erhitzen, um deren Einfluss auf die Gesundheit abschliessend einzuschätzen. Ebenfalls unklar sei, ob eine E-Zigarette tatsächlich dazu führe, dass Personen insgesamt weniger rauchen oder ihnen beim Aufhören helfen. Oder ob sie komplementär, also zusätzlich zu normalen Zigaretten konsumiert werden.

Cannabis: Jeder Dritte hat schon einmal gekifft
Gut drei Prozent der Bevölkerung kifft regelmässig (mindestens einmal in den letzten drei Monaten). Jeder Dritte hat in seinem Leben schon einmal gekifft. Die Zahlen sind relativ stabil. Jedoch begleitet Sucht Schweiz die zunehmende Legalisierung von Cannabis sehr kritisch. Dabei beobachtet die Stiftung verschiedene Tendenzen. Die steigende Zahl an US-Staaten, die Cannabis legalisiert. Die wachsende Akzeptanz in der Schweiz, den Wirkstoff zu medizinischen Zwecken zu verwenden. Die CBD-haltigen Zigaretten mit geringem THC-Gehalt, die heute Denner und Coop oder am Kiosk erhältlich sind. Und schliesslich die grossen Städte, die neue Regulierungsmodelle testen wollen und eine Liberalisierung anstreben. Sucht Schweiz warnt vor einem allzu lockeren Umgang mit der «illegalen Droge» und schreibt, dass sich angesichts des «Wirrwarrs» eine Revision des Betäubungsmittelgesetzes aufdrängt. Diese Forderung könnte im Vergleich zu den anderen auf fruchtbaren Boden fallen: Auch die Städte haben unterdessen erkannt, dass für eine Liberalisierung eine Gesetzesänderung notwendig ist. Allerdings ist zu bezweifeln, dass sie inhaltlich dieselben Änderungen anbringen wollen.

Harte Drogen: Kokain häuft sich
Wie beim Cannabis steigt auch die Zahl der Personen, die Kokain konsumieren leicht an. 4,2 Prozent der Bevölkerung hat schon einmal gekokst. Zu den häufigsten Konsumenten gehören die 25- bis 34-Jährigen (8,4 Prozent).

Andere Drogen werden deutlich seltener konsumiert. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die Antworten der Befragten nicht zwingend wahrheitsgetreu sind, da es sich um illegale Substanzen handelt. Zudem sind die Zahlen zum Teil so tief, dass es sich um Zufallsschwankungen handeln könnte. Neben Heroin gehören LSD, Speed und andere Amphetamine, Ecstasy und Popper zu den häufigst genannten harten Drogen.

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