Am See statt am Nil werden Nilgänse zur Plage

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Bild: zVG

«Wehret den Anfängen»: Unter diesem Gesichtspunkt will der Kanton Luzern Massnahmen zur Regulierung des Nilgansbestandes auf Kantonsgebiet ergreifen. Konkret sollen Eier aus den Nestern entnommen sowie erwachsene Vögel und Jungvö- gel abgeschossen werden. Dies, weil es sich bei den Nilgänsen um eine ziemlich aggressive Vogelart handelt, die einheimische Arten zu verdrängen droht. Der Entscheidentwurf des Kantons liegt noch bis zum 11. März auf.

In der Schweiz leben derzeit zwischen acht und zwölf Brutpaare, so Sophie Jaquier von der Vogelwarte Sempach. Kenntnisse hat man im Kanton Luzern von einem Brutpaar, welches letztes Jahr im Wauwilermoos zwischen 11 und 13 Jungvö- gel bekam. In anderen Jahren fand man ein Brutpaar am Sempachersee, bei Sursee oder beim Golfplatz Oberkirch. «In ihrem Revier sind sie intolerant gegenüber anderen Wasservögeln», erklärt Jaquier. Natürliche Populationen der Nilgänse leben in Afrika, sie wurden einst in Europa als Ziervö- gel eingeführt. Aus Gefangenschaft ausgebüxte Gänse dürften in der Zwischenzeit eigene Populationen gebildet und sich in erster Linie in den Niederlanden, Belgien, Nordfrankreich und Grossbritannien verbreitet haben. Gemäss der Biologin Sophie Jaquier muss man klar festhalten, dass die Nilgans unnatürlich nach Europa gekommen ist, nämlich durch den Menschen. «Deshalb können wir auch dahinter stehen, dass sicherheitshalber priorisiert wird.» Es gehöre eben auch zum Naturschutz und wird vom Gesetz verlangt, die einheimischen Arten zu schützen. Man möchte nicht warten, bis die Population hier zu gross werde. Die Vogelwarte Sempach selber war nicht Teil der Arbeitsgruppe, die zusammen mit dem Kanton den Massnahmenplan erarbeitet hat. Mitgearbeitet haben dort neben der kantonalen Abteilung Natur, Jagd und Fischerei die Naturschutzorganisationen BirdLife Luzern, Pro Natura und WWF; sie unterstützen jetzt auch diese Präventivmassnahmen.

Zweitgrösste Bedrohung
Maria Jakober von BirdLife Luzern, der Dachorganisation der lokalen Natur- und Vogelschutzvereine, erklärt, dass die sogenannten Neozoen (vom Menschen eingeführte, standortfremde Tierarten) zur zweitgrössten Bedrohung einheimischer Tiere und Pflanzen neben dem Verlust des Lebensraumes geworden sind. Die Nilgänse sind für die einheimischen Wasservögel auch eine Konkurrenz, wenn es um die Nahrung oder Nistplätze geht. Zudem könnten Neozoen theoretisch auch Krankheiten einschleppen – das sei allerdings aktuell kein Thema. Maria Jakober hält fest, dass es verboten ist, gebietsfremde Arten auszusetzen. Die Umsetzung der Massnahmen liege nun beim Kanton. «Die Zuständigkeiten sind gesetzlich geregelt.»

Bewilligung notwendig
Weil die Massnahmen gegen die Nilgänse im Naturschutzgebiet ergriffen werden sollen, braucht es eine Bewilligung, erklärt Peter Ulmann, Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei. «In Naturschutzgebieten wird viel Geld investiert. Dort wollen wir keine Neozoen, wollen nicht ihren Bestand wachsen lassen.» Ulmann betont, dass man keine Jagd im Naturschutzgebiet veranstalten wolle und möglichst störungsarm gegen die Nilgänse vorgehen möchte. Deshalb jetzt, wo es erst wenige im Kanton Luzern davon gibt, vom beobachtenden Status in eine aktive Strategie wechseln. Es werden schliesslich kantonale Wildhutorgane sein, die die Strategie in den entsprechenden Gebieten umsetzen müssen.

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