Überschwemmung im Fitnesscenter: Auf die Ohnmacht folgt das Glück - mit Galerie

Physical_Esslinger.jpg
VORHER: Das Unwetter zerstörte den Kraftkeller.
VORHER: Fischbesuch im Fitnesscenter.
VORHER: Rost frass sich durch die Geräte.
VORHER: Die alten Fitnessgeräte werden entsorgt.
VORHER: Der Parkplatz ist ein reissender Fluss.
VORHER: Müllhalde statt Fitnesspark.
VORHER: Das Unwetter zerstörte den Kraftkeller.
Nach dem Unwetter wird geputzt und werden neue Geräte installiert.
Nach dem Unwetter wird geputzt und werden neue Geräte installiert.
NACHHER: Geschäftsführer Marc Esslinger kann wieder lachen.
NACHHER: Auch der Ausdauerbereich wurde erneuert.
NACHHER: Geschäftsführer Marc Esslinger.
NACHHER: Im Kraftkeller weist das Logo auf die neuen Geräte und das neue Design hin.
NACHHER: Der Fitnesspark glänzt fast wie neu.
NACHHER: Der Fitnesspark glänzt fast wie neu.
NACHHER: Der Fitnesspark glänzt fast wie neu.
NACHHER: Der Fitnesspark glänzt fast wie neu.
NACHHER: Der Fitnesspark glänzt fast wie neu.

Samstagnachmittag, der 8. Juli 2017: Ein gewaltiges Unwetter überfällt die Region Zofingen, überschwemmt Keller, Strassen, legt Betriebe und Verkehr lahm, fordert die Rettungskräfte bis zum Äussersten. Hagel und Regen richten Schäden von über 150 Millionen Franken an. Als das Handy am frühen Abend klingelt, sitzt Marc Esslinger allerdings noch nichts ahnend mit seiner Familie zu Hause in Strengelbach. «Wir fanden es zuerst noch lustig, machten sogar ein Video vom Hagel», erinnert er sich. Doch das Lachen hält nicht an. Der Mitarbeiter am Telefon meldet einen Stromausfall. Esslinger, Chef des Fitnesscenters Physical Zofingen, macht sich mitsamt den zwei Kindern im Auto auf den Weg in die Thutstadt. Eine Odyssee. «Alles stand unter Wasser, wir konnten nirgends zufahren. Wir staunten wegen geparkten Autos, von denen nur noch das Dach zu sehen war.» Als der zweite Anruf kommt und die Putzfrau Wassereinbruch meldet, dämmert es dem Centerleiter. Nun rechnet er mit dem Schlimmsten. Und er trifft es auch an.

Untergeschoss restlos überflutet
Esslingers Betrieb ist beispielhaft für viele, für die das Unwetter massive Probleme, Umsatzeinbussen und etliche Diskussionen mit der VersiS cherung bedeutete. In den sechststelligen Frankenbereich gehen die Schä- den im Physical Fitness Zofingen. Als Marc Esslinger am Unwettersamstag nach rund eineinhalb Stunden Umweg endlich im Center eintrifft, befällt ihn ein Gefühl der Ohnmacht. «Der Parkplatz glich einem Fluss. Im Innern standen wir barfuss 30 oder 50 Zentimeter tief im Nass, einige Tü- ren konnten wir wegen des Wasserdrucks gar nicht erst öffnen.» Zu fünfzehnt wischen Mitarbeiter, Kollegen, Kunden und Familienmitglieder das Wasser aus dem Keller, stundenlang, bis nur noch Schlacke, aufgeschwemmte Böden und vollgesogene Wände zurückbleiben. Ein katastrophaler Anblick. Für einen Moment machen sich bei Esslinger Existenzängste breit. Erst am Sonntagabend ist der Strom wieder da. Die Feuerwehr kommt am Dienstag. Dennoch ist der nicht überschwemmte Teil des Centers bereits am Montag wieder offen. Das Center muss weiter funktionieren – schliesslich laufen die Abos weiter, die Kunden wollen trainieren. Dass die Kundschaft happy ist, liegt dem Physical-Team am Herzen. Gleichwohl: Neuabonnenten zu gewinnen ist mit kaputtem Trainingskeller schwierig. Esslinger: «Beziffern kann ich es nicht. Aber Einbussen haben wir sicher gemacht.»

Den Albtraum überwunden
Heute, sieben Monate später ist die Situation eine komplett andere: Von den Schäden, dem Rost, Dreck und der Nässe ist nichts mehr zu sehen oder zu riechen. Stattdessen erstrahlt das Center in neuem Glanz: Rund drei Viertel des Angebots wurden erneuert, teilweise durch die Versicherung, teilweise durch den Betrieb finanziert. «Glück im Unglück», bilanziert Marc Esslinger. Die letzten, topmodernen Geräte wurden erst letzte Woche geliefert. Die Ausnahmesituation nahm Esslinger zum Anlass, auch den Ausdauerbereich im Obergeschoss zu erneuern. «Jetzt bin ich happy», sagt Esslinger, «unser Center ist attraktiver als je zuvor.»

Trotz aller Stärke: Ein oder zwei Tränen vergoss der 40-jährige Geschäftsführer schon. Denn Sport, Körperformung und damit auch die Geräte, das ist für viele Fitnessbegeisterte pure Emotion – und Geschichte. Deshalb hat Marc Esslinger einige wenige der alten Kraftgeräte – gereinigt und restauriert – stehen lassen. Der allergrösste Teil landete allerdings in der Rewag-Recyclinganlage. «Das tat weh. Als die Geräte entsorgt wurden, da hatte ich einen grossen Kloss im Hals.» Unter dem Material waren schliesslich sogar die Lieblingsgeräte des Oftringers Giovanni Arcadio, der 2012 den Weltmeistertitel im Natural Bodybuilding holte. «Von so etwas verabschiedet man sich nicht gern», sagt der Geschäftsführer. Doch sein Blick richtet sich nach vorne. Unwetter und Wind sind überwunden. Der modernisierte Fitnesspark steht bereit – gute Voraussetzungen für einen nächsten Weltmeistertitel.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Regio4Fun
Swiss Chocolate Adventure im Verkehrshaus der Schweiz
Regio4Fun
Film-Brunch im Verkehrshaus
Partner