Olympia – Strahlenmeer und Schlagschatten

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Das tut der Schweizer Seele gut – «wir» sind wer, haben zur Halbzeit der Spiele in Pyeongchang bereits sieben olympische Medaillen gewonnen. Ein Land mit 8,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern stellt – Zeitpunkt gestern Mittag – zwei Olympiasieger. Deutschland mit einem Potenzial von 82 Millionen Menschen bringt es auf «nur» 9 Goldmedaillen. Was für ein Triumph für die eidgenössischen und kantonalen Sportfördermassnahmen – wäre da nicht Norwegen. 5,2 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner – welche wie die Schweizer der EU abseitsstehen – haben bereits 25 Medaillen errungen, darunter 9 aus Gold.

Spitzensport entspricht heute nicht mehr der olympischen Idee von Spielen für Amateure unter dem Motto «dabei sein ist alles». Der Trainingsaufwand lässt keine Dilettanten (lateinisch für Liebhaber einer Sache) mehr zu. Hinzu kommen Risiken. Schaut man sich ein Skirennen in der Disziplin «Slopestyle» an, dann dürften die meisten Eltern ihren Sprösslingen sagen: «Bitte nicht nachmachen.»

Das nationale «Wir sind wer»-Gefühl im Rahmen grosser Sportanlässe ist uns einiges an Geld wert. Erst letztes Jahr beschlossen National- und Ständerat zusätzliche 15 Millionen Franken in die Sportförderung zu investieren – total sind es nun 65 Millionen Franken vom Bund, dazu kommen jährliche Gelder der Kantone in ähnlicher Höhe. Notabene: Die zusätzlichen 15 Millionen Franken fliessen in den Nachwuchssport – sie kommen den Colognas und Federers von morgen zugute. Nur ganz wenige von ihnen werden einst Weltmeisterin oder Olympiasieger. Vom Sport leben lässt sich auch nur, wenn man eine publikumswirksame und damit für Werbung interessante Disziplin gewählt hat. Tennis und nicht Orientierungslauf bringt Werbemillionen.

Im Vorfeld der kantonalen Abstimmung über das revidierte Stipendiengesetz stellt sich eine ketzerische Frage: Weshalb sollen junge Akademikerinnen und Akademiker aus wirtschaftlich schwachen Verhältnissen einen Teil ihrer staatlichen Fördergelder zurückbezahlen müssen, wenn das für sehr gut verdienende Spitzensportlerinnen und -sportler so nicht gilt?

Noch etwas: Der grosse Reibach wird nicht mit Preisgeldern gemacht, sondern mit Werbung. Im Gegensatz zu Stars aus dem Kulturbereich gleichen Sportlerinnen und Sportler Litfasssäulen – über und über mit den Logos ihrer Sponsoren beklebt. Dazu kommt Bandenwerbung – alles Botschaften, die transportiert sein wollen. Diese Aufgabe erfüllen die Medien, denen im Gegenzug die Werbefranken abhandenkommen. Noch schlimmer: Sie bezahlen für die Vermittlung der Werbebotschaften auch noch bares Geld.

Die Übertragungsrechte für ein Fussballmatch sind nicht gratis und bei Fussball-Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen sprechen wir von Milliarden – welche wir in kleinem Mass über die Billag mitfinanzieren. In Deutschland haben sich ARD und ZDF für Bilder aus Südkorea nur noch Sublizenzen gesichert. Hauptrechte-Inhaber ist der Privatsender Eurosport.

Das hat für Sportfans Konsequenzen. Wer nicht mitten in der Nacht die Entscheidungen live miterleben will, bekommt eine umfassende Berichterstattung nur bei Eurosport – für zusätzliches Entgelt. ARD und ZDF dürfen zwischen 19 und 22 Uhr lediglich in Nachrichtenform über Olympia berichten – so wollen es die Verträge.

Zurück zum Thema Sportförderung. Etwas dürfen wir nicht vergessen: Alle Sportchampions sind in erster Linie überdurchschnittliche Talente – Ausnahmen und Glücksfälle. Karrieren wie jene von Roger Federer sind in den seltensten Fällen das Produkt eines Förderprogramms, sondern die Frucht persönlicher Anstrengungen und Opfer. Nicht alle haben das Talent Federers, nicht alle seine Beharrlichkeit und seinen Willen. Es gibt kein Recht auf eine Profikarriere, und es ist nicht die Aufgabe des Staates, in individuelle Karrieren zu investieren. Wenn er die Infrastruktur – insbesondere im Schulbereich – bereitstellt, mit der sich Talente entwickeln können, hat er seine Schuldigkeit getan.

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