Neuer Aargauer Lehrplan: der alv sieht Nachbesserungs-Bedarf

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Elisabeth Abbassi und Manfred Dubach vom Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverband bei der Übergabe der Resolution an Staatsschreiberin Vincenza Trivigno (von links). (Bild: ALEX SPICHALE)

Der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband (alv) unterstützt grundsätzlich den neuen Aargauer Lehrplan, wie ihn der Regierungsrat im Entwurf vorgelegt hat. Man habe auch die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) sehr geschätzt, erklärte Kathrin Scholl, stellvertretende Geschäftsführerin des alv. Dennoch genügt die vorliegende Fassung des neuen Aargauer Lehrplans den Ansprüchen des alv bei weitem nicht. «Es braucht eine Reihe von Verbesserungen, damit die Umsetzung gelingen kann», sagte Elisabeth Abbassi, Präsidentin des alv. In einer Resolution hat nun der Verband die Bereiche formuliert, in denen es nach Meinung des alv nachzubessern gilt.

5001 Unterschriften
Unterzeichnet wurde die Resolution von 5001 Personen, die praktisch alle im Schuldienst tätig sind. Das Begehren mit allen Unterschriften deponierte gestern die Spitze des alv im Regierungsgebäude in Aarau. Staatsschreiberin Vincenza Trivigno nahm die beiden prall gefüllten Schachteln entgegen und versprach, der Regierungsrat werde bald Stellung zu den Forderungen aus der Lehrerschaft beziehen.

Der alv verlangt, dass die Umsetzung des neuen Lehrplans pädagogisch vertretbar sein müsse. Eine kostenneutrale Lehrplaneinführung könne nicht gelingen. Zu gross sei der Preis, der einseitig zulasten der individuellen Förderung der Schülerinnen und der Gesundheit der Lehrpersonen gehe, sagte Elisabeth Abbassi. «Nur eine gesunde Schule ist eine gute Schule.» Deshalb fordert der alv genügend finanzielle Mittel für die Umsetzung. Denn mehr Lektionen und mehr Inhalte seien nicht gratis zu haben. Der Regierungsrat tue gut daran, die Bedenken der Schulen vor Ort ernst zu nehmen, dass der Verlust von ungebundenen Lektionen in der ersten Primarschulklasse weit grösser ist als angenommen. Viele Gemeinden mit Blockzeiten finanzieren heute Randstundenbetreuungen. All diese Unterstützung fällt mit der neuen Stundentafel weg. Dies wirke sich massiv auf die Unterstützungsmöglichkeiten der Schulen, der Kinder und Lehrpersonen aus.

Der alv sieht die Realschule als grosse Verliererin des Lehrplans in der vorliegenden Form. Denn mit der kostenneutralen Anpassung der Stundentafel der Realschule an die der Sekundar- und Bezirksschule, fehlen der Realschule wichtige Unterstützungslektionen. Es wird kaum mehr möglich sein, in kleinen Gruppen zu unterrichten. Die vielfach geforderte Stärkung der Realschule werde so zur Farce.

Die Umsetzung könne aber auch nur dann gelingen, wenn die Schulleitungen und die Lehrpersonen gut vorbereitet sind. Für die neuen Inhalte braucht es genügend Weiterbildungsangebote über einen grösseren Zeitraum hinweg. Ebenso verlangt der alv, dass die entsprechenden Lehrmittel von Beginn weg zur Verfügung stehen. Und was die zeitliche Belastung der Lehrpersonen angeht: Damit sie einigermassen in Grenzen gehalten werden kann, sollen sich die Lehrpersonen zumindest teilweise während der Unterrichtszeit fortbilden können.

Gestaffelte Einführung
Der neue Aargauer Lehrplan, der auf den Vorgaben des interkantonalen Lehrplans 21 basiert, soll auf das Schuljahr 2020/21 an der Volksschule gestaffelt eingeführt werden. In der Anhörung zum Entwurf, die bis zum 2. Februar 2018 dauerte, gingen über 400 Stellungnahmen ein. Auch der alv meldete sich zu Wort und regte an, der Regierungsrat solle doch notfalls die Einführung des Lehrplans so lange verschieben, bis der Kanton sie sich leisten kann. Ein Vorschlag, den Elisabeth Abbassi gestern auch Staatsschreiberin Vincenza Trivigno zusammen mit den 5001 Unterschriften mit auf den Weg gab.

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