Jute statt Plastik

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Emiliana Salvisberg

40 Tage ohne – auch dieses Jahr habe ich mich nicht fürs traditionelle strenge Fasten entschieden. Ich betreibe sogenanntes Plastikfasten und verzichte darüber hinaus auf Süssigkeiten. Am Aschermittwoch, dem diesjährigen Valentinstag, hätte ich starten sollen. Ehrlich gestanden tue ich es genussmässig erst seit Montag. Meine Entsagungsabsichten habe ich nämlich nicht an die grosse Glocke gehängt und so gab es zum 14. Februar eine Schachtel voll luftig-teurer Makrönchen der bekannten Zürcher Confiserie.

Brav folgte ich der Aufforderung des Sofortgenusses, und zwar täglich und ohne Gewissensbisse bis letzten Sonntag. Dieser zählt ja ohnehin nicht zu den Fastentagen. Für mich nun aber schon, so kompensiere ich meine Fehltage bis zum Karsamstag. Das ist versprochen – und ich versuche es ohne zu tricksen. Denn genauso alt wie die Fastenregeln, sind die Versuche sie zu unterlaufen. Weil Fisch auf dem Fastenspeiseplan erlaubt ist, sollen Mönche im Mittelalter im Wasser lebende Tiere wie Enten oder Biber kurzerhand zu Wassertieren ernannt haben. Die Maultauschen oder «Herrgottsbscheisserle» gibt es dank den Zisterziensermönchen des Klosters Maulbronn in Baden-Württemberg, die das pürierte Fleisch in Teigtaschen versteckten. Dass Schokolade auf dem Fastenspeisezettel steht, ist Papst Pius V zu verdanken. Er hielt sie nicht für begehrenswert und sündhaft, da sie ihm schlicht nicht schmeckte. Ich mag Süsses, kann meine Finger aber auch gut davon lassen. Vor allem bin ich gespannt auf die Auswirkungen meiner Zuckerabstinenz.

Meine wahre Herausforderung ist jedoch das Plastikfasten. Schon vom ersten Tag an scheiterte ich kläglich. Die Kunststoffberge, die mich nicht nur daheim umgeben, sind riesig. Wäre ich bezüglich des Plastikfastens konsequent, müsste ich meine Arbeit niederlegen. Denn ob Laptop, Bildschirm, Tastatur oder Telefon: Über all hat es Kunststoff dran. Auch das Schminken könnte ich mir abschminken. Ausser beim Kajal als Holzstift gibt es selbst im Reformhaus nicht viele Produkte, die in anderen Materialien verpackt sind. Zum einen ist es wohl der Preisdruck, zum anderen sind es vor allem unsinnige Gesetzesverordnungen, die Plastik hochleben lassen und teilweise Recycling verunmöglichen. Die neue Bachblütenmischung darf der Drogist jedenfalls nicht mehr in das von mir gebrauchte und ausgespülte Glasfläschchen abfüllen. Kein Wunder, verursacht hierzulande jeder von uns durchschnittlich 125 Kilogramm Kunststoff-Abfall.

Es ist erschreckend, wie ich mich vom homo sapiens immer mehr Richtung homo plasticus entwickle. Ich will nicht wissen, wie viele Nano- und Mikrokteilchen, auch der Kosmetikindustrie wegen, in mir rumschwadern. Geschweige denn mag ich an die Meere und Süssgewässer denken, die zu Plastik-Müllkippen verkommen.

Meine ernüchternde Bilanz nach über einer Woche Plastikfasten: Es gibt Alternativen, wie die Bambus-Zahnbürste, doch viel zu wenig. Ganz ohne Plastik komme ich leider nicht aus. Für mich gilt deshalb «Mehrweg statt Einweg» und so kommt mein Einkauf in meine Baumwolltasche, denn für mich ist Jute statt Plastik aktueller denn je.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Himmel und Hölle in uns

Margrit Schriber
schrieb am 24.02.2018 08:40
Wir tun Dinge, die wir nicht tun wollen. Verneinen mit dem Kopf, geniessen mit dem Gaumen, gehen in die eine Richtung, wollen aber in die andere. Wir betrügen und verzeihen uns. Bestrafen und belohne uns. Heute verabscheuen wir jede Faser an uns, aber morgen lieben wir uns abgöttisch. Wer kann das widersprüchliche Wesen ICH verstehen?
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