Biersommelier Pädi Purtschert: «Ein Bier sollte auch Ecken und Kanten haben»

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Pädi Purtschert: Das Degustieren war im Kurspreis inbegriffen. Deshalb reiste er jeweils mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. (Bild: Achim Günter)

Als Sommelier bezeichnet man gemeinhin Mitarbeiter eines gehobenen Gastronomiebetriebes mit Zuständigkeitsbereich Getränke. Insbesondere um die Auswahl der Weine kümmert sich ein Sommelier. Dass es auch spezialisierte Kaffee-, Tee- oder Wassersommeliers gibt, dürfte weniger bekannt sein. Ebenso wenig, dass es auch Bier-Sommeliers gibt.

Mitte Januar konnten 21 erfolgreiche Absolventen ihr Zertifikat als Bier-Sommelier in Empfang nehmen. Sie hatten im vergangenen Sommer oder Herbst das zum 16. Mal durchgeführte Intensivseminar «Der Schweizer Bier-Sommelier – Bier entdecken, verkosten und erfolgreich verkaufen» besucht; durchgeführt von Gastro-Suisse in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Brauerei-Verband. Pädi Purtschert ist einer von ihnen. Der 39-jährige Ballwiler führt seit sieben Jahren das mexikanische Restaurant El Mosquito in der Surseer Altstadt.

Purtschert hatte einst eine Kochlehre absolviert. Später folgten verschiedene kürzere Zusatzausbildungen in der Gastrobranche. «In unserem sehr schnelllebigen Beruf ist Weiterbildung wichtig», findet der Vater zweier Söhne. Als ihn ein Kollege aus der Gastroszene zum Besuch des Bier-Seminars motivierte, zögerte er deshalb nicht lange. Purtschert ortet im Segment Bier noch viel Wachstumspotenzial – und ist vor allem ein grosser Bierliebhaber. Selber gebraut hat er zwar noch nie welches. Dazu bleibe neben Arbeit und Familie für ihn keine Zeit. Schmunzelnd sagt der Restaurantbetreiber: «Ich verkaufe und trinke es lieber.» Was ist denn sein persönliches Lieblingsbier? Ganz der professionelle Geschäftsmann, lässt er sich nicht auf die Äste hinaus. «Zum Essen ist es ein anderes als zum Feierabend. Ich mag Abwechslung, habe gerne spannende, komplexe Biere.» Momentan stünden bei ihm gerade belgische Weizenbiere hoch im Kurs, aber das wechsle auch wieder. Gutes Bier müsse ausgewogen sein, zum Anlass passen, dürfe auch mal ein wenig gewagt sein, sollte nicht nur Mainstream verkörpern, sondern durchaus ein wenig Ecken und Kanten aufweisen. «Aber für mich gibt es kein schlechtes Bier – es liegt immer im Auge des Betrachters.»

Besser mit dem ÖV zum Seminar
In der Schweiz gibt es mehr als 800 Bierbrauereien. Laut dem Schweizer Brauerei-Verband ergibt diese Anzahl einen Weltrekord: In keinem anderen Land hat es im Verhältnis zur Bevölkerung so viele Brauereien. Alleine in Sursee gibt es deren zwei: das Soorser Bier und die Braustation. Von beiden lokalen Brauereien führt Purtschert jeweils ein Produkt in seiner Gaststätte. Dass lokale Biere gerade hoch im Kurs stehen, merkten er und seine Kollegen sehr stark. Überhaupt gebe es einen Trend hin zu lokalen, nachhaltigen Produkten. Eine besonders grosse Auswahl an Biersorten kann und will Purtschert in seinem Lokal gleichwohl nicht anbieten. Das würde sich schlecht vertragen mit dem auf Mexiko ausgerichteten Konzept. Dennoch habe er auch für seinen Berufsalltag sehr viel gelernt im Kurs, «vor allem auch von den anderen Kursteilnehmern. Es war eine sehr spannende Mischung.» Die Teilnehmer aus verschiedenen beruflichen Gebieten hätten jeweils mit unterschiedlichen Blickwinkeln das Produkt Bier betrachtet.

Über welche Fähigkeiten muss ein Bier-Sommelier verfügen? Pädi Purtschert lacht und sagt: «Er muss sicher das Bier lieben.» Dann müsse man die verschiedenen Bierstile kennen, die Leute kompetent beraten und das Bier richtig ausschenken sowie das passende Bier zum jeweiligen Anlass empfehlen können. Der neuntägige Kurs an wechselnden Orten habe ihm dieses Wissen vermittelt – und auch in Sachen Degustieren seien die Teilnehmer auf ihre Rechnung gekommen. «Wir haben sicher 200 Biere gekostet in diesen neun Kurstagen», erinnert sich Purtschert. Lachend meint der 39-Jährige: «Es ist jedenfalls gut, wenn man mit dem ÖV anreist. Im Gegensatz zum Wein-Sommelier spuckt man das Probierte nämlich nicht aus. Man probiert jeweils einfach nur wenig.»

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