Hanni Golling: AKB-Filialleiterin und diplomierte Märchenerzählerin

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Hanni Golling aus Wikon ist als Bankfachfrau tätig. Ihre Freizeit widmet sie der Welt der Märchen. CKI

Ein Taschenrechner liegt vor Hanni Golling auf dem Tisch. Zahlen sind ihr Alltag. Sie arbeitet als Bankfachfrau und leitet seit 17 Jahren die Niederlassung der Aargauischen Kantonalbank in Brittnau. Bei einem Besuch an ihrem Arbeitsplatz erzählt die 58-Jährige aber von der anderen Welt, in die sie privat oft eintaucht. Dort reiten Hexen auf Besen, verwandeln sich Frösche in Prinzen und wachsen goldene Äpfel auf Bäumen. Hanni Golling ist diplomierte Märchenerzählerin. Sie hat dafür eine Ausbildung bei der Mutabor Märchenstiftung im bernischen Trachselwald abgeschlossen. Die Erzählerin ist regelmässig in Altersheimen oder Bibliotheken zu Gast. Morgen führt sie mit ihrem Mann Hans Golling eine Vollmondwanderung in Brittnau durch, bei dem die Teilnehmer Märchen und Sagen rund um den Mond hören werden. Hanni Golling möchte ihre Zuhörer mit den Märchen nicht nur unterhalten, sondern ihnen auch Mut machen. Sie ist darum auch in der Heilarbeit aktiv: Die Erzählerin möchte Menschen helfen, anhand von Märchen alte Erinnerungen zu wecken oder Erlebnisse zu verarbeiten.

«Ich hatte als Kind viel Fantasie», sagt die Mutter von vier erwachsenen Kindern und Grossmutter von bald sechs Enkeln. Die Freude an Märchen habe ihr Vater geweckt, ein Literat und Buchdrucker, der seinen Kindern oft eigene Geschichten vorlas. Ein Studium im Bereich der Literatur oder der Philosophie, das Hanni Golling ebenfalls interessierte, stand für sie aber nicht zur Debatte. «Für Kinder von Arbeiterfamilien war es damals nicht üblich, zu studieren.» Sie entschied sich stattdessen für eine Lehre auf der Bank. Die Leidenschaft fürs Lesen aber liess sie nicht los. Vor sechs Jahren fand sie schliesslich die Zeit, eine Ausbildung als Märchenerzählerin zu beginnen. «Mich interessierte, was hinter diesen Geschichten steckt.» Märchen erfüllten früher, zu Zeiten der Brüder Grimm, oft erzieherische Funktionen. Die Verfasser verpackten Botschaften in die Märchen. «Rotkäppchen» etwa sollte Kinder vor Missbrauch warnen. «Der böse Wolf, dem das einsame Rotkäppchen im Wald begegnet, steht dabei für einen Mann oder sonst eine Gefahr», erklärt Hanni Golling. In anderen Kulturkreisen dienten Märchen einst auch der Nachrichtenübermittlung oder gar als Form der Aufklärung. In den fantasievollen Geschichten durfte erzählt werden, was in der Gesellschaft tabuisiert war.

Märchen zeigen die damalige Zeit
Traditionelle Märchen sind heute Thema vieler Debatten – darunter in pädagogischen und feministischen Kreisen. Eine britische Mutter forderte jüngst, dass manche der Märchen nicht mehr erzählt werden sollten, weil sie patriarchale Rollenbilder vermitteln. Etwa Rapunzel, die im Turm auf die Rettung des Prinzen wartet. «Ich bin selbst Frauenrechtlerin», sagt Hanni Golling. «Es wäre aber schade, wenn man deshalb auf die breite Palette aller Märchen verzichten würde.» Die Märchen seien ein Abbild der damaligen Zeit und würden daher auch Stoff bieten, um darüber zu diskutieren und Kindern zu erklären, wie sich die heutige Welt von früher unterscheidet. Das gelte auch für Gewaltdarstellungen in alten Märchen, die besonders Pädagogen oft in Frage stellen – etwa in «Das Mädchen ohne Hände», in dem ein Vater seiner Tochter beide Hände abschlägt. «Kinder können gut abstrahieren», sagt Hanni Golling. Natürlich gebe es Grenzen; manche Märchen seien zu grausam, um sie Kindern zuzumuten. In den traditionellen Märchen aber sieht die Erzählerin keine Problematik. Entscheidend sei das Ende einer Geschichte: Wird der Bösewicht in die Schlucht gestossen und bekommt seine Strafe, ist die Gerechtigkeit wieder hergestellt. «Geschichten im wahren Leben gehen nicht immer gut aus», sagt Hanni Golling. «Die Märchen aber nehmen immer ein gutes Ende.»

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