Blumen erobern zum fünften Mal das Aargauer Kunsthaus

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Florale Interpretation von Sandra Diener, St. Gallen, zum Werk der Künstlerin Mireille Gross «Through the Bamboo Groove« (2010) in der Ausstellung «Blumen für Kunst» im Aargauer Kunsthaus. (Bild: Severin Bigler)

Der Frühling hält zwei Wochen früher als erwartet Einzug – zumindest in Aarau im Kunsthaus. Vierzehn Floristinnen und Floristen interpretieren zum fünften Mal in der Ausstellung «Blumen für die Kunst» Werke aus der Sammlung des Aargauer Kunsthauses.

Die Floristen haben die Möglichkeit, aus der Sammlung drei Favoriten anzugeben, ein Werk wird ihnen im Anschluss zugeteilt. Über die Jahre hat sich die Veranstaltung – eine Zusammenarbeit zwischen dem Aargauer Kunsthaus und dem Verein Flowers to Arts – zum Publikumsmagnet entwickelt und zog mit jeder Ausgabe mehr Besucher an, 16 482 alleine im letzten Jahr.

Eile und Konzentration
Am Montagmorgen führen uns Angela Wettstein und Marianne Wyss von Flowers to Arts durch die Räumlichkeiten des oberen Stockwerkes, wo Handwerker, Floristen und ihre Mitarbeiter konzentriert ihrer Arbeit nachgehen. «Die meisten Floristen haben die ganze Nacht durchgearbeitet. Da die Blumen vergänglich sind, müssen sie am Ausstellungstag aufgebaut werden», so Wettstein.

In einem Nebenraum baut Lisa Pellanda mit ihrem Freund ihre Interpretation von Patrick Rohners Werk «Ohne Titel» (1999) auf. Die Tessiner Floristin vertritt als Jungtalent die Zukunft der Floristik. Rohners Werk ist mit den dicken Farbschichten und einer organisch wirkenden Oberflächenstruktur weniger zugänglich als andere Gemälde der Ausstellung. Wie soll man so etwas floristisch umsetzen?

«Ehrlich gesagt war das Werk nicht mein erster Favorit», so Pellanda. Zurück im Tessin sei es ihr aber nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Im Raum ist eine Plexiglasscheibe aufgestellt, in die Pellanda bereits Löcher von verschiedener Grösse eingebohrt hat. In diese Löcher werden wiederum «Menschenköpfe» – eine Plastikform mit Blume – eingesetzt.

Der Zusammenhang zwischen dem abstrakten Gemälde und Menschen scheint nicht offensichtlich, doch für die Tessinerin sind Menschen auch abstrakt. Sie wolle die Verbindung zwischen Mensch und Natur und die Verschiedenheit der Menschen aufzeigen, daher habe sie unterschiedliche Gewächse ausgesucht. «Diese Orchidee, zum Beispiel, ist ein nobler Mensch, jener Kaktus ist vielleicht ein aggressiver, ärgerlicher Mensch und die Nelken entsprechen einem einfachen Menschen.»

Samen zu nackter Haut
Würde dem Schreibenden ebenfalls ein Werk zur Interpretation zugeteilt, wünschte er sich nicht unbedingt Hannah Villigers Werk «Block I (1988); eine Serie aus zwölf vergrösserten Farbfotografien, fragmentarischen Nahaufnahmen des menschlichen Körpers. Doch für die Zuger Floristin Isabelle Becker war Villigers Werk die erste Wahl.

Am Boden liegen quadratische Kunstharzplatten, in denen sich zarte, weissliche Büschel befinden. Man bittet die Floristin um Aufklärung: «Ich bin auf die Idee der totalen Rückführung gekommen, zurück zum Ursprung des Lebens: den Samen. Ohne ihn gäbe es uns nicht und auch keine Blumen.»

In der gesamten Schweiz gibt es nur eine Firma, die Kunstharz herstellt; also fuhr Becker nach Fraubrunnen und liess sich von den Mitarbeitern über das Material und dessen Verarbeitung beraten. Die Samen der Seidenpflanze mit dem zarten Haarschopf habe sie ausgesucht, da diese nicht nur die Nacktheit, sondern auch die Weiblichkeit von Villigers Fotografie aufgreifen.

Die Verlagerung des Gewichtes auf zeitgenössische und auch abstrakte Kunstwerke, widerspiegle auch die Entwicklung innerhalb der Floristik, so Marianne Wyss von Flowers to Arts. «In den letzten Jahren hat sich in der Floristik sehr viel verändert. Die Ausbildung ist technisch viel anspruchsvoller geworden.»

Die Besucher liessen sich dadurch aber nicht abschrecken, im Gegenteil; das Interesse vonseiten der Besucher sei sogar grösser bei zeitgenössischen Werken, denn farblich seien sie oft sehr dynamisch.

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(Bild: Severin Bigler)
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(Bild: Severin Bigler)
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(Bild: Severin Bigler)
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