Clown im Flüchtlingslager: «Kinder wollen lachen und spielen»

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Kurt Bucher, Sie waren kürzlich neun Tage in der osttürkischen Stadt Mardin in der Nähe eines Flüchtlingslagers und haben dort in einer Zirkusschule versucht, syrische Kinder aufzuheitern. Ist Ihnen das gelungen?

Kurt Bucher: Das ist sehr gut gelungen. Es war eine gewaltige Erfahrung. Die Kinder waren mir gegenüber sehr offen und machten engagiert mit. Wir lachten, spielten und trainierten zusammen. Sehr imponiert hat mir, dass für einen kurzen Moment Elend und Armut vergessen waren. Und lachen heilt ja bekanntlich.

Gab es besonders eindrückliche Erlebnisse?

Das Eindrücklichste ist, dass die Kinder auf der ganzen Welt gleich sind und einfach spielen wollen – egal, in welchem Umfeld sie leben, egal, ob sie arm oder reich sind. Sie wollen einfach lachen, Freude haben und spielen. Ich kann nicht Türkisch, die Verantwortlichen der Zirkusschule reden meist nur Türkisch, und fast alle Kinder Arabisch – zusammen Zirkus machen kann man trotzdem. Das hat alles funktioniert, auch ohne Sprache und obwohl man sich verbal eigentlich gar nicht versteht. Was mich auch sehr beeindruckt hat: Dass ältere Kinder, die schon lange in dieser Region leben, nun selber jüngere Kinder in der Zirkusschule unterrichten.

Welche Bilder haben sich bei Ihnen speziell eingeprägt?

In welch einfachen Verhältnissen diese Leute leben müssen. Es war sehr kalt, es herrschten Temperaturen wie hier in der Schweiz zurzeit. Die Menschen dort hausen in alten Hütten, zerbombten Häusern oder einfach in einem Stall mit einem Dach über dem Kopf. Sie können kaum je ihre Kleider waschen oder duschen. Aber sie leben trotzdem – und strahlen sogar Zufriedenheit aus. Sie können den Moment geniessen und sind einfach froh, überhaupt am Leben zu sein. Sie sind auch unglaublich offen, laden einen zum Abendessen ein, auch wenn sie eigentlich gar nichts besitzen. Das ist schon sehr eindrücklich! Was mir auch sehr in Erinnerung bleibt: Die Leute wollen einfach nur in Frieden in ihre Heimat zurückzukehren.

Handelt es sich bei den dortigen Flüchtlingen bloss um Syrer?

Die Flüchtlinge sind vorwiegend Syrer, weil Mardin halt nahe an der syrischen Grenze liegt. In der dortigen Gegend leben aber viele Türken ebenfalls in sehr armen Verhältnissen.

Waren Sie im offiziellen Flüchtlingslager?

Ins Flüchtlingslager selber kommt man momentan nicht hinein, das ist verboten. Alles ist militärisch abgeschirmt. Eigentlich wäre geplant gewesen, das Lager selber aufzusuchen. Das hat aber nicht geklappt. Es kamen jedoch Kinder aus dem Flüchtlingslager zu uns in die Zirkusschule.

Sie muntern als Spitalclown für die Stiftung Theodora in hiesigen Spitälern oft schwerkranke Kinder auf. Inwiefern unterscheidet sich diese Arbeit von jener mit Flüchtlingskindern?

Das Grundprinzip ist immer das gleiche. Auch bei den Besuchen in den Spitälern sind die Kinder in schwierigen Situationen. Auch da gilt es möglichst feinfühlig auf die Kinder zuzugehen und ihnen viel Verständnis und Empathie entgegenzubringen. Das Einfühlungsvermögen am Anfang ist ohnehin entscheidender als danach das Lustigsein. Die Kinder «tauen» von allein auf. Ganz wichtig ist jeweils, überhaupt eine Beziehung zum Kind zu knüpfen.

Also unterscheidet sich die Arbeit nicht.

Der Hauptunterschied ist die Sprache. In der Schweiz kann ich oft auch via Sprache Witze machen. Aber eigentlich ist das als Clown gar nicht nötig.

Clownesker Humor funktioniert demzufolge über alle kulturellen und religiösen Grenzen hinweg?

Definitiv. Mit jemandem ein Spiel machen oder gemeinsam lachen – das funktioniert überall. Jedes Kind auf der Welt weiss, was ein Clown ist. Ich gab Spielanweisungen auf Englisch, diese wurden ins Türkische, Arabische und Kurdische übersetzt, und alle spielten ein gemeinsames Spiel – wunderbare und verbindende Momente und Erlebnisse für alle Beteiligten.

Können Sie sich vorstellen, nochmals ein Flüchtlingslager zu besuchen?

Sofort. Ich möchte unbedingt wieder gehen. Geplant ist zwar noch nichts, denn zuerst möchte ich zu Hause ankommen und das Ganze ein wenig verdauen. Es war extrem eindrücklich und lehrreich. Diese Kinder sind nicht nur für eine krisengeplagte Region Farbtupfer und Hoffnung, sondern auch in meinem Leben. Wir alle können uns nicht im Geringsten vorstellen, was diese Kinder alles erleiden und ertragen mussten. Mit welcher Herzlichkeit und Offenheit sie mir dennoch begegnet sind, hat mich tief berührt. Vor allem mit ihrem herzhaften Lachen haben sie mein Leben um ein Vielfaches reicher gemacht.

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