Lehre abgeschlossen – was nun?

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Berufsschülerinnen und -schüler in einer Klasse von Annett Wahl (Vierte von links) von denen viele noch auf der Suche nach einem Job sind. BKR

Zu Gast in einer Klasse der Berufsschule Zofingen. 18 junge Leute, die motiviert, ja engagiert wirken, stehen Red und Antwort. Wie es im Herbst nach Abschluss der Lehre beruflich oder mit Anschlusslösungen – wie Auslandaufenthalt oder Weiterbildung – aussieht, wissen deren acht. Die Klasse, welche bei Annett Wahl eine allgemeinbildende Lektion besucht, besteht aus Lernenden verschiedener Berufe. Da sind Leute aus der Motorradbranche. Einer der Lernenden lässt sich zum Mechaniker für Velos und Kleinmotorräder bis 125 Kubikzentimeter ausbilden. Im Herbst will er eine Zusatzausbildung für grosse Töffs anschliessen. Weshalb nicht gleich Motorradmechaniker? Der junge Mann lacht: «Die Lehre für Kleinmotorräder dauert nur drei Jahre, die andere vier.» Schulmüde war auch eine junge Frau, die bei der Wahl ihrer Lehre zwischen Zeichnerin und einem «Leder»-Beruf geschwankt hat: «Ich wollte mit den Händen arbeiten.» Nun sucht sie eine Zusatzlehre als Zeichnerin im Bereich Architektur.

Leder-Berufe: Die Arbeitsgebiete teilen sich in die drei Fachrichtungen Pferdesport, Fahrzeuge und Technik und Feinlederwaren auf. In der Fachrichtung Pferdesport werden Artikel für den Reit- und Fahrsport und für die Tierhaltung hergestellt. «Massgenau für Ross- und Reiterin», sagt eine künftige Fachfrau.

Stellenvermittlung
Ein junger Mann ist «Lederer» im Fahrzeugbereich: «Wir Autosattler arbeiten mit Leder, Kunstleder und Textilien – Cabriolet-Verdecke, Arbeiten an Booten oder Töffsättel sind Teil unserer Arbeit.» Ein Kollege aus Basel – die Klasse rekrutiert sich aus sieben Kantonen – arbeitet gar im Flugzeugbereich, für die Firma Air Aviation. Ursprünglich ging es in Richtung Profi-Fussball, verbunden mit dem Besuch einer Wirtschaftsmittelschule. Ein Projekt, das gescheitert ist. Aber zielstrebig visiert er nun die Berufsmatura an. Eine junge Frau aus der Klasse ist ebenso sportlich und will sich ab Herbst im Sport- und Fitnessbereich weiterbilden.

Mehr als die Hälfte der Klasse ist vier Monate vor Lehrabschluss noch ohne Lösung. Da setzt das Projekt «On The Move – Aufbruch nach der Lehre» an. Annett Wahl hat mit ihren Schülerinnen und Schülern teilgenommen. In einem ersten Teil wurden Bewerbungsschreiben analysiert und verbessert. Ein Personalberater skizzierte, wie man sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitet und ein Rollenspiel zeigte «NoGos» auf.

Diese Lena ist kein Mädchen

Eine Stelle nach dem Berufsabschluss finden, ist das eine. Primär aber ist die Lehre. Was und wo erlernen? Gespräche mit den Eltern, mit Bekannten, bei der Berufsberatung sowie eine Schnupperlehre zeigen die Richtung auf. Wie aber die Stelle finden? Stelleninserate in Zeitungen sind generell rar geworden. Seit Jahren in die Bresche springt da die «Lena». Genauer der Lena – der Lehrstellennachweis Aargau. Das ist eine Online-Stellenbörse für Schnupperlehrplätze und Lehrstellen im Kanton Aargau, die zum Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder zum Eidgenössischen Berufsattest (EBA) führen. Lehrstellen können nach Beruf und Region gesucht werden. Lehrbetriebe, die eine Berufsmaturität unterstützen und leistungssportfreundliche Lehrbetriebe sind speziell gekennzeichnet. Zum Lehrbeginn im August 2018 sind 3626 Lehrstellen verzeichnet. Davon waren Ende Februar mehr als 60 Prozent vergeben. 74 von 80 Lehrstellen im Bereich Informatik. Auf der anderen Seite die Baubranche, wo noch rund 80 Prozent der Lehrstellen frei sind. Ein Überangebot auch in den Bereichen Druck und Textil. Die meisten noch unbesetzten Lehrstellen gibt es im Detailhandel. Für Martin Ziltener, Mitglied der Geschäftsleitung des kantonalen Berufsberatungsdienstes ask, ist dies keine Überraschung. «Besonders bei Grossverteilern verbinden die Jugendlichen mit dem Beruf, dass man vornehmlich das Gemüse in Kisten füllen muss.» Ein Grund, weshalb diese Lehrstellen oftmals über mehrere Monate hinweg ausgeschrieben werden, sind die unsicheren Perspektiven. «Gerade in einer Zeit, in der an den Kassen das Bezahlen automatisiert wird, stellt sich einigen die Frage, ob der Beruf als Verkäufer in einem Supermarkt Zukunft hat», so Ziltener. Wer will ins Büro? Unter den ersten drei der unbesetzten Ausbildungsplätze liegt auch der Beruf der Bürokauffrau und des Bürokaufmanns. Beliebt sei dieser zwar aufgrund der geregelten Arbeitszeiten, jedoch hat die Aussicht darauf, dass viele klassische Büroberufe in der Zukunft verschwinden werden, dazu geführt, dass die Attraktivität des Kaufmannberufs nachgelassen hat, erklärt Ziltener. Stark gesucht sind auch angehende Fachmänner im Betriebsunterhalt.

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