Die vielen Helfer waren ein Segen für die Familie: So hat der Pferde-Hof die Flut bewältigt

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Claudia Gerber (33), Betriebsleiterin des Reitsportzentrums «alte Mühle». © Flurina Dünki/az

Die Pferde waren von allen am ruhigsten, als am 8. Juli die Flut kam. Die Uerke, durch die anhaltenden Gewitterregen zum reissenden Fluss angewachsen, strömte an dem Tag derart zerstörerisch durch das Dorf, als hegte sie einen Zorn gegen seine Bewohner. Gleich neben dem Bach gelegen, wurde das Reitsportzentrum «alte Mühle» – wie alle Liegenschaften im Zentrum – komplett überflutet.

Das Wasser drang in die Ställe, die Scheune und das Wohnhaus, das ehemalige Mühle-Haus. Noch heute zeugt dort eine Verfärbung an der Türe vom damaligen einen Meter hohen Wasserstand. Den Quarzsand des Reitvierecks und der Halle, den Betriebsführerin Claudia Gerber kurz vorher aus Belgien importieren liess, schleppte der Bach mit und verteilte ihn auf seiner Zerstörungstour im ganzen Dorf.

25 Pferde sind auf dem 1,5 Hektaren grossen Areal untergebracht. Die meisten sind Pensionspferde, acht gehören der Familie Gerber. Heute blinzeln sie in die ersten März-Sonnenstrahlen und wiehern den Zweibeinern zu. Sie hatten an dem Tag im Juli 2017 Ruhe bewahrt. «Da alle Stalltüren geschlossen waren, schoss das Wasser den Pferden nicht um die Hufe, sondern lief nur langsam in die Boxen», sagt Claudia Gerber. Die 33-Jährige war an diesem Tag mit ihrem Freund an einem Turnier in Kandersteg und traf das angerichtete Elend erst am Abend des 8. Julis an. Wie der Vater berichtete, hätten die Pferde keine Nervosität gezeigt. Offensichtlich sahen sie das Wasser, das ihnen langsam zu den Knien stieg, nicht als Bedrohung. Während die Tiere gelassen blieben, nahm das Drama vor den Stalltüren seinen Lauf: Autos schwammen davon, der kürzlich angeschaffte Bürocontainer wurde 50 Meter weit mitgerissen und alles, was vom Wasser berührt wurde, war dem Untergang geweiht: von Maschinenmotoren über Sättel zur gesamten Einrichtung im Erdgeschoss des Wohnhauses. Der Schaden der Gerbers geht in die Millionenhöhe.

Metallspäne auf den Weiden

Von alledem ist heute kaum mehr etwas zu sehen. Die Pferde, die sich nach der Flut nur zögerlich wieder aus den sicheren Boxen trauten, haben das Trauma verarbeitet. Das Rondell, wo eins der «Mühle»-Pferde sich an diesem Tag gerade austobt, hatte sich damals zum mit Schlammwasser gefüllten Pool gewandelt. Auf den Weiden, wo heute die Pferde wieder grasen, hatte die Uerke mitgeschleppte Metallspäne abgelagert, die mittels Metalldetektoren mühsam wieder herausgepickt werden mussten.

«Die Versicherung hat sehr schnell reagiert und gute Arbeit geleistet», so Gerber. Den Aufräum-Marathon, der auf das Hochwasser folgte, konnte sie der Familie jedoch nicht abnehmen. Dafür kamen umgehend aus allen Richtungen Helfer herbeigeströmt: Besitzer der Pensionspferde, deren Freunde und Freunde der Freunde. Wie ihre Nachbarn erlebten die Gerbers in diesen Tagen eine Solidaritätswelle sondergleichen.

«Als ich nach Hause kam, war das Gelände voller Leute, die schon wie ein eingespieltes Team arbeiteten. Das war einfach schön», sagt Gerber. Auch in den folgenden Tagen packten die Helfer tatkräftig an. Dazu nahmen die Stallbesitzer Pius Schwizer aus Oensingen und Markus Hauri aus Seon Pferde der «alten Mühle» auf, bis das Gröbste weggeräumt und getrocknet war. Mit vereinten Kräfte konnten knapp drei Wochen nach dem Hochwasser wieder erste Reitstunden stattfinden.

Bis aber wieder Normalität auf der «alten Mühle» einkehrte, vergingen mehrere Monate. «Erst im Januar», so Gerber, «konnte ich wieder normal arbeiten, bis dahin hatten mich die Versicherungssachen immer noch täglich beschäftigt.» Auch geräumt werden musste noch lange. Die vielen Helfer waren ein Segen für die Familie und die drei Angestellten, denn das Aufräumen war Schwerstarbeit. «Es hat uns allen gesundheitlich zugesetzt», sagt Gerber. Ob die Familie so etwas nochmals durchstehen könne, wisse sie nicht. Sie wage gar nicht, daran zu denken. Das muss sie aber wohl oder übel, so wie alle Uerkner, die im Gefahrengebiet wohnen. Gerber hofft auf einen besseren Hochwasserschutz, der solche Ereignisse künftig abwendet oder zumindest deren Ausmasse schmälert. «Schon eine gründliche Bachputzete wäre fürs Erste hilfreich» sagt Gerber.

Während auf künftige Hochwasserschutzprojekte in Uerkheim gewartet wird, werden auf dem Hof die nötigen Vorkehrungen getroffen. Neben doppelten Wasserrinnen und wasserdichten Spezialtüren zur Uerke hin ist das nächste Projekt eine Hochwasserschutzklappe vor der Eingangstüre des Wohnhauses. Die eingebaute Elektronik erkennt Hochwassersituationen und lässt die Klappe automatisch ausfahren. Das Haus liegt an einem der tiefsten Punkte des Grundstücks, das ganze Wasser hatte sich am Ende dort gesammelt. «Wir konzentrieren uns mit den Klappen deshalb aufs Haus, weiter oben bringt es nicht viel», so Gerber. «Wollten wir das ganze Gelände schützen, müssten wir eine Mauer bauen.»

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