Getreidestängel beschäftigen Richter

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Farmer Crunchy: Der «Farmer» der Migros. Von seinem guten Ruf soll Coop profitieren wollen; Country Crunchy 1: Der «Country»-Riegel von Coop. Die Migros klagt wegen der Ähnlichkeit. Country Crunchy 2: Coop passt das Design an, muss den Stängel trotzdem aus dem Sortiment nehmen. Country Crunchy Snack: Die aktuelle Packung des «Country»-Riegels ist Teil eines separaten Verfahrens. (Bild: AZ)

Auf dem Tisch vor den Richtern stehen acht Packungen Getreideriegel. Sie sind nicht als Pausensnack gedacht, sondern Hauptdarsteller in einem erbitterten Streit zwischen den beiden Detailhändlern Migros und Coop.

Alles beginnt im Frühling 2016. Coop tauft seine Getreideriegel «Crunchy Snack» beziehungsweise «Soft Snack» in «Country» um und verpackt sie neu. Die Migros erinnert das neue Design des Konkurrenten vor allem an ihren eigenen «Farmer»-Stängel. Die grüne Farbe, die Ähre im Schriftzug, Stängel, Honig und Wabe – all das hat es auch auf der «Farmer»-Verpackung. Die Migros verklagt deshalb Coop. Am 8. September 2016 fällt das Handelsgericht in Aarau in einem Massnahmeverfahren einen ersten Entscheid. Coop hatte die Verpackung seiner «Country»-Riegel damals bereits minim angepasst. Das Grün ist dunkler; Stängel, Honig und Wabe sind anders arrangiert. Dennoch sieht das Gericht bei zwei Geschmackssorten eine Verwechslungsgefahr. Coop darf die Schokolade- und Honig-Riegel nicht weiter verkaufen.

Ein Trick bringt Stängel zurück

Doch am 29. September 2016, drei Wochen später, sind die «Country»-Riegel wieder zurück in den Läden. Auf den Packungen ein orange-schwarzer Coop-Aufkleber. «Unsere Packung sieht zwar nicht mehr richtig schön aus, aber wir konnten dank des Klebers verhindern, dass die Riegel im Abfall landen», sagte Coop-Chef Joos Sutter damals gegenüber «20 Minuten».

Inzwischen finden Kunden auch diese Packungen nicht mehr in den Regalen. Coop hat seine Riegel noch einmal neu verpackt. Die Packung ist weniger grün, dafür gelber, die Ähre ist verschwunden, ebenso die Wabe, dafür findet sich neu ein Glas Honig auf der Schachtel und der Slogan ist auf «Crunchy Snack» erweitert worden.

Aber auch drei Designs und knapp zwei Jahre später ist der Fall um den Getreideriegel nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Inzwischen sind zwei Verfahren hängig. Die aktuelle Verpackung ist Teil eines separaten Verfahrens. Doch darum ging es gestern während der dreistündigen Verhandlung vor dem Handelsgericht des Kantons Aargau nicht. Es ging um die «Country»-Versionen 1, 2 und 2 mit Kleber.

Vom guten Ruf profitieren

Die Migros-Anwältin legte in ihrem Vortrag dar, dass die Farbe Grün das Erkennungsmerkmal von «Farmer» sei, dass niemand sonst bei Getreideriegeln auf Grün setze. Grün sei auch überhaupt nicht eine der gängigen Farbtöne für Getreideriegel. Grün stehe für bio, öko, Suppe oder Salat. Gelb oder braun seien für sie Farbtöne für Getreideriegel. Coop habe ausserdem nicht nur das Design und die Farbe kopiert. Auch der Name «Country» (Land, ländlich) sei an «Farmer» (Bauer) angelehnt. Für die Migros ist klar, warum Coop das alles macht: Um vom guten Ruf der «Farmer»-Stängel zu profitieren.

Ausgerechnet Migros

Der Coop-Anwalt beantragte, nicht auf die Klage der Migros einzutreten oder sie dann vollumfänglich abzuweisen. Die Migros wolle Verpackungen verbieten, die schon seit über einem Jahr nicht mehr in den Läden seien. Sie versuche, ihre Marktposition zu schützen, indem sie Coop unlauteres Verhalten vorwerfe. Er sei am Wochenende in einer Migros-Filiale gewesen und habe geschmunzelt, als er am Regal mit den «Blévita» vorbeiging, die ihn doch stark an «Dar-Vida» erinnerten. Es sei deshalb schon erstaunlich, dass nun ausgerechnet die Migros vor Gericht klage, sie werde kopiert.

In ihrer Replik legte die Migros-Anwältin noch einmal dar, dass es eben nicht reiche, dass unterdessen eine neue Verpackung auf dem Markt sei. Solange Coop keine Unterlassungserklärung unterschreibe, bestehe «Wiederholungsgefahr». Es könnten plötzlich wieder die alten Verpackungen in den Regalen stehen. Es glaube wohl niemand, dass Coop zu alten Verpackungen zurückgehe, nachdem so viel in neue Verpackungen investiert worden sei, erwiderte der Coop-Anwalt.

Das Handelsgericht muss nun entscheiden, ob eine rechtlich relevante Verwechslungsgefahr zwischen den beiden Getreideriegeln besteht und ob Coop den guten Ruf der «Farmer»-Stängel von Migros ausbeutet. Zu einem Entscheid kam es am Montag nicht mehr. Das Urteil wird in den nächsten Tagen schriftlich eröffnet.

Von Noemi Lea Landolt/AZ

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