Ode an die Nacht

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Caroline Kienberger

Am 25. März drehen wir die Uhren wieder eine Stunde vorwärts. Die Sommerzeit beginnt und die Tage werden länger. Längere Tage bedeuten aber auch kürzere Nächte – für Nachteulen und Langschläfer wie mich kein Vergnügen. Andere freuen sich darüber, dass sie morgens so früh wie möglich aus dem Bett hüpfen können. Ich hingegen würde mein Schlafzimmerfenster zumauern, wenn ich könnte. Ein Sommermorgen ist für mich der reinste Horror. Nicht, weil ich etwas gegen den Sommer hätte – im Gegenteil. Er ist sogar meine liebste Jahreszeit, weil ich dann nicht mehr frieren muss. Wenn nur die frühen Sonnenaufgänge nicht wären! Dann glüht dieses gleissende Licht schon morgens um sechs durch die Lamellen und die Vögel veranstalten draussen ein lautstarkes Zwitscherkonzert. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. «Steh auf», brüllt einem der Sommer dann förmlich ins Gesicht. Ich habe inzwischen gelernt, diesen Ruf zu ignorieren – mit Verdunkelungsvorhang, Schlafbrille und Ohropax. Auf Reisen wickle ich mir manchmal sogar einen Schal um den Kopf, damit mich die Helligkeit nicht aufweckt. Keine Tageszeit ist für mich so schlimm wie der Morgen. In der Schule habe ich immer gestaunt, wenn Mitschüler am Tag vor einer Prüfung verkündeten: «Heute Abend lern ich nichts mehr – ich steh morgen einfach früher auf.» Ich frage mich bis heute, wie sie das geschafft haben.

Frühmorgens fühlt sich mein Kopf an, als wäre er mit diesem süss-klebrigen Trinkeis gefüllt, das aussieht wie farbiger Schneematsch. Meine liebste und produktivste Tageszeit ist kurz vor Mitternacht. Wenn die Natur still, das Licht samtig und die Gedanken aufgeräumt sind.

Vielleicht bin ich deshalb morgens immer so müde: Ich gehe einfach zu spät ins Bett. Darum freue ich mich schon jetzt auf den 28. Oktober, wenn wir die Uhren wieder eine Stunde zurückstellen und morgens eine Stunde länger schlafen dürfen. Bis es so weit ist, freue ich mich aber zuerst mal auf ganz viele und hoffentlich laue Sommernächte.

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