1 Meter 92! Oltner Kantischülerin macht Körpergrösse zum Thema ihrer Maturaarbeit

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Lara Gutwald am Fuss der Kanti-Treppe: Sie überragt viele der Schüler dort um «mehrere Köpfe». (Bild: Bruno Kissling)

Die 20-jährige Lara Gutwald in einer aufrecht stehenden Menschenmasse ausfindig machen: kein Problem. Die Maturandin der Kantonsschule Olten aus Hägendorf misst 1.92 m. Sich kleinmachen wird da zum schier unlösbaren Problem.

Bei unserer Begegnung etwa trägt sie Nike Sneaker, Unisex, Grösse 45. «Ehrlich gesagt, ich habe bloss zwei Paar Sommer- und ein Paar Winterschuhe», meint sie fast entschuldigend. Schwierig zu bekommen eben, Frauenschuhe in dieser Grösse. Man kann das verstehen.

Jetzt hat Lara Gutwald ihre ausserordentliche Körpergrösse zum Thema ihrer Maturaarbeit gemacht. Fragestellung: «Frauen über 1.80 m – Modelgrösse oder Handicap?» Später in diesem Gespräch wird sie die Antwort darauf liefern. Vorläufig sagt sie bloss: «Ich glaube, mit dieser Arbeit ist das Thema Körpergrösse für mich abgehakt.»

Leiden unter Gardemass
Es dürfte Normalgewachsene verwundern: Aber ausserordentlich gross gewachsene Frauen können unter ihrem Gardemass leiden. Lara Gutwald macht da keine Ausnahme. «Es mag eigenartig tönen; aber wenn du in der Volksschule schon immer die Grösste bist, du als Fünftklässler bereits deinen Lehrer überragst, du häufig auf deine Masse angesprochen und deswegen auch noch gefoppt wirst, du dich immer erklären musst, dann färbt das schon ab auf dein Selbstbewusstsein», sagt sie.

In den frühen Primarschuljahren nagte dieser Umstand weniger, später wurde sie deshalb ausgesprochen selbstkritisch. Und obwohl sie wusste, eigentlich nur etwas zu gross gewachsen zu sein, begann sie sich zu fragen: «Was ist falsch an mir?» Das führte auch im sozialen Leben zu einer gewissen Isolation. Sie bezeichnet sich heute eher als Einzelgängerin.

Die Mutter stellte ihr ein tröstendes Dossier zusammen. Inhalt: erfolgreiche und angesehene Frauen mit unüblichen Grössenmassen. «Das sollte mir zeigen, dass auch körperliche Übergrösse nicht hinderlich sein muss», sagt Lara Gutwald in der Rückblende.

Familiäre Umstände
Lara Gutwalds Grösse ist durchaus familiär bedingt, wohl durch Vater Gutwald. Der misst 2.02 m; die Mutter mit 1.72 m ist zwar auch eher gross, aber durchaus im Normbereich. Als Baby mass Lara Gutwald lediglich 46 cm. Im Jahr darauf bereits 77 cm. Als Zweitklässlerin hatte sie knapp 1.40 m erreicht.

Mit Ende der obligatorischen Schulzeit wartete der Teenie mit 1.83 m auf. Im Laufe dieser Wachstumsentwicklung spülten die Körperlängen doch Befürchtungen an die Oberfläche, medizinische Abklärungen folgten. Aber die Prognosen über die zu erwartende Körpergrösse Laras lauteten günstig: maximal 1.83 m. Nicht alarmierend, so die Meinung im Hause Gutwald. Allein, es sollte wider Erwarten anders kommen.

Betten – Kleider – Autos
Es wurden wie gesagt 1.92m. Nun denn: Ausgewachsen ist ausgewachsen. «Ich arrangierte mich mit der Zeit», sagt Lara Gutwald, die im Übrigen tatsächlich Volleyball spielt, worauf sie auch häufig angesprochen wird. Wie aber unterscheidet sich das Leben einer 1.92 m grossen von jenem einer normal gewachsenen Europäerin?

«Oh, da kann ich vieles aufzählen», meint die Maturandin. «Eingeschränkte Kleiderauswahl, unbequeme Sitzposition in Auto und Flugzeug, tief liegende oder schräg verlaufenden Türrahmen, vor allem in alten Häusern, sind echte Fallen.» Ganz zu schweigen von Bettlängen, beziehungsweise einer vorstehenden Bettkante am Fussende. Nach der Art der Betten im Hotel muss sie sich vor den Ferien jeweils erkundigen. Denn schliesslich will man sich ja nicht ständig stossen am Fussende.

«Auch hängen meist die Spiegel zu tief, du stösst dir den Kopf an den Haltestangen im Bus oder die Spitzen fremder Schirme drohen dir ins Auge zu stechen. Da musst du höllisch aufpassen», sagt sie. «Und natürlich», reicht sie nach, «fällst du halt bei jeder Gelegenheit auf.» Noch heute wird die Maturandin, die sich noch nicht ganz sicher ist, welchen beruflichen Weg sie in der Zukunft einschlagen möchte, drei bis viermal am Tag auf ihre Grösse angesprochen.

«Die Fragen», sagt sie, «sind immer dieselben: Wie gross bist du? Spielst du Volleyball? Hast du schon mal ans Modeln gedacht?» Wobei: Letzteres ist absolut ein Thema. In ihrer Arbeit hat sich Lara Gutwald nämlich auch mit den Massen der Kandidatinnen von Germanys next Topmodel befasst.

Und kommt zum Ergebnis: Sämtliche jungen Frauen waren zwar kleiner als sie, aber die Körpergrösse «kann in der Tat als notwendige, wenn auch nicht hinreichende Voraussetzung für den Erfolg im Modelbusiness angesehen werden», wie sie in ihrer Arbeit schreibt.

Eher Modelgrösse
Sie habe Mühe gehabt, für ihre Arbeit grosse Frauen zu finden, sagt Lara Gutwald. Deswegen hat die Hägendörferin mit dem Klub langer Menschen (KLM) Kontakt aufgenommen (Mindestgrösse für Frauen 1.80 m, für Männer 1.90 m). Dort fand sie ihre erste Probandin, später über Aufrufe in den sozialen Medien und im örtlichen Volleyballclub noch weitere drei.

Die Auswertung der Fragen ergab: Frauen über 1.80 m verstehen ihre Körpergrösse weder als Handicap noch als Modelmass. Sie haben sich einfach damit arrangiert. Und wer sich mit unabänderlichen Umständen arrangiert, sieht Gegenwart und Zukunft immer als Chance.

So auch Lara Gutwald. «Ich jedenfalls verstehe meine Masse eher als Modelgrösse», sagt sie. Erste Erfahrungen hat sie damit bereits gesammelt. Modeln habe etwas Befreiendes, meint sie. Niemand stelle dort die Frage nach der Grösse.

Sich arrangieren, klar, bloss wie? Ein Beispiel soll zeigen, wie Grossgewachsene den sogenannten Normalos auf Augenhöhe begegnen wollen oder können. So hat sich bei Lara Gutwald die Praxis eingeschliffen, in der Gruppe jeweils auf der Fahrbahnebene zu gehen, während sich die andern auf dem Trottoir bewegen. «Das reduziert den Grössenunterschied manchmal um 10 bis 15 cm», erklärt sie.

Davon konnte sich der Schreibende selbst überzeugen: Als wir den Hardwald Richtung Stadt verlassen, bewegt er sich auf dem Trottoir, sie auf der Fahrbahn. Endlich: (fast) gleiche Augenhöhe.

Lara Gutwald präsentiert ihre Arbeit am Samstag, 17. März, 09.50 – 10.10 Uhr, im Zimmer 402.

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Die Kantischülerin Lara Gutwald aus Hägendorf hat ihre Maturarbeit über besonders gross gewachsene Frauen geschrieben. (Bild: Bruno Kissling)
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