Bankräuber versteckten auf dem Strebel-Areal ihre Fluchtautos

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Was sich hinter den Mauern des Strebel-Areals in Rothrist alles abspielte, weiss niemand so genau. Die Polizei ermittelt seit längerer Zeit. Bild: Peter Richsteiner

Der Grossbrand auf dem Strebel-Areal in Rothrist hat die alte Industrieruine in die Negativ-Schlagzeilen gebracht. Zur Erinnerung: Am 21. Februar löste ein Kroate beim Hantieren mit einem Schweissgerät in einer Halle das Feuer aus. Acht Feuerwehren kämpften vor Ort gegen die Flammen. Der benachbarte Chemiebetrieb Schärer & Schläpfer AG, der auf einem Teil des Strebel-Areals mit einem Lager eingemietet ist, kam zum Glück glimpflich davon.

Das 23 648 Quadratmeter grosse Grundstück gehört seit Dezember 1993 dem österreichischen Unternehmer und Ingenieur Dr. Walter Huber. Er ist Präsident des Verwaltungsrates der Reconsa AG, auf die das Grundstück offiziell eingetragen ist; Firmenanschrift ist die Industriestrasse 18, die Adresse des Strebel-Areals. Die Reconsa vermiete die Hallen und Gebäude an diverse Mieter weiter, was jahrelang für gute Mieteinnahmen sorgte. Huber sagt, das Areal sei «vollkommen umstrukturiert» worden. Dabei seien «auflagengemäss» unter anderem Elektroleitungen, das gesamte Kanalnetz, die Wasserversorgung sowie Brandabschnitte erneuert worden.

Bei den kommunalen und kantonalen Behörden ist die Reconsa vor allem negativ aufgefallen. Auflagen wurden nicht eingehalten, Vorschriften missachtet, Wasser- und Stromrechnungen blieben unbezahlt. Im Jahr 2015 waren Experten der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV) innerhalb von sechs Monaten mehrmals vor Ort, um Brandschutzauflagen zu kontrollieren; die Reconsa kam den Aufforderungen nicht nach. Deshalb schloss die AGV im März 2016 die Reconsa von der Versicherung aus. Mit nun gravierenden Folgen: Die Gebäudeversicherung wird nach dem Brand wohl weder für den Schaden an den Gebäuden – rund 3,6 Millionen Franken – noch für die Aufräumarbeiten aufkommen (wir berichteten). Zudem erliess die Staatsanwaltschaft im August 2016 gegenüber der Reconsa einen Strafbefehl, weil sie gegen Vorschriften verstossen hatte.

Fluchtauto entsorgt

Auf dem Strebel-Areal wurden aber nicht nur gegen Brandschutz-Vorschriften verletzt. Mindestens in einer eingemieteten Firma kam es zu kriminellen Aktivitäten, wie Recherchen zeigen. Drehscheibe war die A. GmbH*, die heute Konkurs ist. Dokumentiert sind die Handlungen in drei Anklageschriften der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach. Sie stammen aus dem Jahr 2015. Dabei ging es um mehrfachen, teilweise bandenmässigen Raub und Geldwäscherei.

Hauptangeklagter war der Serbe B.S.*, der später zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Unter anderem für einen bandenmässig begangenen Raubüberfall auf die UBS in Niederbipp am 5. September 2011. An diesem Morgen fuhr B.S. mit einem Komplizen in einem blauen VW Golf 3 in die Berner Gemeinde, wo das Duo in der UBS-Filiale mit Waffengewalt 110 000 Franken erbeutete. Nach dem Überfall steuerte der Serbe direkt das Strebel-Areal in Rothrist an. Dort warteten zwei weitere Komplizen, die das Fluchtfahrzeug sofort in Empfang nahmen und verschrotteten.

Illegales Autoversteck
Knapp einen Monat später drehte B.S. ein weiteres Ding, nach dem gleichen Muster. Mit einem roten VW Golf und zwei Komplizen fuhr er am 4. Oktober nach Egerkingen SO, wo das Trio die Raiffeisenbank überfiel und mit 10 000 Franken das Weite suchte. Danach ging es wieder schnurstracks nach Rothrist: Der Golf wurde auf dem Strebel-Areal versteckt, die Ganoven stiegen in einen dort bereitstehenden Audi A8 um. Diesmal wurde das Fluchtfahrzeug nicht verschrottet, sondern bis zum nächsten Überfall versteckt. Der ging zwei Wochen später über die Bühne. Im roten Golf fuhr B.S. – wieder mit zwei Komplizen – nach Murgenthal, wo er die zweite Raiffeisenfiliale ausraubte; die Beute betrug rund 28 000 Franken. «Nach dem Überfall fuhren die drei von der Raiffeisenbank Murgenthal sogleich in die Industrie Rothrist zur A. GmbH», heisst es in der Anklageschrift. Ein Komplize von B.S. habe den Wagen unverzüglich in die Halle der A. GmbH gefahren und dort verschwinden lassen.

Spätestens seit diesen Vorkommnissen hatten die Strafverfolgungsbehörden ein besonders aufmerksames Auge auf dem Strebel-Areal. Erst vor ein paar Wochen – unmittelbar vor dem Brand – ermittelte die Polizei vor Ort verdeckt, wie ZT-Recherchen zeigen. Ob in diesem Zusammenhang bereits Verfahren am Laufen sind, wollte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage nicht kommentieren. 

*Namen der Redaktion bekannt

 

 

STREBEL-AREAL

Bewegte Geschichte
Das Strebel-Areal kam im Dezember 1993 in den Besitz der österreichischen Gebe-Gruppe, die damals die Strebelwerk AG von der V-Zug übernahm. Dahinter stand der Unternehmer Dr. Walter Huber, dem das Grundstück nach wie vor gehört. Ein Jahr später wurde zunächst die Giesserei eingestellt. Im Sommer 2004 schliesslich ging die Strebelwerk AG in die Nachlassstundung. Das Grundstück ist durch die alte Giesserei belastet, die Sanierung der Altlasten kostet mehrere Millionen.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Alle Behörden haben kläglich versagt

Rolf Lüscher
schrieb am 19.03.2018 18:06
Diese ganze Angelegenheit kann gar nicht kommentiert werden. Nicht nur der Grossbrand war eine Katastophe. Auch eine Katastrophe ist das versagen von: Aarg. Versicherungsamt AVA, Gemeindebehörde Rothrist, Polizei.
Wenn Vorschriften nicht eingehalten werden, muss so ein Gebäude polizeilich geräumt werden und für jeden Zutritt abgeschlossen sein.
Da haben alle Zuständigen Behörden sehr viel gewusst, aber gar nichts unternommen. Ich erwarte eine Stellungnahme!
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