Musikverein Rothrist: Manege frei für musikalische Artisten - GALERIE

Man muss nicht weit gehen für beste Unterhaltung, wenn auf dem eigenen Boden Fantasie und Kreation wachsen. Den Beweis erbrachte das diesjährige Jahreskonzert. Der Zirkus «Top of Rothrist» gastierte in seinem Heimatort und dies mit allem Zubehör: mit Clowns, einer Menagerie aus Elefanten, Tigern, Zebras und natürlich einer Zirkusmusik. Nur Sägemehl, Nummerngirls und Elefantengaggi fehlten. Der Zirkusdirektor namens Christof Bühler hingegen war originalgetreu. Er kündigte die Attraktionen des Programms mit allen Raffinessen der Rhetorik an. Zuerst traten die Zirkuspferde in Aktion. Man sah sie zwar nicht, aber herantraben hörte man sie in «The Cossack» (Der Kosak) schon und zwar in einer sehr geschlossenen und gezügelten Formation. Glanz und Gloria, aber auch feinfühlige Stimmungsbilder, verbreitete sodann «A Saddleworth Festival Suite» (Goff Richards). Wie in einer Trapeznummer ging kein Griff daneben, die Akteure nahmen die einzelnen Motive auf und reichten sie punktgenau an das nächste Register weiter. Nun folgte der «Einzug der Gladiatoren» (Julius Fucik), straff in Reih und Glied gehalten von ihrem Anführer Cyrill Schaub, der die Einmarschierenden zackig in Trab hielt. Damit hatte die Zirkusmusik in Form einer Brass Band bewiesen, dass sie das Zeug zu einer artistischen Zirkusnummer hat.

Circus-Suite mit den Mini Brassers
Wer eine Zirkus-Dynastie wie die Knies aufbauen will, muss für den Nachwuchs sorgen. Dieser ist bestens unterwegs durch die Zusammenarbeit zwischen Musikverein und Musikschule Rothrist. Niklaus Egg führte vor, dass die Mini Brassers dabei sind, zu ihren erwachsenen Vorbildern aufzuholen. Mit Posaune und Euphonium bewährten sich Junioren sogar als Solisten in Begleitung von Senioren. Rhythmus steckt ihnen gewissermassen im Blut, was sie schlagfertig mit klatschenden Händen auf Holzkisten bewiesen, und zum Schluss bildeten sie eine neunköpfige Band, die unisono in Takt und Klang musiziert.

Animalisches Musikvergnügen
Vor der Pause war der Musikverein elegant in rotem Gilet, weissem Hemd mit Krawatte und schwarzen Hosen aufgetreten. Nach der Pause hatte er sich sozusagen gehäutet. Einige waren zu grauen Dickhäutern mit riesigen Ohrenklappen geworden, andere trugen ein gestreiftes Fell wie Zebras und Tiger und viele steckten in einem Outfit, das sie als Clows einordnen liess. «Nit möööööglig!», würde der legendäre Grock alias Charles Adrien Wettach sagen. Durch das Programm wehte nun aus allen Trichtern der Instrumente brausende Zirkusluft. Das begann mit der turbulenten «Russian Circus Music» (Ray Woodfield), mit Pfiffen und grunzenden Bässen dazwischen. Die Kehrtwende erfolgte mit dem anfänglich feierlich-melodiösen «The Acrobat», das sich aber rasch in ein virtuoses, eben akrobatisches Kunststück verwandelte, was der Posaunistin Cornelia Frey brausenden Beifall einbrachte. Die Brass Band schlüpfte sodann in «Be a Clown» (Cole Porter) in die Rolle ausgelassener Fröhlichkeit, wobei ihr das hohe Tempo und die akzentreiche Rhythmik offensichtlich überhaupt keine Mühe bereiteten. Zu einer Glanznummer an Spass und Effekten geriet die «Balloonology» (Chris Crockarell). Die fünf Ballonvirtuosen erzielten ein Quietschen und Kratzen, das Knall auf Fall zu Ende ging. Fabian Gaberthüel klopfte dann auf dem Xylophon in rasendem Tempo «Erinnerungen an Zirkus Renz» herbei und bewies dabei hohe Konzentration und technisches Können. Das gerade Gegenteil war «Over the Rainbow», wo das Orchester für typisch romantische und sentimentale Klänge sorgte. Und wiederum fand ein Wechsel statt, und zwar zu stampfenden Elefanten aus dem «Karneval der Tiere» (Camille Saint-Saëns). Zum Schluss landete das Konzert dort wo es begonnen hat: Bei Reitern. Diesmal waren es aber nicht Kosaken, sondern der «Galop Infernal» (Jacques Offenbach). Der Can-Can schlug ein geradezu höllische Tempo an: Nochmals ein Zeichen für die Klasse, Qualität und Kunstfertigkeit des Musikvereins. Die Zugabe «Salto Mortale» sprach dann wieder das Motto «Zirkus» an.

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