Der EHC Olten zeigt «riesengrossen» Charakter und spielt um den Titel

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Grenzenloser Jubel beim EHC Olten: Die Powermäuse stehen im Playoff-Final der NLB. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Ein Pfiff, eine Strafe gegen Langenthal. Eine Minute vor Schluss – das muss es doch sein. Schliesslich, nach einigen Dusel-Sekunden, folgt die erlösende Tatsache, die Uhr steht auf Null: 3:2 – es ist geschafft. Die EHCO-Spieler liegen sich bei Torhüter Matthias Mischler in den Armen, die geschlagenen SCL-Spieler zeigen sich kniend enttäuscht am Boden.

Es sind Szenen, die man noch vor acht Wochen nicht für möglich gehalten hätte. Die Glückseligkeit, die Freude, die Erleichterung, sie kennt bei Grün-Weiss am Freitagabend kurz vor 22 Uhr keine Grenzen mehr: Der EHC Olten steht im Playoff-Final. «Ich bin super-erleichtert und unglaublich glücklich. Diese Mannschaft hat riesengrossen Charakter gezeigt», sagt EHCO-Trainer Chris Bartolone überwältigt, während er unzählige Gratulationen entgegennimmt.

Anschliessend lobt er seine Mannschaft: «Ich bin stolz auf die Jungs, wie sie auf einen 0:2-Rückstand reagiert haben und sich zurückgekämpft haben. In einem grossen Derby. In einem Playoff-Halbfinal. Gegen Langenthal. Auswärts. Dieser Erfolg spricht für diese Mannschaft», so Bartolone.

Ein Tor als Weckruf
Und tatsächlich bleibt nach Spielschluss nur noch eine Frage: Was kann diese Mannschaft bloss noch aus dem Konzept werfen? Selbst einen klaren 0:2-Rückstand (Dal Pian und Tschannen hatten für den SCL getroffen) auswärts beim Erzrivalen SC Langenthal scheint dem mittlerweile mental wie verwandelten EHC Olten nichts mehr auszumachen.

Es war die Hälfte des Spiels verstrichen, als einmal mehr nicht mehr viel für den EHC Olten sprach. Zu fehleranfällig in der Defensivzone, zu uninspiriert in der Offensive. Ein Schussverhältnis von 20:6-Abschlüssen zugunsten des SCL im Startdrittel sprach Bände. Doch selbst eine 5:3-Überzahlsituation, die das sonst überragende EHCO-Powerplay erschreckend schwach verstreichen liess, warf die Mannschaft nicht aus der Bahn.

Im Gegenteil: Es brauchte nur eine winzige Szene, welche die Powermaus erwachen liess: SCL-Torhüter Mathis wusste nach einem Lukas-Haas-Schuss für einen kurzen Moment nicht mehr, wo sich die Scheibe befand. Doch sie kullerte zurück in Richtung EHCO-Topskorer, der den Abpraller via Schlittschuh von SCL-Verteidiger Philipp Rytz im Tor unterbringen konnte (33.).

Es war das Tor, das den EHCO so richtig in Spiellaune versetzte. Nur zwei Minuten später glich EHCO-Ausländer Brian Ihnacak, der wiederum für MacGregor Sharp zum Einsatz kam, die Partie aus. Das Tor war mehr wert als bloss der Ausgleich. Denn von den Langenthalern – bei denen allen voran die Toplinie um Brent Kelly, der kein einziges Tor in der gesamten Playoff-Kampagne der Langenthaler zustande brachte (!) – kam fortan nicht mehr viel.

Zur Kür angesetzt
Stattdessen setzte der EHC Olten vielmehr zur Kür an. Oder dessen Verteidiger-Dirigent Anthony Rouiller. Der 24-Jährige schnappte sich elf Minuten vor Spielende in der eigenen Zone die Scheibe, marschierte los, setzte sich in bester Stürmermanier gegen sämtliche Gegenspieler durch und düpierte SCL-Torhüter Mathis mit einem fantastischen Hockeckschuss.

«Tschüss zäme, Danke und Forza SCL», hiess es auf einem Plakat prominent in der SCL-Fankurve schon vor dem Spiel. Die Botschaft wäre einer abtretenden SCL-Fanvereinigung gedacht gewesen. Doch sie hat eine völlig andere Bedeutung angenommen, während der EHCO nach drei Jahren und der denkwürdigen Finalserie-Niederlage gegen Langnau wieder im Playoff-Final der heutigen Swiss League steht.

Gegen wen die Oltner diese Serie austragen werden, ist noch unklar - Rapperswil-Jona führt in der Serie gegen Ajoie 3:2. Klar ist schon jetzt: Der EHC Olten spielt ab Donnerstag um den Swiss-League-Meistertitel.

Langenthal - Olten 2:3 (2:0, 0:2, 0:1)
Schoren. – 3828 Zuschauer. – SR: Müller/Tscherrig, Rebetez/Wermeille – Tore: 4. Dal Pian (Füglister) 1:0. 20. (19:43) Tschannen 2:0. 34. Haas (Schirjajew, Bagnoud) 2:1. 36. Ihnacak (Rouiller) 2:2. 49. Rouiller 2:3. – Strafen: 5-mal 2 Minuten plus 1-mal 10 Minuten (Rytz) gegen Langenthal, 4-mal 2 Minuten gegen Olten.
Langenthal: Mathis; Rytz, Cadonau; Müller, Völlmin; C. Gerber, Pienitz; Ahlström; Tschannen, Karlsson, Kelly; Schommer, Dünner, Kummer; Füglister, Dal Pian, Rüegsegger; Gerber, Hess, Leblanc; Trüssel.
Olten: Mischler; Grieder, Rouiller; Bucher, Lüthi; Fröhlicher, Zanatta; Bagnoud, Aeschlimann; Horanksy, Ihnacak, McClement; Wyss, Schirjajew, Haas; Muller, Mäder, Ulmer; Huber, Schneuwly, Hirt.
Bemerkungen: Langenthal ohne Campbell und Marti. Olten ohne Truttmann (alle verletzt). 13. Lattenschuss Tschannen. 57. Time-Out Langenthal. 58:43 bis 59:00 und 59:32 bis 60:00 Langenthal ohne Goalie, dafür mit sechstem Feldspieler.

Alle Spiele und Resultate der Playoff-Halbfinals finden Sie hier.

 

Ein traumhafter Playoff-Frühling: Kommentar von Marcel Kuchta

Hand aufs Herz: Wer hätte vor ziemlich genau einem Monat, als die Playoffs der Swiss League begannen, Geld darauf gesetzt, dass der EHC Olten an der Finalserie teilnehmen würde? Oder noch besser: Nach dem ersten Drittel des zweiten Spiels des Viertelfinalduells gegen HC Thurgau? Wir erinnern uns: Das allererste Playoff-Heimspiel der laufenden Saison ging gegen die aufsässigen Ostschweizer mit 2:4 verloren. Und in der zweiten Partie lag man nach 20 Minuten in Weinfelden mit 1:3 im Hintertreffen.

Die Dinge schienen ihren erwarteten Lauf zu nehmen, der EHC Olten nicht mehr in der Lage, die verkorkste Saison noch irgendwie zu retten. Und jetzt das: Der EHCO darf sich nach dem Husarenritt gegen den SC Langenthal an diesem Wochenende sogar genüsslich zurücklehnen und darauf warten, wie die Rapperswil-Jona Lakers und der HC Ajoie den Finalgegner unter sich ausmachen. Für die Oltner wurde aus einer bisweilen schrecklichen Saison plötzlich ein traumhafter Playoff-Frühling. Statt die Wunden zu lecken und sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was alles schiefgelaufen ist, darf man bei den Powermäusen jetzt sogar vom Gewinn des Swiss-League-Meistertitels träumen.

Eine unglaubliche Geschichte. Wie die möglich wurde? Nun: An der Basis dieses kleinen Wunders steht die Entlassung von Headcoach Bengt-Ake Gustafsson. Sein Nachfolger Chris Bartolone schaffte es, die Spieler, die vorher einer lockeren Interessensgemeinschaft glichen, auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Gerade in den Playoffs spielt sich extrem viel im Kopf ab. Wenn hier alle mit der richtigen mentalen Einstellung an Werk gehen, dann kann aus einer Gruppe talentierter Einzelspieler plötzlich eine solidarische Einheit entstehen, die ein gemeinsames Ziel verfolgt und unbedingt erreichen will.

Noch ist der traumhafte Playoff-Frühling des EHC Olten nicht zu Ende. Diese Mannschaft ist in der Lage, noch viel mehr zu erreichen. Inzwischen würde man sogar viel Geld darauf wetten.

marcel.kuchta@schweizamwochenende.ch

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