EHCO-Verteidiger Marc Grieder: «Ich will den Kübel holen»

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Der 34-jährige Marc Grieder gehörte in der Halbfinal-Serie gegen den SC Langenthal zu den «Schlachtrössern» beim EHC Olten. (Bild: Freshfocus)

Marc Grieder, blicken wir auf das entscheidende fünfte Halbfinalspiel in Langenthal zurück. Wie haben Sie die Momente erlebt, nachdem der Finaleinzug perfekt war?
Marc Grieder: Wir haben in der Garderobe noch ein wenig gefeiert. Dann sind wir nach Hause gefahren. Und ich bin schliesslich mit dem Gefühl der riesigen Erleichterung ins Bett gegangen. Normalerweise schläft man nach so einem emotionalen Höhepunkt nicht so schnell ein. Diesmal ist es mir aber leichter gefallen.

Das Wochenende hatten Sie frei. Was tut man, um den Kopf zu lüften?
Ich habe die Zeit mit meiner Familie genossen. Wobei ich am Samstag trotzdem wieder in der Eishalle war, um meinem älteren Sohn bei seinem Turnier zuzuschauen. Ich durfte am Ende sogar den Siegerpokal übergeben. Die Oltner haben übrigens gewonnen...

Wurden Sie oft auf die derzeitige Erfolgssträhne des EHCO angesprochen?
Ja, die Leute haben mir zum Finaleinzug gratuliert. Es war ein schönes Gefühl.

Und am Sonntag haben Sie dann alle viere von sich gestreckt?
Nein. Am Sonntag stand aktive Regeneration auf dem Programm. Ich bin mit dem Mountainbike auf den Rumpel gefahren. An der frischen Luft, an der Sonne, das tat gut. In dieser Phase ist es für mich wichtig, dass ich mein gutes Körpergefühl nicht verliere.

In den Playoffs besteht die Kunst darin, sowohl psychisch als auch physisch dieses gute Gefühl konservieren zu können. Was ist einfacher?
Der Körper lässt sich einfacher managen. Vor allem, wenn man alle zwei Tage ein Spiel bestreitet. Da bleibt die Spannung automatisch hoch. Auch mental. Aber sobald man ein paar Tage Pause hat, wie wir von Freitag bis Donnerstag, dann verschwindet dieses Gefühl. Aber ich muss auch sagen: die zwei freien Tage über das Wochenende haben uns sicher gutgetan.

Haben Sie sich am Sonntagabend das Spiel zwischen Ajoie und Ihrem Finalgegner Rapperswil im Fernsehen angeschaut?
Ich selber nicht. Ich habe später einfach zur Kenntnis genommen, dass Rapperswil unser Finalgegner sein wird. Aber ein paar andere Teamkollegen haben sicher geschaut. Eishockey ist derzeit omnipräsent.

Apropos Rapperswil. Sie haben, bevor Sie 2016 zum EHCO gewechselt sind, eine Saison bei Lakers gespielt. Also eine spezielle Affiche für sie?
Ich habe mit Rapperswil 2016 bereits eine Finalserie erlebt, welche wir damals leider gegen Ajoie verloren haben. Ich hatte damals eine tolle Saison und erinnere mich gerne an diese Zeit. Aber inzwischen gab es einige Wechsel in der Mannschaft. Und ich hatte auch nie einen allzu grossen Bezug zu Rapperswil, weil ich ja immer in Olten gewohnt habe.

Können Sie erklären, was mit dem EHC Olten innerhalb des letzten Monats passiert ist?
Das Jahr 2018 haben wir wirklich schlecht angefangen und weit unter unserem Wert gespielt. Dann kam der Trainerwechsel. Und «Barts» (Chris Bartolone, der neue Headcoach, Anm. der Red.) hat sicher gute Impulse gesetzt.

Inwiefern?
Er brachte zum Beispiel eine klare Hierarchie in die Mannschaft. Das heisst, dass man dafür belohnt wird, wenn man gut trainiert und auch gut spielt. Das hat unser Team gebraucht – einen Leitfaden und gewisse Richtlinien. Jetzt weiss jeder, was er zu tun hat. Und wenn er es nicht tut, dann bekommt er weniger oder gar keine Eiszeit mehr. Kommt dazu, dass jeder seine persönlichen Ziele in den Hintergrund gestellt hat und mehr an die Mannschaft denkt. Es ist super, haben wir rechtzeitig zueinandergefunden.

Faszinierend am aktuellen Lauf ist ja, dass die Mannschaft immer wieder in der Lage ist, auf Widrigkeiten zu reagieren und sich nie hängen lässt.
Nachdem wir unter schwierigen Umständen in die Playoffs gestartet sind und auch noch das erste Spiel gegen Thurgau verloren hatten, da ist plötzlich der Knopf aufgegangen.

Wieso?
Ich glaube, dass zu jenem Zeitpunkt jedem Spieler bei uns klargeworden ist, dass er auf dem Eis ganz einfach seinen Job machen muss. Und wenn er es nicht tut, dass diese Saison genau so schlecht enden wird wie die vorherige. Diese Erfahrung wollte wirklich niemand mehr machen.

Sie gehören zum Captain-Team, waren in Abwesenheit von Cédric Schneuwly sogar selber ein paar Spiele lang Captain. Ist es unter diesen Umständen, mit der klareren Hierarchie in der Mannschaft, einfacher, eine Leaderrolle zu übernehmen?
Ich war vorher noch nie Captain in meiner langen Karriere, aber ich fühlte mich sehr wohl in meiner Rolle, weil ich das Gefühl hatte, dass mich meine Teamkollegen auch respektieren als Führungsspieler. Ich konnte meinen Emotionen freien Lauf lassen, musste mich vor niemandem verstecken. Ich sagte das, was ich sagen musste, und denke, dass ich den Nerv recht gut getroffen habe. Ich habe immer gesagt: «Egal, ob man einen Fehler macht – man muss immer bis zum Schluss kämpfen. Dann wird man dafür belohnt.» Es geht alles über den Kampf. Darum kommen wir auch immer wieder in die Spiele zurück.

Aber staunen Sie nicht manchmal auch selber darüber, wie sich diese Mannschaft innerhalb von wenigen Wochen gewandelt hat – gerade auf mentaler Ebene?
Ich denke, dass es oft nur Nuancen sind, die den Fortschritt ausmachen. Wir haben gegen Langenthal Situationen überstanden, die wir vorher niemals überstanden hätten. Jetzt bringen wir alles im richtigen Moment zusammen. Plötzlich schaffen wir es, in einem Spiel das Diktat zu übernehmen, in welchem wir am Anfang brutal untendurch mussten. Dann spielen wir ohne Angst und ohne Hemmungen. Man merkt aber auch schnell, wenn wir von dieser Linie wegkommen, wenn wir wieder versuchen, kunstvolle Pässe zu spielen.

Wer greift dann in solchen Momenten ein? Die Spieler oder der Trainer?
Beide. Der Unterschied ist, dass während der Qualifikation immer nur wenige Spieler mal in der Garderobe aufgestanden sind und sagten: «Jetzt ist fertig!». Jetzt ist es auch nicht so, dass alle durcheinanderreden. Aber wenn jemand etwas zu sagen hat, dann kann er das mit gutem Gewissen mitteilen – und es hören ihm auch alle zu. Das gilt vor allem auch für die Kommunikation auf dem Eis. Dort reden wir inzwischen viel mehr miteinander, bewahren so einander vor Fehlern.

Jetzt steht der EHC Olten im Final. Was ist noch möglich mit dieser Mannschaft?
Alles. Uns kann nicht mehr viel erschüttern. Ich habe in meinen zwei Jahren in Olten jetzt alle Gefühlslagen erlebt. Und jetzt ist für mich klar: Ich will den Kübel holen. Genau deshalb bin ich nach Olten gekommen. Ich durfte dieses Gefühl schon einmal erleben (2009 mit Lausanne, Anm. der Red.). Wir müssen uns sicher nicht verstecken vor Rapperswil. Der Titel wäre für den Klub, die Stadt und für die EHCO-Fans fällig. Wir werden auf jeden Fall alles daransetzen, dass wir es schaffen.

Nationalliga B, Playoff-Final (best-of-7):
Erste Runde:
Donnerstag, 29. März: Rapperswil-Jona - Olten (19.45 Uhr). – Zweite Runde: Samstag, 31. März: Olten - Rapperswil-Jona (17.00). – Dritte Runde: Montag, 2. April: Rapperswil-Jona - Olten (17.00). – Vierte Runde: Mittwoch, 4. April: Olten - Rapperswil-Jona (19.45). – Fünfte Runde: Freitag, 6. April: Rapperswil-Jona - Olten (19.45). – Sechste Runde: Sonntag, 8. April: Olten - Rapperswil-Jona (17.30). – Siebte Runde: Dienstag, 10. April: Rapperswil-Jona - Olten (19.45).

Sämtliche Spiele werden auf dem Free-TV-Kanal von «MySports» live übertragen.

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