Zum Abschied durfte der Schulhausabwart eine blitzblankes WC nach Hause nehmen

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Viele ganz spezielle Geschenke zur Pensionierung: Gemeinderat Andreas Ott (l.) bedankt sich bei Kurt Bolliger. zvg

«Du hast mich rund 1600 Mal geputzt und für mich gesorgt. Nun bin ich dein – für immer.» Gemeinderat Andreas Ott bedankte sich mit der symbolischen Übergabe eines Spülkastens (mit WC-Schüssel) beim Gemeindeangestellten Kurt Bolliger. Der 65-jährige Uerkner wird auf Ende März pensioniert. Er hat als Hauswart viel erlebt – aber in den letzten Monaten auch einiges verpasst. Wegen einer schweren Beinverletzung war er während der Hochwasserkatastrophe im letzten Sommer nicht einsatzfähig.

Der ehemalige Betriebsmechaniker arbeitete 36 Jahre lang als Hauswart. Er war für die Reinigung und den technischen Unterhalt der Schule und den dazugehörigen Anlagen zuständig. «Ich war überrascht, als ich damals den Posten bekommen habe. Aber ich habe den Wechsel weg von der Färberei Zofingen AG nie bereut», sagt Kurt Bolliger. Die Textilindustrie war in eine schwierige Phase geraten, er wollte sich neu orientieren: «Für mich war besonders wichtig, dass ich einen Job gefunden hatte, bei dem die erbrachte Arbeit zählt und man selbstständig arbeiten kann.» Er habe die vielseitigen Aufgaben geschätzt: die Putz- und Unterhaltungsarbeiten, aber auch die Arbeit mit der Gemeinde, den Lehrern und den Schülern.

«Früher wurde ich gegrüsst»
Die grössten Veränderungen des Hauswartberufs sieht der Uerkner nicht im technischen, sondern im sozialen Bereich: «Früher wurde man in den Gängen oder auf dem Pausenplatz von den Kindern mit einem ‹Grüezi Herr Bolliger› gegrüsst. Heutzutage schauen immer alle konzentriert auf ihre Handys.» Doch er sieht dies nicht zwingend als etwas Schlechtes. «Die Kinder sind nicht besser oder schlechter als früher. Die Umstände sind einfach anders. Meine Generation würde genau das Gleiche tun». Er sieht auch die Vorteile der heutigen Zeit. Die Kinder seien selbstbewusster und technikverständiger. «Aber auch heute brauchen die Kinder noch jemanden, der auf sie zugeht, auf sie Rücksicht nimmt und ihnen hilft.»

Kurt Bolliger erinnert sich eines besonderen Moments: Beim Verlassen des Schulhauses bemerkte er eine Gruppe von Schulkindern, welche wie gebannt auf ihren Handys herumtippten. «Jetzt werde ich langsam alt», dachte er sich. Dann ging er direkt ins nächste Geschäft und kaufte sich ein Handy.

Kurt Bolliger ist überzeugt: «Mir wird nicht langweilig werden.» Der dreifache Vater und mittlerweile achtfache Grossvater verbringt viel Zeit mit seinen Enkeln. Und falls ihm mal langweilig werde, werde er mit seiner Frau auf Reisen gehen.

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