«Ambulant vor stationär»: Erstes Fazit fällt positiv aus

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Christos Pouskoulas (links) ist Projektleiter «ambulant vor stationär»; rechts Gesundheitsdirektor Guido Graf. (Foto: André Widmer)

Noch ist es etwas früh, ein Fazit zu ziehen. Das Gesundheitsdepartement des Kantons Luzern tut es trotzdem bereits: Sechs Monate nach Einführung der Liste «ambulant vor stationär», einer Gruppe von 12 Eingriffen, sind die ersten Zahlen bekannt gegeben worden. Die stationären Behandlungen und Untersuchungen der Eingriffsgruppe sind innert einem halben Jahr um 26 Prozent zurückgegangen und 1,5 Millionen Franken hat der Kanton eingespart. «Unsere Erwartungen sind erfüllt worden», bilanzierte Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Guido Graf. Seitdem kontrolliert wird, hätten die «unnötigen Eintritte am Vortag» um 91 Prozent reduziert werden können. Der administrative Aufwand habe um 1,7 Prozent abgenommen, es gab 2017 noch 2468 Kostengutsprachen. Ein Jahr zuvor waren es noch 2510. Der Aufwand des Kantons für die Anpassung der Prüfsoftware und Personal lag ein Drittel unter Budget. «Von einer Kostenverlagerung kann keine Rede sein», sagte denn auch Projektleiter Christos Pouskoulas. Der Kanton Luzern sieht sich in seinem Handeln bestärkt, hiess es an der gestrigen Medienkonferenz.

Luzern hat die Liste am 1. Juli 2017 eingeführt und damit als erster Kanton eine Vorreiterrolle eingenommen. Seit 2018 verfügt auch Zürich diese Liste, der Aargau, Wallis und Zug zogen nach. Das Dutzend Eingriffe soll nur noch ambulant und ohne stationären Aufenthalt getätigt werden, es sei denn, dieser ist medizinisch zu begründen, beispielsweise altershalber oder wenn gewisse soziale Faktoren nicht gebeben sind. Mit dem Wechsel von stationär auf ambulant sollen Kosten eingespart werden, was sowohl dem Kanton als auch der Volkswirtschaft zugute kommen soll.

Zunächst Kritik

Gesundheitsdirektor Graf führte aus, dass die Liste zunächst auf Kritik gestossen sei. Dank einem «konstruktiven Dialog habe man diese entkräften können. Kommt hinzu, dass ein sogenanntes «Board» das Projekt begleitet. Diesem Gremium gehören neben dem Kantonsspital auch die Hirslanden Klinik St. Anna, die Patientenstelle, die Spitex und die Ärztegesellschaft an. Oberstes Gebot sei, dass Qualität und Sicherheit keine Einbusse erlitten. Die Liste wird weiterhin mit diesen 12 Eingriffen geführt und vorerst nicht erweitert. Nicht aufgenommen wurde die Mandeloperation.

Nächster Schritt Pauschalen?

Guido Graf wagte auch einen Ausblick. Als nächsten Schritt schwebt ihm eine Pauschale für Eingriffe mit grossem Potenzial für ambulante Leistungserbringer vor. Er sieht Sparpotenzial von bis zu 20 Prozent im Gesundheitswesen, wenn beispielsweise falsche Anreize bei lukrativen Zusatzversicherten abgeschafft oder eine bessere Rechnungskontrolle erfolge.

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