Lenzburg: Das Schloss bekommt ein Lifting für 1,9 Millionen Franken

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Hypi-Präsident Gerhard Hanhart (l.) und Stiftungspräsident Daniel Mosimann, vor dem Gerüst mit der Fassaden-Blache. Foto: UHG

Man kennt es aus den Ferien. Wenn die Italiener einen brüchigen Palazzo restaurieren, hängen sie eine Blache mit der Fassade des Gebäudes vor das Gerüst, damit der Anblick nicht verschandelt wird. Lenzburg hat jetzt zum ersten Mal auch eine solche Blache. Sie hängt an der dem Schlosshof zugewandten Seite des Ritterhauses. Gestern konnte Daniel Mosimann, Präsident der Stiftung Schloss Lenzburg, das fest montierte Hightech-Tuch begutachten. «Ich habe eigentlich erwartet, dass wir die Blache zusammen herabrollen lassen», sagte er zu Gerhard Hanhart, Verwaltungsrat der Hypothekarbank Lenzburg. Die Hypi, die im Juni ihr 150-Jahre-Jubiläum auf dem Schloss feiert, hat für die Blache geblecht. Die Bank und das Schloss sind eng verflochten. Sie stellt traditionellerweise den Quästor für die Stiftung, momentan ist es Hypi-CEO Marianne Wildi.

Stadt zahlt einen Viertel

Die Restaurierung des Ritterhauses ist Teil der grössten Fassaden-Sanierung seit den 1980er-Jahren. Letztes Jahr wurde mit der Landvogtei und der Ostbastion begonnen, dieses Jahr gehen die Arbeiten beim Ritterhaus und beim Stapferhaus weiter. Während die Arbeiten das Schloss präservieren und an der Optik möglichst wenig verändern sollen, wird sich dieses Jahr für die Stiftungen Schloss Lenzburg und Stapferhaus einiges ändern. 1,9 Millionen Franken kostet das Facelifting der Burg. Die Stadt Lenzburg stellt jeweils den Präsidenten oder die Präsidentin der Stiftung Schloss Lenzburg und beteiligt sich – als einzige Standortgemeinde eines Aargauer Schlosses – mit einem Viertel an den Kosten am Unterhalt der Burg.

Die Bewahrung und Belebung von Schloss Lenzburg gehört zur städtischen und kantonalen Kulturpolitik; die Stiftung Schloss Lenzburg gehört paritätisch Stadt und Kanton. Sie hat den Auftrag, das Schloss zu betreiben und zusammen mit Museum Aargau und dem Stapferhaus gegen aussen zu vertreten. Das Ritterhaus ist ein beliebter Ort für Hochzeiten und andere Festivitäten. Von Juli bis September 2018 ist es für Anlässe nicht buchbar. Entsteht für die Stiftung dadurch ein erheblicher Ausfall? «Ja», sagt Daniel Mosimann. «Aber wir können ihn tragen.»

Raum für neue Stiftung?

Die Verwaltung des Ritterhauses und der restlichen Schlossanlage teilen sich die Stiftung Schloss Lenzburg, Museum Aargau und die Stiftung Stapferhaus gemäss dem Leitbild der Stiftung Schloss Lenzburg zu gleichen Teilen. Doch das Stapferhaus ist nur noch kurze Zeit Mitglied dieses Triumvirats. Im Herbst verlässt die Stiftung das gleichnamige Haus im Schloss und zieht in den Neubau «Haus der Gegenwart» am Bahnhof Lenzburg – sie nimmt dabei auch den Namen mit. Wie es mit den frei werdenden Räumen weitergehen soll, ist nur zum Teil klar. Im Erdgeschoss zieht das Schloss-Bistro ein. Kein Speiserestaurant, sondern wie bisher ein Café, dessen Öffnungszeiten an diejenigen des Museums gebunden sind. Die restlichen Zimmer sollen renoviert und zu Seminarräumen umfunktioniert werden. Mit der Berufsschule Lenzburg liegt ein grosser Konkurrent mit gleichem Angebot und ohne den steilen Aufstieg in nächster Nähe.

«Wir könnten uns auch vorstellen, dass wieder eine Stiftung einzieht», sagt Mosimann. Diese Stiftung müsse sich aber auch mit gesellschaftlichen Gegenwartsfragen auseinandersetzen. Die Vermietung der Räume als Seminarräume würde Geld in die Kasse spülen. Die Stiftung Stapferhaus hat keine Miete bezahlt. Mit dem Wegzug der Stiftung Stapferhaus soll auch der Name des Hauses weichen. Wie es künftig heissen wird, ist noch unbekannt. «Wahrscheinlich wieder Bernerhaus», sagt Daniel Mosimann. Auf Berndeutsch.

«Heimat» mit neuem Besucherrekord: Am 25. März hat die Ausstellung «Heimat» der Stiftung Stapferhaus geschlossen. Die letzte Ausstellung auf dem Zeughausareal hat in 12 Monaten 90 000 Besucher angelockt. Zum Vergleich: Die Ausstellung «Entscheiden» hatte in 19 Monaten 109 000 Besucher.

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