Strebel-Areal: Tummelplatz für Umweltsünder

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Blick auf den abgebrannten Teil des Strebel-Areals. Beim Feuer wurde der mutmassliche Verursacher verletzt. Ein Übergreifen auf die Halle (links) eines Chemiebetriebs verhinderten die Feuerwehren. Bild: martin zürcher

Nach dem Grossbrand auf dem Strebel-Areal in Rothrist kommen neue kriminelle Machenschaften aus der Vergangenheit ans Licht. Zur Erinnerung: Am 21. Februar löste ein Kroate beim Hantieren mit einem Schweissgerät in einer Halle das Feuer aus. Acht Feuerwehren kämpften den Brand nieder. Der benachbarte Chemiebetrieb Schärer & Schläpfer AG kam glimpflich davon.

Das 23 648 Quadratmeter grosse Grundstück gehört seit Dezember 1993 dem österreichischen Unternehmer und Ingenieur Dr. Walter Huber. Huber vermietete über die Reconsa AG die Hallen und Gebäude an diverse Mieter weiter; ebenfalls im Verwaltungsrat sitzt ein in Luzern wohnhafter Schweizer. Weil die Reconsa Brandschutzauflagen missachtete, entzog ihr die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) vor zwei Jahren den Versicherungsschutz. Die AGV wird für den beim Brand entstandenen Millionenschaden wohl nicht aufkommen.

Das Zofinger Tagblatt machte ausserdem kriminelle Aktivitäten publik, zu denen es auf dem Strebel-Areal kam. Drehscheibe war die A. GmbH*; sie wurde von einer Bande von Bankräubern genutzt, um mehrmals Fluchtfahrzeuge zu verstecken.

Jetzt zeigen Recherchen: Noch ein weiteres Unternehmen auf dem Areal war für diverse Gesetzesverstösse verantwortlich. Dabei handelt es sich um die inzwischen liquidierte M.* GmbH, hinter der der Bosnier A. M.* stand. Firmenzweck waren laut Handelsregister die «Entsorgung sowie Import und Export von Alteisen und Altreifen» sowie der «Verkauf von Occasions-Fahrzeugen» und der «Handel mit Waren aller Art».

Die Waren, die auf dem Gelände der M. GmbH bei Nacht und Nebel umgeschlagen wurden, waren allerdings nicht harmlos. A. M. betrieb ein Entsorgungsunternehmen, bei dem auch für Mensch und Umwelt gefährliche Chemikalien angeliefert wurden. Der Umgang damit war alles andere als sorgsam, wie Insider berichten. Der Bosnier hielt sich nicht an die Vorschriften und Auflagen; für Sonderabfälle notwendige Begleitschreiben waren falsch oder unvollständig ausgefüllt; die Bilanzen der umgeschlagenen Mengen stimmten nicht. Fahrzeuge moderten ohne die notwendigen Schutzmassmassnahmen vor sich hin. Mehrfach kontrollierte das kantonale Umweltschutzamt den Betrieb; Mahnfristen und Auflagen beeindruckten A. M. offensichtlich nicht. Beim letzten Besuch kamen die Vertreter des Umweltschutzamtes in Begleitung der Polizei, und es kam zur Anklage. Unter anderem wurden A. M. Vergehen und Verstösse gegen das Umweltschutz- und Chemikaliengesetz vorgeworfen; ausserdem stellte sich bei den Ermittlungen heraus, dass er Urkunden gefälscht hatte. Ende August 2014 erliess das Bezirksgericht Zofingen sein Verdikt: Es verurteilte A. M. zu einem Jahr Freiheitsstrafe, davon sechs Monate unbedingt, ausserdem wurde dem Umweltsünder eine Busse von 5000 Franken aufgebrummt.

Handel mit Hehlerware

Doch bei Umweltvergehen blieb es nicht, wie ein weiterer Strafbefehl gegen A. M. zeigt. Im letzten August verurteilte das Gericht den Bosnier wegen Hehlerei zu einer Geldstrafe von 18 000 Franken. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass A. M. vorsätzlich Ware gekauft hatte, von der er wissen musste, dass sie gestohlen worden war. Konkret ging es um gepresste Kupferplatten, die ihm zu einem verdächtig tiefen Preis angeboten worden waren – Hehlerware halt.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass A. M. in einem anderen Zusammenhang als Geschädigter eines Kupferdiebstahls auftaucht. Im Prozess gegen die Bankräuber-Bande, die auf dem Strebel-Areal ihre Fluchtautos versteckte, trat A. M. als Strafkläger auf. Zwei Mitglieder der Bande waren in einer Sommernacht 2011 durch ein Fenster bei der M. GmbH eingedrungen, um abisolierte Kupferdrähte zu klauen. Als sie etwa 800 Kilo entwendet hatten, wurden sie auf frischer Tat ertappt. A. M. zeigte die beiden noch gleichentags an.

Treffen geplant

Wie es nach dem Brand vom 21. Februar auf dem Strebel-Areal weitergeht, ist offen. Die Gemeinde sowie alle involvierten kantonalen Stellen wollen sich in der zweiten Aprilhälfte treffen, um das weitere Vorgehen zu planen. Die Gemeinde hat gemäss Informationen des Zofinger Tagblatts der Reconsa AG die Schliessung angedroht, die sich gegen einen solchen Schritt juristisch zur Wehr setzen will. Die Reconsa hat damit begonnen, die abgebrannte Halle zu räumen. Falls Dr. Huber, der kürzlich in der Region gesichtet wurde, das Gelände verkaufen will, würde ein Investor wohl Abklärungen verlangen, welche Sanierungsmassnahmen notwendig sind.

* Namen der Redaktion bekannt

2,4 Hektaren – genauer 23 648 Quadratmeter – beträgt die Gesamtfläche des Strebel-Areals. Für die künftige wirtschaftliche Entwicklung Rothrists spielt das Gelände eine wichtige Rolle, da die Gemeinde über keine Industrieland-Reserven mehr verfügt. Ein Kaufversuch scheiterte an den Preisvorstellungen des österreichischen Besitzers.

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Die havarierte Halle von aussen; sie beherbergte einst eine Giesserei. Bild: Martin Zürcher
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