«Ich bin der letzte Römer in der Stadt»: Pino-Beck feiert Jubiläum

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Pino-Beck Daniel Schär feiert 25-Jahr-Jubiläum. Bruno Kissling

Er ist gut gelaunt an diesem Morgen. Daniel Schär, besser bekannt unter dem Namen Pino-Beck, hat sich sogar in Schale geworfen und eine Perücke aufgesetzt, damit er seinem Pino, dem Bäckerjungen im Firmenlogo, ähnlich sieht. Zum Jubiläum halt. «Ich bin der letzte Römer in der Stadt», sagt er dann. Was letzter Römer? «Ja, klar, die Römer waren die ersten, die in der Stadt Brot buken und ich bin der Letzte, der es ihnen gleichtut», sagt er. Aha.

Und es bleibt nicht bei dieser einen Bemerkung: «1976, als ich die Lehre als Bäcker begann, gabs in Olten, Trimbach und Wangen noch 26 Backstuben. Als ich den Pino gründete vor 25 Jahren, da waren’s noch 6. Und heute?» Die Frage hat rhetorischen Charakter.

Schär beugt sich vornüber und sagt fast drohend: «Heute sind wir alleine.» Aber umringt von Brotverkaufsläden, von Umsatz suchenden Berufskollegen, die ihr Produktionspotenzial und damit ihre Betriebe auslasten müssen, wie er hinterher schiebt. Dann bringt’s Schär auf den Punkt: «Wir bei Pino sind die Letzten in der Stadt, die im Betrieb eine Knetmaschine stehen haben, und die von A bis Z vor den Augen der Kundschaft alles selbst herstellen.» Und er sagt auch: «Wir sind Trendsetter, weil transparent.» Deshalb ist Pino eben auch der «andere Beck». Die Schaubäckerei an der Mühlegasse, das war vor 25 Jahren eine kleine regionale Sensation, an die man sich mittlerweile gewöhnt hat.

Kundschaft weggebrochen

In den ersten 20 Jahren seis stetig aufwärtsgegangen mit dem Pino, sagt Schär. Als er vor 1993 testen wollte, ob sich der Laden später mal rechne, zählte er die vorbeifahrenden Autos an der Mühlegasse und machte Striche auf seinen Notizzettel. Es schaute gut aus.

In den letzten 5 Jahren aber, seit der verkehrberuhigten Innenstadt, ist ihm ein nicht unwesentlicher Teil der Kundschaft weggebrochen. Es fehlt der Durchgangsverkehr, von dem Pino profitieren konnte. «Wir leiden mit über 40 prozentigem Kundenrückgang an der belebten Innenstadt», sagt er leicht ironisierend. Und an den ewigen Baustellen, wie er sie bezeichnet, sowieso.

Aber was ein richtiger Pino ist, der weiss sich zu helfen, hat klare Ziele vor Augen und klare Absichten im Kopf. Ziele? «Wir versuchen, mittels Appell und Aktivitäten an die 100 Kunden pro Tag mehr ins Geschäft zu bringen», sagt er. Das bedeute auch gleichzeitig Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen.

«Heute arbeiten fünf Bäcker/Konditoren, drei Lehrlinge und meine Wenigkeit im Betrieb mit», sagt Schär und weiss: «Wir versuchen so, den Pino bis in fünf Jahren in die Hände eines neuen Kapitäns übergeben zu können.» Es wäre schade, wenn Fokke Willemse, die eine Google Rezension über Pino geschrieben hat, auf ihr Votum zurückkommen müsste.

Sie hielt fest: «The best Bakery in Town! Bekannt für seine Schau-Bäckerei. Vielseitiges Brot und Patisserieangebot sowie Sandwiches. Coffee to go. Top!» Und auch Roger Ruckstuhl ist von Pino angetan. «Was für geniale Sachen zum Essen. Morgens um 2 bereits Frisches und es riecht immer so toll!» Klar, bei der Betriebspraxis, wie sie Pino pflegt: «Wir kneten unsere Teige im langsamen Gang und lassen ihn über mindestens 18 Stunden entweder am Stück oder als Teigling reifen», meint Schär und bricht ein Gipfeli auf. «Das ist Ware», sagt er.

Aktionen warten

Jetzt, so quasi im Jubeljahr, sinniert Schär an attraktiven Angeboten rum. «Ich werd’ was machen mit der Zahl 25,» verrät er. «Vielleicht immer eine spezielle Aktion am 25. eines jeden Monats.» Eine Schnecke zum halben Preis? Warum nicht. Oder ein Getränk gratis dazu? Wäre zu überlegen.

Sicher ist, dass er eine, wie er es nennt, «ERO-Tunnelvignette» auf den Markt bringt. Eine für die Stammkundschaft, die bei jedem Besuch im Laden einen Stempel kriegt und nach zehn Stempeln zu einem satten Rabatt verhilft. Für Gelegenheitskunden hält Schär einen Flyer bereit, der auf die Pino-Bäckerei eingeht und ein paar Kennzahlen vermittelt. 40 Tonne Mehl, 2 Tonnen Butter, 1 Tonne Haselnüsse und vieles mehr verarbeitet diese jährlich.

Schär hält inne, wie er das so erzählt. «Ein Wunder oder dank unserer treuen Kundschaft gibt es uns noch», sagt er. Heute hat der Pino-Beck in etwa so viele Kunden wie zur Gründerzeit. Dem Ur-Pino, wie er sich manchmal auch nennt, bläst eine steife Brise ins Gesicht. Das schleckt keine Geiss weg. «Wir sind die Verlierer der Innenstadtgestaltung», sagt er. Aber er vertraut auf das ehrliche Handwerk; nix da von Halbgebackenem, Schockgefrorenem und dann Aufgebackenem. Ur-Pino setzt auf traditionelles Handwerk, wie er dies seit 25 Jahren macht. «Wir wecken Emotionen durch unser Handeln, das die Sinne anregt.» Sagt Ur-Pino und geniesst dann ein Gipfeli aus der hauseigenen Produktion.

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