Stadt Zofingen schafft Faxgerät ab - tot ist der Fax deswegen noch lange nicht

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Ein Faxgerät überträgt in Linien und Pixel gerasterte Bilder über das Telefonnetz. Schweizweit gibt es noch rund 500'000 Fax-Einträge. SHUTTERSTOCK

Die Stadtverwaltung Zofingen verabschiedet sich vom Fax. Der Stadtrat hat entschieden, das Gerät per Ende dieses Jahres abzuschaffen, da es zum Auslaufmodell geworden sei. Der Fax wurde bislang von verschiedenen Abteilungen der Verwaltung genutzt. «Das Zivilstandsamt nahm damit zum Beispiel Todesmeldungen entgegen», sagt Stadtschreiber Fabian Humbel. Reaktionen auf die geplante Abschaffung des Geräts habe er bislang keine erhalten. Die Technik habe den Stadtrat quasi zu diesem Entscheid gezwungen. «Manche Abteilungen mussten schon feststellen, dass die Übermittlung eines Fax nicht mehr zuverlässig funktioniert hat.» Die Swisscom stellt sämtliche Telefonanschlüsse von analog/ISDN auf digital um, was zu Datenverlusten führen kann. Die sichere und vollständige Übermittlung sei damit nicht mehr gewährleistet.

«Grundsätzlich kann das Faxgerät auch bei einem Wechsel auf IP-Telefonie weiterverwendet werden», sagt Sabrina Hubacher, Mediensprecherin bei Swisscom. Die analogen Faxgeräte können gleich wie Festnetztelefone direkt am Router angeschlossen werden. Beim Senden und Empfangen von Faxen könne es aber tatsächlich zu Unregelmässigkeiten kommen: Die Übertragungsart auf dem analogen und digitalen Netz ist unterschiedlich. «Zudem ist das Versenden von Faxdokumenten technisch komplexer und damit fehleranfälliger.» Erfahrungen der Swisscom und anderen Anbietern zeigten, dass sich diese Fehler trotz Verbesserungen im Netz oder Anpassungen am Faxgerät nicht ausschliessen lassen. «Wir gehen davon aus, dass das klassische, analoge Faxgerät mittel- bis langfristig vom Markt verschwinden wird», so Sabrina Hubacher. Immer mehr Kunden stellten auf digitale Faxformen um. Das heisst, es wird zwar ein Fax verschickt, aber nicht mehr über ein Faxgerät. «Es gibt schon seit vielen Jahren Lösungen, wo die Faxe zum Beispiel via Computer oder Smartphone verschickt und empfangen werden.»

Mehr Empfangen statt Senden
In der Schweiz gibt es derzeit rund 500 000 Fax-Einträge. Auf dem Markt dürften es ungefähr 400 000 Geräte sein, schätzt die Swisscom. Tot ist der Fax also noch nicht. Das Gerät findet vor allem im Geschäftsbereich noch Verwendung, sowie in Arztpraxen und Apotheken. Im Zeitalter der Digitalisierung habe das Faxgerät nicht mehr den Stellenwert wie noch vor ein paar Jahren, sagt Jonas Frei, Marketing- und Kommunikationsleiter beim Spital Zofingen. «Jedoch erhalten wir nach wie vor Patientenanmeldungen und -überweisungen per Fax.» Hauptsächlich werde das Gerät noch von den medizinischen Sekretariaten, dem Labor und dem Empfang benötigt. «Es ist jedoch so, dass wir primär Faxmitteilungen erhalten und nur noch vereinzelt verschicken – auf Wunsch.»

Neben der Gesundheitsbranche spielt der Fax auch in Notariats- oder Anwaltsbüros noch eine Rolle. «Wir bekommen Dokumente oft dann per Fax geschickt, wenn es schnell gehen muss – zum Beispiel, wenn es sich um Unterlagen von der Strafverfolgungsbehörde handelt», sagt Elvira Scheidegger, Sekretärin bei der Lanz Wehrli Advokatur AG in Zofingen. Die Übermittlung von Daten per Fax sei zudem sicherer als per E-Mail. Eine Abschaffung des Geräts sei darum noch kein Thema gewesen.

DIE GESCHICHTE DES TELEFAX

Von Zeitungen genutzt
Der schottische Uhrmacher Alexander Bain erfand 1843 einen Kopiertelegrafen, der Schwarz-Weiss-Bilder elektrisch übertragen konnte. Sein Prinzip wurde wenig später vom Engländer F.C. Bakewell weiterentwickelt. Dieser konstruierte eine Art Urform des Telefax. Die Technologie fand in den 1930er-Jahren vermehrt Verwendung. Sie diente damals primär Zeitungen, die damit Pressemeldungen empfingen. In der Schweiz wurde der Telefaxdienst in den 1970er-Jahren eingeführt.

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