«Es braucht ein klares Bekenntnis»

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EHCO-Präsident Marc Thommen: «Vielleicht haben wir etwas länger zugewartet als üblich.» (Bild: Bruno Kissling)

Marc Thommen, Sie haben Ihre erste Saison als VR-Präsident des EHC Olten hinter sich. Sie haben erlebt, wie emotional, aber auch wie kurzlebig dieses Geschäft sein kann. Ihr Fazit?

Marc Thommen: Es war eine schöne, positive Zeit, in welcher ich sehr viel gelernt habe. Ich habe immer gesagt: Das erste Jahr möchte ich mal reinschauen und alles kennenlernen und davon profitieren. Dafür habe ich – das darf ich wohl sagen – sehr viel Zeit aufgewendet. Das hat man auch gemerkt, ich war präsent.

Und sportlich?

Sportlich war die Zeit schon über die gesamte Saison sehr emotional, aber in den Playoffs spitzte es sich noch einmal zu. Da haben wir tolle Emotionen erleben dürfen, am Schluss im Final war es sicher auch mit Enttäuschung verbunden. Ich bin der Meinung, dass Rapperswil schlagbar gewesen wäre, andererseits dürfen wir stolz sein. Hätten wir im Januar über den Playoff-Final gesprochen, hätten uns viele für verrückt gehalten. Es gibt zwei Seiten.

Sie kommen aus der Wirtschaft und Politik und sind nun im emotionalen Sport angelangt. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin ein emotionaler Mensch, das ist oft nicht einfach (lacht). Die Spieler auf dem Eis, das Staff an der Bande, sie müssen Emotionen zeigen, ihre Leistungen hängen mitunter davon ab, davon lebt ja der Sport. Aber wir im Hintergrund sollten das etwas abdämpfen und mit einer gewissen Ruhe an der Arbeit sein. Im November hatten wir neun Mal in Serie gewonnen und wir diskutierten intern darüber, ob Gustafsson der richtige Trainer ist – verrückt! Aber solche Emotionen muss man professionell abhandeln. Das ist schliesslich unser Job, wir müssen das Beste für den Klub machen.

Rapperswil verfolgt das Ziel Aufstieg ohne Wimpernzucken und strahlt dabei mit dem Businessplan im Rücken eine gewisse Arroganz aus, der Meistertitel war eine Etappe. Fehlt dem EHCO noch dieses Denken?

Man muss schon sehen: Wir sind nun mit einer fast neuen Mannschaft angetreten. Rapperswil hat das Gerüst seit dem Abstieg und hat nun drei Jahre lang auf diesen Schritt hingearbeitet. Unser Ziel ist klar, das ist definiert und werden wir auch nicht ändern. Rapperswil hat die Saison dominiert, sie haben die Tore geschossen, während wir uns mit Mühe durch die Qualifikation spielten. Man kann dann nicht einfach den Schalter komplett kippen, dass dann in den Playoffs alles funktionieren möge, das geht nicht. Ich glaube, die Mannschaft hatte mental den Peak mit dem Halbfinalsieg in Langenthal erreicht. Wir müssen nun daran arbeiten, dass dieser Peak eben erst später kommt, im Final oder in der Ligaqualifikation.

Thema Trainer: Sie haben erst an Gustafsson festgehalten, ihn dann doch gefeuert. Würden Sie heute anders reagieren?

Ein Trainer ist wie ein Kadermitarbeiter einer Firma – dieser hat eine Chance verdient. Ich habe das Amt angetreten, als Mannschaft und Staff gegeben waren. Gustafsson ist eine grosse Respektsperson in der Welt des Eishockeys, er hat viel geleistet. Wir müssen aber auch feststellen: Als Trainer hatte er vor allem mit gestandenen Spielern Erfolge gefeiert. Bei uns hatte er aber Spieler zu coachen, die er auch ausbilden musste. Schlussendlich sagte ich mir: Es kann doch nicht sein, dass immer der Trainer daran glauben muss, denn die Spieler müssen genauso ihren Job erledigen. Vielleicht haben wir deshalb etwas länger zugewartet als üblich, und das sage ich offen: An diesem Schritt bin ich massgebend beteiligt.

Wenn man in das Business kommt, denkt man vielleicht, man könnte es etwas anders machen, als die gängigen Mechanismen sind. War die Trainerentscheidung ein erstes grosses Lehrbeispiel für Sie?

Ich habe kürzlich eine Studie gelesen, dass Trainerwechsel gar keinen grossen positiven Effekt haben. Wir haben auch nach dem Wechsel von Gustafsson zu Bartolone nicht mehr Tore geschossen. Es sagt uns niemand, dass wir nicht auch mit Gustafsson den Final erreicht hätten.

Man darf es bezweifeln.

Es ist immer die Frage: Wird es besser oder nicht? Die Frage, ob die Saison erfolgreicher gewesen wäre, wenn wir einen Monat früher reagiert hätten, bleibt unbeantwortet. Im Endeffekt haben wir richtig gehandelt.

Warum hatten Sie sich für eine interne Lösung entschieden?

Wir hatten verschiedene Szenarien geprüft, unter anderem natürlich auch jenes, einen neuen Trainer zu engagieren. Doch in der Regel muss man zu diesem Zeitpunkt der Saison dem neuen Trainer bereits auch einen Vertrag für die kommende Saison aushändigen. Und das wollten wir nicht. Und mit Bartolone hatten wir intern eine sehr vielversprechende Lösung.

Ihre Analyse zu Trainer Chris Bartolone?

«Barts» hat eine Mannschaft übernommen, die sich im Tief befand. Bezeichnend für mich war nach dem GCK-Heimspiel, dass die Spieler trotz anderslautender Weisung einzeln davongetrottet sind. Fünf waren noch im Restaurant am Essen, der Rest war weg. Peng! Da sagte ich mir: Das kann und darf nicht sein, das gehört sich nicht. Das waren einfach solche kleine Details, die es ausmachten. Und «Barts» ist anders: Er ist hart, kann aber auch Herz zeigen. Er sagt ja immer: «Hammer and Love.» Er spielt das sehr gut und die Spieler schätzen das auch.

Der Trainerposten ist ein gewichtiger Entscheid, wie auch die Ausländer.

Die Coaches haben sehr viel Mitspracherecht. Als es um die Verpflichtung des dritten Ausländers ging, hatten wir Gustafsson unzählige Spieler vorgeschlagen, die er dann ausschlug. Bei den Ausländern gibt dir niemand die Garantie, dass es funktioniert. Man kann schon unzählige Scouting-Reports lesen und vor Ort scouten, aber ob der Spieler dann einschlägt, weiss man nun mal erst, wenn er hier auf dem Eis steht.

Thema Geschäftsstelle: Sie möchten noch professioneller arbeiten.

Es gibt verschiedene Sachen, die wir anpacken müssen. Zum Beispiel wollen wir die Geschäftsstelle attraktiver gestalten und die Abläufe professionalisieren. Zum Beispiel ist der Budgetierungsprozess so detailliert wie noch nie zuvor. Da waren wir gefordert, aber das ist ein wichtiger Prozess. Diesen muss man jetzt machen, weil das neue Geschäftsjahr schon im Mai beginnt.

Waren Sie überrascht?

Ja und wie (überzeugend)! Gewisse Sachen verstehe ich heute noch nicht. Aber das ist nicht als Vorwurf an die Arbeitenden zu verstehen. Da sind in der Vergangenheit strategische Themen vergessen gegangen, weil man einfach machen liess – warum auch immer. Wir haben nun eine andere Philosophie und müssen uns bewusst sein: Der EHC Olten ist ein KMU, das sechs Millionen Franken Umsatz macht. Das ist nicht irgendein Hobbyverein. Da muss man daran arbeiten, aber wir sind auf sehr gutem Weg.

Gibt es gewisse Synergien, die Sie zwischen Ihrer Firma und dem EHC Olten nutzen können?

Eher weniger. Und ich will es auch trennen. Ich mache das nicht, weil ich irgendwo Profit sehe für meine Firma. Ich mache es, weil ich daran Freude habe. Und ich hatte schon in dieser Saison viel mehr Freud als Leid erlebt, nicht nur der Resultate wegen. Und ich habe eine Frau, die mich extrem unterstützt. Sie wurde auch schon zu einem grossen EHCO-Fan, sie ist eine sehr grosse Stütze für mich.

Thema Finanzen: Der Finaleinzug dürfte das Budget entlastet haben.

Wir können das zurzeit noch nicht sagen. Aber wir haben noch einige Altlasten. Aber in operativer Hinsicht müssen die Zahlen fast schwarz sein, sonst verstehe ich das nicht mehr.

Thema Catering: Gibts Veränderungen?

Der Vertrag mit der Migros ist verlängert. Wir haben ein Debriefing gemacht. Sie wissen, dass sie nicht gut gestartet sind, aber sie haben sich positiv gesteigert. Wieder ein Wechsel wäre auch nicht sinnvoll gewesen. Die Migros ist bereit, in den nächsten zwei Jahren einen Schritt vorwärtszumachen.

Catering könnte eine gute Einnahmequelle sein.

Es gibt Klubs, die verdienen damit sehr gutes Geld. Aber Klubs in unserer Grössenordnung verlieren eher Geld. Das Problem ist, dass viele Klubs nicht professionell genug geführt sind. Aber ich habe auch einige Visionen. Eigentlich will ich im Kleinholz gar kein Bargeld mehr, das erleichtert vieles. Ja, wir haben noch verschiedene offene Baustellen.

Baustellen sind ein gutes Thema. Wie sieht es beim Stadion aus?

Die Sportpark AG wird voraussichtlich in diesem Jahr im Parlament die zweite Etappe beantragen, darunter fallen die Toiletten-Situation bei den Sitzplätzen, die Eisaufbereitung und so weiter. Ich muss festhalten: Die Zuständigkeit liegt hier bei der Sportpark AG, der EHC Olten ist im Kleinholz nur Mieter.

Sie können aber Forderungen stellen.

Es braucht vor allem ein klares Bekenntnis der Stadt Olten zum EHC Olten. Ich weiss beispielsweise von Rapperswil-Jona, dass sie keine Stadion-Miete bezahlen müssen. Auch Visp bezahlt nichts, die einen Mietbetrag von 350 000 Franken im Vertrag haben, der aber Ende Saison vom Stadtrat immer wieder erlassen wird. Das sind klare Bekenntnisse. Es geht mir nicht mal darum, dass wir etwas bezahlen müssen. Uns ist viel wichtiger, dass das Bekenntnis und die Unterstützung der Stadt Olten spürbar ist. Denn sonst haben wir ein grosses Existenzproblem. Immerhin werden nun in der Sommerpause die Torverankerungen modernisiert.

Was eigentlich ein Detail ist.

Ja, aber es ist sinnbildlich. Es geht auch noch um die flexible Bandenanlage. Der EHC Olten besitzt einen Mietvertrag eines nationalligafähigen Stadions. Ob Sportpark AG oder Stadt Olten: Letztlich ist es die Stadtverwaltung und wenn man ein Stadion mit einem solchen Mietvertrag anbietet, muss man die Anforderungen erfüllen. Es bringt dann auch nichts, wenn die Stadtverantwortlichen im EHCO-Schal an einem Spiel sind und «Hopp EHCO» rufen, aber kein Bekenntnis zum EHC Olten abgeben. Da sind wir in Verhandlungen.

Was liegt Ihnen beim Stadion am Herzen?

Sicher die Bandenanlage. Dann die gesamte Buvettensituation auf dem Ausseneisfeld, der Restaurantaufgang hinten, der nicht vorhanden ist. Und die sanitären Anlagen muss ich ja gar nicht erst erwähnen. Es gibt verschiedene Punkte. Aber wir alle müssen realistisch bleiben: Diese Sachen werden nicht alle auf nächste Saison umsetzbar sein.

Geduld ist gefragt.

Natürlich. Aber der EHC Olten muss sich dabei klar überlegen, wohin die Reise gehen soll. Wenn der Rückhalt nicht da ist, etwas zu bewegen, dann müssen wir halt auch unsere Schlüsse daraus ziehen.

Und die würden wie aussehen?

Nun, der EHC Olten muss nicht zwingend in Olten spielen, da denkt man etwa auch an Egerkingen, das gut gelegen ist. Aber so weit wollen wir natürlich nicht gehen. Der EHCO ist im Kleinholz zu Hause und hier wollen wir Erfolge feiern.

 

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