Baden: 2020 soll das neue Thermalbad eröffnet werden

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Es ist ein historischer Moment für das Bäderquartier: Der Badener Ehrenbürger Sepp Schmid als Verenahof-Portier; Martin Kull, CEO und Inhaber der HRS Real Estate; Rainer Blaser, Direktor der Stiftung für Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden; Stiftungsrat und Projektleiter Stephan Güntensperger; Giovanni Panizzo, Projektleiter der HRS; Stadtammann Markus Schneider; Architekt Mario Botta; Stiftungsratspräsident Beat Edelmann und Bauleiter Antony Strub (v.l.). (Bild: Alex Spichale )

Ziemlich genau 2000 Jahre nachdem römische Soldaten aus dem Legionslager Vindonissa die heissen Quellen von Baden für sich entdeckten, brach gestern ein neues – und hoffentlich glanzvolles – Kapitel in der Geschichte des Badener Bäderquartiers an. Die Götter scheinen es jedenfalls gut zu meinen mit Baden. Pünktlich zum Spatenstich des neuen Thermalbads strahlte gestern Mittag die Sonne ungetrübt am Badener Frühlingshimmel.

Sepp Schmid, Ehrenbürger und leidenschaftlicher Sammler von Badener Erinnerungsstücken, begrüsste als Portier des Hotels Verenahof rund 150 Gäste und viel Lokalprominenz im Mättelipark. Hier wurde vor genau 15 Monaten, am 17. Januar 2017, das Thermalbad aus den Sechzigerjahren abgebrochen. Gestern war die Stimmung hervorragend, es war ein Freudentag für die Stadt Baden. Der Mättelipark war mit Fahnen geschmückt. Nach jahrzehntelangem Niedergang soll es jetzt endlich wieder aufwärtsgehen mit der Bäderstadt Baden.

Stephan Güntensperger, Stiftungsrat der Bauherrin, der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden, sagte in seiner Ansprache, der herrliche Frühlingstag sei ein gutes Omen für das 150-Millionen-Franken-Projekt. Er dankte als erstes Benno Zehnder, der als Initiant und Investor lange Jahre treibende Kraft hinter dem Botta-Bad war. Mehr als elf Jahre seien ins Land gezogen, seit Zehnder die Aktienmehrheit der Verenahof AG erworben und damit den Neustart im Bäderquartier möglich gemacht habe. Mittlerweile gehört die Aktienmehrheit der Stiftung Gesundheitsförderung. Im Herbst 2020 sollen das neue Thermalbad, die Rehaklinik und das Ärztehaus eröffnet werden und Arbeitsplatz für rund 280 Menschen sein.

«Garantie für gutes Gelingen»

Güntensperger sagte, jetzt könne nicht mehr viel schiefgehen. Er dankte der Badener Bevölkerung für die Wahl von Markus Schneider als Stadtammann. Er als politischer Förderer, der Architekt Mario Botta und die HRS Real Estate als Generalunternehmerin würden ein gutes Gelingen garantieren. Stadtammann Markus Schneider (CVP) sagte im Anschluss, ohne Bäder würde es Baden gar nicht geben. Die Stadt hätte ihren Ursprung leider zeitweise etwas vergessen, als sie stark von der Industrie profitierte. Schneider dankte den beiden Ehrenbürgern Sepp Schmid und Sepp Bürge, seinem Vor-Vor-Vorgänger im Amt, für ihr Engagement für ein lebendiges Bäderquartier. Er dankte auch der städtischen Abteilung Planung und Bau, der Stiftung Gesundheitsförderung und allen Beteiligten, insbesondere dem Architekten, der mit viel Herzblut und «Gspüri» für diesen besonderen Ort ein Projekt entwickelt habe.

Schneider wünschte der Baustelle eine unfallfreie Zeit und den Anwohnerinnen und Anwohnern viel Geduld in den kommenden zwei Jahren. Im Namen der Stadt Baden schenkte Schneider Mario Botta einen Stuhl, den Botta einst selbst entworfen hatte, nämlich zum 700-Jahr-Jubiläum der Eidgenosschenschaft 1991. Der Stuhl stand bisher bei Sepp Schmid im Keller und wartete auf seine Bestimmung. Schmid und die Stadt wollten Botta damit zeigen, dass er hier immer willkommen sei und verweilen könne.

Mario Botta hielt dann eine Rede auf Französisch, in der er auf die Kulturgeschichte und auf die Bedeutung der Badener Bäder einging. Er wünsche sich, dass dieser Ort mit seiner Tradition und seiner Geschichte wieder ein fester Bestandteil der Stadt werde. Baden könne man sich ohne seine Bäder nicht denken. Er wünsche der Stadt, dass sie nun endlich diese Kraft aus der Erde wieder an die Oberfläche holen und nutzen könne. Das 47 Grad heisse Thermalwasser in Baden sei ein Geschenk des Himmels.

Nach dem offiziellen Spatenstich im Rasen des Mätteliparks liess die Gästeschar den herrlichen Frühlingsnachmittag bei Bratwurst, Weisswein und Spanischbrötli ausklingen. Ende Mai öffnet im ehemaligen Inhalatorium ein Infocenter, in dem sich Besucher und Bevölkerung über die Bauvorhaben und über die Geschichte des Bäderquartiers informieren können. Heute, wenn das Bäderparkhaus abgebrochen wird, ist das alte Bäderquartier endgültig Geschichte.

Von Andreas Fahrländer

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Architekt Mario Botta: «Bei der Eröffnung werde ich mir sicher ein Bad gönnen.» (Bild: Alex Spichale)

Mario Botta, sind Sie nach all den Jahren der Planung erleichtert, dass es nun endlich mit dem Bau des Bades losgeht?

Mario Botta: Ich bin nicht nur erleichtert, ich bin auch glücklich. Vor zehn Jahren habe ich die ersten Skizzen erstellt und danach fast täglich an diesem Projekt gearbeitet. Herausgekommen ist nicht nur einfach ein Gebäude, sondern eine Neuinterpretation der Geschichte dieser Stadt. Seit 2000 Jahren badet man hier in den Thermen, sie sind identitätsstiftend. Nicht umsonst lautet der Name der Stadt «Baden».

Sie sagen, das Bad gehöre für die Stadt zur Identifikation. Was bedeutet es für Sie persönlich?

Ich bin davon überzeugt, dass die heutige Architektur nur dann funktioniert, wenn sie zu einem Teil des Ortes wird. Für mich ist das Bad darum wichtig, weil es nicht einfach ein isoliertes Projekt ist, das unsere künstlichen Bedürfnisse befriedigt. Nein, Thermalwasser ist schliesslich etwas, das aus den Tiefen der Erde kommt und uns Menschen guttut.

Was sind aus Ihrer Sicht die Stärken des neuen Thermalbades?

Einer der entscheidenden Punkte ist, dass die Limmat ihrer wichtigen Rolle wieder gerecht werden kann. Sie ist im Grunde genommen eine Wasserstrasse, ein wichtiger Verbindungsweg. Daneben entsteht für Fussgänger eine schöne Promenade. Die Limmat, die heute etwas abseits liegt, wird wieder ins Zentrum der Stadt rücken.

Haben Sie vor, selbst gelegentlich in «Ihrem» Bad baden zu gehen, wenn es eröffnet worden ist?

Ob gelegentlich kann ich nicht sagen. Doch bei der Eröffnung werde ich mir sicher ein Bad gönnen. Vielleicht ja dann mit Champagner, wenn es kein Thermalwasser hat. Aber Spass beiseite, es geht nicht um meine persönlichen Bedürfnisse. Die Aufgabe eines Architekten ist es, für das Wohlbefinden der Allgemeinheit zu arbeiten.

Von Frederic Härri

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So soll das Botta-Bad im Inneren aussehen – mit Aussicht auf die Goldwand. (Bild: HO)

Auf die Besucher im Botta-Bad warten unter anderem neun Badebecken mit 1000 Quadratmetern Wasserfläche, Saunen und Dampfbäder.

Mario Botta entwarf das neue Bad als 160 Meter langen, flachen Baukörper mit einer Natursteinfassade, aus dem «fingerartige Öffnungen» in den Himmel ragen. Überhaupt lebt der Neubau von prächtigen Aussichten auf die Goldwand, auf den Hertenstein und die Limmat.

Es wird neun Innen- und Aussenbecken mit unterschiedlichen Temperaturen geben. Ein Highlight wird der grosse «Infinity-Pool» direkt über der Limmat sein, dort wo früher die Aussichtsterrasse des Mätteliparks lag. Neben einem «Limmat-Flussbad», einem Wohlfühlbecken, Ruhebecken und Heiss- und Kaltwasserpools gibt es auch ein Solebad. Darüber hinaus beherbergt das neue Bad ein Restaurant, Behandlungsräume, eine Saunalandschaft (mit zweistöckiger Aussensauna und Dampfbädern) sowie grosszügige Liegeflächen – «im Textil- und im textilfreien Bereich», wie es im Projektbeschrieb heisst.

Nicht zuletzt sind 450 Parkplätze und 320 Velo-Abstellplätze geplant. Neben dem Botta-Bad und dem Ärztehaus im Limmatknie entsteht im historischen Verenahof-Geviert mit den alten Badgasthöfen Verenahof, Bären und Ochsen auch eine Privatklinik mit rund 60 Zimmern, einer Orangerie, einer Bar mit Lounge, einem öffentlichen Restaurant und dem restaurierten Elefantensaal. Im gesamten Bäderquartier soll zudem unter der Leitung des Planungsbüros Steiner Sarnen ein vielfältiges Angebot der Kultur- und Geschichtsvermittlung entstehen – angedacht sind zum Beispiel ein «Bäderweg» rund um das Limmatknie oder ein Geysir vor dem Badeingang. (AF.)

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